Anbietern in Tauschbörsen Strafen angedroht
Musikindustrie nun auch in Deutschland auf der Jagd

Ab sofort geht die Musikindustrie auch in Deutschland scharf gegen illegale Musikanbieter in Internettauschbörsen vor. Ihnen werden strafrechtliche Maßnahmen angedroht. Praktisch jeder Nutzer, der anderen in Tauschbörsen den Zugriff auf sein Musikrepertoire zulässt, ist davon betroffen. Bisher verfolgten die Hersteller nur unerlaubte Angebote auf Webseiten oder Servern.

HB BERLIN. „Die Musikwirtschaft ist gezwungen, Strafanzeige zu stellen“, sagte Vorsitzende der deutschen Phonoverbände (IFPI), Gerd Gebhardt, am Dienstag in Berlin. Die Schäden durch die unerlaubte Vervielfältigung sei mittlerweile existenzgefährdend. In einer ersten Klagewelle haben die IFPI nach eigenen Angaben 68 Strafanzeigen gestellt.

Der Weg zum Staatsanwalt ist Gebhardt zufolge aus juristischen Gründen nötig. Die Internetprovider dürften die Namen der Rechteverletzer nicht an die Inhaber von Urheberrechten, sondern nur an Behörden weitergeben. Dort könnten die Kläger die Akten einsehen und zivilrechtliche Schritte gegen die Musikpiraten einleiten. „Das Internet ist nicht anonym“, warnte Gebhardt vor Verstößen gegen das Urheberrecht. Die Hersteller wollten deutlich machen, dass Angebote in illegalen Tauschbörsen äußerst schmerzhaft werden könnten. Die Branche schätzt, dass 2003 allein in Deutschland 600 Mill. Titel unerlaubt aus dem Internet heruntergeladen wurden. Die Zahl der Nutzer der Tauschbörsen sei um 14 % auf 7,3 Mill. gestiegen.

Die Musikwirtschaft kann die Folgen des leichten Zugangs zu Raubkopien in der Statistik ablesen. Der Umsatz ging im vergangenen Jahr um knapp 20 % auf 1,65 Mrd. € zurück. Gut 183 Mill. Tonträger wurden verkauft, nach 224 Mill. im Jahr zuvor. Aufgrund der illegalen Tauschbörsen seien 1000 Stellen in der Musikindustrie fortgefallen, erläuterte Gebhardt, der weitere Entlassungen erwartet. Im laufenden Jahr rechnet die Branche mit moderat rückläufigen Umsätzen.

Die Entwicklung verläuft allerdings je nach Sparte unterschiedlich. DVD-Musikvideos erleben einen Boom. Der Absatz hat sich im vergangenen Jahr mit 7,9 Mill. Stück um 133 % erhöht. Dagegen gingen die CD-Verkäufe um 33 Mill. auf 133 Mill. zurück. Besonders drastisch brach der Verkauf von Singles ein. Deutsche Künstler waren laut Verband 2003 erfolgreicher als je zuvor. Ihr Anteil an den Album-Charts sei um drei Prozentpunkte auf 29,5 % gestiegen, in den Single-Charts stellte die Deutschen mit einem Anteil von fast 55 % erstmals mehr als die Hälfte der Künstler.

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