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Analyse von „Bekennerschreiben“ im Internet „denkbar schwierig“

Das Internet als weltumspannendes Kommunikationsnetz hat für die Verständigung der Menschen ganz neue Möglichkeiten eröffnet. Doch auch Terrororganisationen haben längst den Wert des Mediums erkannt.

dpa HAMBURG. Das Internet als weltumspannendes Kommunikationsnetz hat für die Verständigung der Menschen ganz neue Möglichkeiten eröffnet. Doch auch Terrororganisationen haben längst den Wert des Mediums erkannt.

Terrorgruppen machen ihre Forderungen und Drohungen publik und zeigen Bilder ihrer Bluttaten. Über Ländergrenzen hinweg wird aktuell im Netz zum umstrittenen Islamisten-Kongress in Berlin geladen, und „Bekenner“- beziehungsweise „Bezichtigungsschreiben“ werden nach Terroranschlägen wie zuletzt nach dem verheerenden Anschlag in Beslan über den elektronischen Weg verbreitet.

Die Prüfung von „Bekennerschreiben“ auf einer Website im Internet ist nach den Erfahrungen des Bundeskriminalamtes (BKA) in Wiesbaden „denkbar schwierig“. Schließlich biete nur der Text selbst Anhaltspunkte dafür, ob er wirklich von den Tätern verfasst wurde - im Gegensatz beispielsweise zu den „Selbstbezichtigungsschreiben“ deutscher RAF-Terroristen, bei denen auch die Wahl des Papiers Hinweise liefern konnte. Bei von Hand geschriebenen Briefen kann zudem eine Analyse der Handschrift durch Experten Anhaltspunkte über den Verfasser geben.

Bei elektronisch übermittelten Texten bleibt den Ermittlern nur übrig, die Aussagen mit Ablauf und Details der Tat zu vergleichen und so auf ihre Plausibilität zu prüfen. Dabei wird vor allem untersucht, ob der Text „Täterwissen“ verrät - also Informationen enthält, über die nur die Täter oder deren Mitwisser verfügen können. Aber auch die Verwendung schon früher benutzter Formulierungen kann Anhaltspunkte auf bestimmte Täter liefern.

Mit einem Vergleich von Bezichtigung und Tatablauf lassen sich gegebenenfalls auch „Trittbrettfahrer“ entlarven. Als Beispiel verweist das BKA auf den Stromausfall im Nordosten der USA im vergangenen Sommer. Damals habe es ein Bekennerschreiben von einer Gruppe namens „Abu-Hafs-el-Masri-Brigaden“ gegeben, die den Zusammenbruch der Stromversorgung bewirkt haben wollte. Tatsächlich war die Ursache des Stromausfalls aber ein technischer Defekt.

Über den elektronischen Weg verbreitete Nachrichten hinterlassen jedoch auch Spuren, denen Ermittler und Kriminalisten nachgehen können. Wer eine Internet-Site ins Netz stellt, muss zunächst eine so genannte Domain-Adresse besitzen. Welche Domain auf welchen Namen zugelassen ist, lässt sich im Netz nachlesen - für deutsche Sites unter www.denic.de. „Die Person, die einen Domain-Namen registrieren lässt, muss aber nicht identisch sein mit dem Betreiber einer Website“, erklärte Klaus Herzig, Pressesprecher der deutschen Registrierungsstelle Denic.

Dennoch lässt sich herausfinden, wer für eine bestimmte Veröffentlichung verantwortlich ist. Die entsprechenden Zugangsdaten speichert der jeweils beauftragte Internet-Anbieter, der so genannte Provider. Das sind Unternehmen wie zum Beispiel Strato, 1 & 1 oder T-Online. Sie sorgen dafür, dass eine Website Platz im Internet bekommt und dort auch erreichbar ist. Dafür werden den Websites jeweils so genannte IP-Adressen zugeordnet - IP steht für das Internet- Protokoll, das Übertragungsformat im Netz.

Wenn man weiß, um welche IP-Adresse es sich handelt, kennt man auch den Verursacher, sagt Martin Frommhold von T-Online. Daten wie den Verkehr über die IP-Adressen, Verbindungsnachweise sowie Übertragungsvolumen werden bei T-Online 80 Tage lang vorgehalten. „Wir sind allerdings nur dann auskunftspflichtig, wenn ein Auskunftsbegehren durch den Staatsanwalt herausgegeben wird“, sagt Frommhold. Können die Ermittler auf diese Weise den Weg eines im Internet veröffentlichten „Bekennerschreibens“ zurückverfolgen, so dürfte für die Kriminalisten - wie beim traditionellen Postversand auch - jedoch auch erst dann die eigentliche Analyse und weitere Spurensuche beginnen.

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