Analysten sind skeptisch
News Corp und NBC wollen Youtube an den Kragen

Youtube geht es mal wieder an den Kragen. Nachdem die Google-Tochter bereits wegen Urheberrechtsverletzungen auf Schadenersatz in Milliardenhöhe verklagt wurde, verbünden sich jetzt die TV-Riesen News Corp und NBC, um der populären Videoseite ihren Erfolg streitig zu machen.

DÜSSELDORF. Die Medienriesen News Corp und NBC Universal werden eine gemeinsame Konkurrenzseite zu dem beliebten Google-Videoportal Youtube.com starten. Der neue Dienst werde im Sommer online gehen, erklärte News-Corp-Chef Peter Chernin in einer Konferenzschaltung am Donnerstag. Ein Name für das neue Angebot sei noch nicht gefunden. Er soll von Beginn an die größte Vertriebsplattform für Videoinhalte weltweit sein und wendet sich auch gegen Online-TV-Seiten wie Disney.go.com oder den Videovertrieb über iTunes. Der Apple-Musikladen hat 2006 den Vertrieb von Disney- und Pixar-Produktionen aufgenommen, aber bislang keine weiteren Studios in seinen Online-Medienshop ziehen können.

Es ist geplant, Filme in voller Länge und Videoclips von zunächst zwölf TV-Netzen und zwei Filmstudios anzubieten sowie komplette TV-Serien wie „Saturday Night Life“. Als Vertriebspartner der kopiergeschützten Videos sind zunächst die Time-Warner-Tochter AOL, die Microsoft-Tochter MSN, die News-Corp-Tochter Myspace.com sowie Yahoo im Gespräch. Es sind bereits Werbekunden wie Cadbury Schweppes, Cisco, Esurance, Intel und General Motors mit an Bord. „Das wird die Spielregeln im Internet ändern“, sagt Chernin. „Wir haben von Beginn an Zugang zu fast der gesamten Internet-Nutzerschaft in den USA.“

Analysten wie James McQuivey von Forrester Research sehen das neue Projekt noch mit Skepsis. „Mediaunternehmen sind natürlich begierig, am Erfolg von Youtube zu partizipieren“, so McQuivey in einer Stellungnahme. „Aber wenn sie eine Seite bauen, auf die die Menschen kommen sollen, um ihre Filme zu sehen und gleichzeitig den Rest des Internets fern halten wollen, dann haben sie das Ganze einfach nicht verstanden. Diese Seiten leben davon, ihre Inhalte mit so vielen anderen zu teilen wie möglich.“ Die TV-Riesen sehen ihre Vertriebsplattform aber auch gar nicht als Youtube-Killer, sagen sie. Es sei auch keine Reaktion auf die Schadenersatzklage von Viacom gegen Youtube. Die Gespräche der beiden Partner hätten bereits „vor Monaten“ begonnen, so Chernin.

Im Gegenteil: Man könne sich auch eine Zusammenarbeit vorstellen, am Donnerstag morgen habe man bereits ein Gespräch mit Google-Chef Eric Schmidt geführt, so Jeff Zucker, CEO von NBC Universal. Google „überlege sich“, ob man dem Vertriebsnetz beitreten werde. Seit der 1,6 Mrd. Dollar schweren Akquisition von Youtube im vergangenen Jahr ist Google auf der Suche nach Möglichkeiten, um mit der Webseite Geld zu verdienen. Allerdings gibt es auf Youtube derzeit noch keine technische Möglichkeit, um Gebühren abzurechnen oder die Rechteinhaber am Umsatz zu beteiligen.

Das neue Online-Unternehmen, das in New York und Los Angeles beheimatet sein wird, werde aktiv nach weiteren Vertriebspartnern Ausschau halten, heißt es in der Konferenz. Jeder Vertriebspartner, „der die ökonomischen Vorgaben einhalte“ sei willkommen, so Zucker. Jeder Vertriebspartner wird die Inhalte in einem speziellen Videoplayer auf seiner Webseite einbinden können und ausnahmslos die selben Inhalte erhalten, so Zucker. Außerdem sollen Videos auf den rund 160 Mill. Profilseiten der News-Corp-Tochter Myspace.com einzubinden sein. Die Angebote sollen kopiergeschützt sein und nach dem heutigen Stand der Informationen nicht auf die Festplatte geladen werden können. Die abendfüllenden Kinofilme sollen gegen Zahlung einer Gebühr abzurufen sein, die Mehrzahl der TV-Episoden soll werbefinanziert gezeigt werden.

Videostreaming-Angebote haben enorm an Zulauf gewonnen in den USA, laut Comscore Video Metrix haben im Januar 2007 rund 123 Millionen Nutzer (unique users) Videostreams in den USA abgerufen oder Videos dem Internet geladen. E-Marketer schätzt, dass 2006 bereits rund 410 Mill. Dollar in Werbung in Zusammenhang mit Onlinevideo investiert wurde. Marktführer in diesem Segment ist zumindest was die Reichweite angeht Youtube.com, heute eine Tochter von Google. Laut Comscore soll Google im Januar rund 133 Millionen Besuche verzeichnet haben. Diese Zahl der Besucher ist jedoch nicht zu vergleichen mit der Zahl der „unique user“, da jeder Nutzer auch mehrmals auf einer Seite gewesen sein kann.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
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