Anbieter geben Kostenvorteil weiter
Computerspiele zum Download lohnen sich

Das Internet bietet sich nicht nur für Musik und Filme als digitaler Vertriebsweg an, auch Downloads von Computerspielen sind auf dem Vormarsch. Der Umsatz damit wird sich in diesem Jahr nahezu verdoppeln. Die Spiele-Hersteller geben ihren Kostenvorteil im Netz an Kunden weiter.

HB SAN JOSÉ. Während die Angebote für Spielkonsolen wie die Playstation oder die Xbox immer mehr Platz in den Regalen der Supermärkte einnehmen, ist zumindest in den USA der Trend zu beobachten, dass PC-Spiele weniger im Laden und häufiger als Download gekauft werden.

„Das ist einfach eine weitere Entwicklung im Einzelhandel von digitalen Produkten“, sagt der Geschäftsführer des US-Unternehmens IGN Entertainment, Jamie Berger. IGN betreibt das Internet-Portal Direct2Drive, eines von immer mehr Online-Geschäften für den Download von Computerspielen. Beim Start im September 2004 waren nur vier Spielevertriebsfirmen dabei, die etwa 25 meist ältere Titel präsentierten. Heute gibt es bei Direct2Drive eine Auswahl aus 130 Spielen von 44 Vertriebsfirmen, und viele Titel werden am gleichen Tag zum Download bereitgestellt, an dem sie auch in den Geschäften auftauchen. Berger will keine genauen Download-Zahlen nennen, sagt aber, dass sich der Umsatz zuletzt Monat für Monat verdreifacht habe.

Das Marktforschungsinstitut IDC erwartet, dass sich der Download-Umsatz bei Computerspielen in den USA in diesem Jahr auf 500 Mill. Dollar nahezu verdoppeln wird und 2007 ein Volumen von mehr als 760 Mill. Dollar erreichen wird. Gleichzeitig geht der Verkauf von Computerspielen im Ladenpaket in den USA zurück: Die Umsätze in diesem Geschäft beliefen sich 2001 noch auf 1,5 Mrd. Dollar. Im vergangenen Jahr waren es nur noch 953 Mill. Dollar, was einen Rückgang von 36 Prozent bedeutet.

Der Download von Spielen hat den Vorteil, dass man nicht erst in den Laden gehen muss, sondern am Computer gleich loslegen kann. Der Trend wird unterstützt von der zunehmenden Verbreitung von Breitbandzugängen ins Internet. Je nach Umfang des Spiels dauert das Herunterladen manchmal nur wenige Sekunden, manchmal aber auch mehrere Stunden.

Neben dem Kauf von Downloads gibt es auch Abo-Systeme, bei denen die Nutzung eines Spiels für eine bestimmte Zeit erworben werden kann. Dazu gehört etwa das Portal pogo.com des Spiele-Giganten Electronic Arts. Aber auch Yahoo und Comcast haben solche Angebote nach dem Prinzip „Games on demand“ entwickelt, bei denen Spiele von „Scrabble“ bis „Tom Clancy's Splinter Cell“ gebucht werden können.

Der digitale Vertrieb sei für Online-Spiele geradezu ideal, sagt der Mitbegründer des Spiele-Entwicklers S2 Games, Marc DeForest. Dies komme vor allem kleinen, unabhängigen Spiele-Entwicklern entgegen, die im Wettbewerb um die knappen Stellflächen im Einzelhandel sonst nur geringe Chancen hätten. Das Action-Spiel „Savage: The Battle for Newerth“ konnte S2 rund 50 000 Mal verkaufen, davon 10 000 Mal als Download. Der Internet-Vertrieb brachte dem Unternehmen nach Angaben DeForests aber mehr Geld ein als der Ladenverkauf, weil keine Kosten für CD-Herstellung, Verpackung und Vertrieb anfallen.

Jetzt will S2 den Nachfolger „Savage 2“ nur noch als Download anbieten und einen Teil der Kostenersparnis an die Kunden weitergeben: Mit 29,99 Dollar ist der zweite Teil des Spiels ein Drittel billiger als der erste Teil.

„Es gibt keine Box, keine CDs. Und wir verkaufen 50 000 Spiele im Monat auf diese Weise“, sagt der Chef von WildTangent, Alex St. John. Sein Unternehmen hat die ersten Download-Spiele schon 2001 zum Einzelpreis von 20 Dollar eingeführt.

Einige große Einzelhändler bei Computerspielen in den USA wie Blockbuster oder Wherehouse Music haben sich auf den Trend schon eingestellt und stellen nur noch Titel für Spielkonsolen in die Regale. Der Umsatz mit diesen Spielen war im vergangenen Jahr in den USA mit 6,1 Mrd. Dollar ohnehin mehr als sechs Mal so groß wie bei den PC-Spielen.

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