Angst vor intelligenten RFID-Etiketten
Wissenschaftler halten Vision eines gläsernen Kunden für übertrieben

Kaum hatte der Textilhersteller Benetton im vergangenen Frühjahr angekündigt, intelligente RFID-Etiketten in seine Hemden zu nähen, um die Versorgung mit Waren zu verbessern, hagelte es Proteste von Verbraucherschützern. Diese befürchteten, Benetton- Kunden könnten demnächst auf Schritt und Tritt elektronisch verfolgt werden. Flugs bliesen die Italiener ihren Plan wieder ab.

HB/cs DÜSSELDORF. In den USA warnen „Caspian“- Aktivisten sogar davor, Verbraucher könnten wegen der RFID-Chips per Satellit überwacht werden. Seither propagiert Wal-Mart das Thema weitaus vorsichtiger.

„Die vermeintlichen Gefahren für den Datenschutz werden in der Öffentlichkeit falsch dargestellt“, sagt Frank Horst vom renommierten Euro-Handelsinstitut in Köln. Tatsächlich lässt sich aus den Etiketten lediglich ein 30-stelliger Code auslesen, der erst in Verbindung mit der entsprechenden Firmen-Datenbank zu entziffern ist. Selbst diese Informationen sind nichts weiter als Angaben über Mindesthaltbarkeit, Lieferanten oder die Farbe des Artikels. „Mit Daten über den Kunden werden die Chips auf keinen Fall beschrieben“, bestätigt Metro-Sprecherin Petra Rob.

Per Satellit oder Richtantenne lassen sie sich zudem nicht aufspüren. Nur RFID-Chips für Container sind mit einer eigenen Batterie ausgestattet, so dass sie ihre Informationen über eine größere Distanz senden können. Doch selbst die ist nicht größer als rund 100 Meter.

Gewöhnliche RFID-Etiketten, mit denen einzelne Artikel künftig versehen werden sollen, geben ihre Daten erst dann ab, wenn sie von einer starken Antenne angefunkt werden. Die Lesedistanz ist dabei kaum größer als die eines heutige Barcode-Lesers. „Die schaffen höchstens einen Meter“, sagt EHI- Wissenschaftler Frank Horst.

Das einzig denkbare Datenschutzrisiko: Betritt ein Kunde mit einem aktiven Etikett den Laden, kann die codierte Nummer theoretisch gelesen werden. Wird sie beim Betreten eines zweiten Geschäfts ebenfalls erkannt, lässt sich der Einkaufsweg nachvollziehen. Für das EHI ist diese Vision aber utopisch. Die Daten müssten einzeln gespeichert werden und die Computer der Wettbewerber vernetzt sein.

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