Anonymous-Hack
„Die Website war schlicht schlecht gesichert“

Andreas Bogk ist bekannter Hacker, Sprecher des Chaos Computer Clubs - und als Stratfor-Kunde ein Opfer der Anonymous-Aktivisten. Im Interview prangert er „peinliche Fehler“ des US-Unternehmens an und sagt, warum er von der Aktion der Hacker nichts hält.
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Über Weihnachten ist die US-Firma Stratfor Opfer einer Hacker-Attacke der Anonymous-Bewegung geworden. In den Medien wurde das Unternehmen meist als „Sicherheitsfirma“ betitelt, teilweise war auch von einem Think Tank oder einer „Schatten-CIA“ die Rede. Um was handelt es sich bei dieser Firma wirklich?

Es handelt sich im Grunde genommen um einen privaten Nachrichtendienst – also so eine Art Nachrichtenagentur, die internationale Meldungen zu der politischen Lage analysiert und inhaltlich aufbereitet. Das sind also Leute, die sich mit verschiedenen Regionen und deren Machtstrukturen auskennen. Wenn dann so etwas passiert wie die Revolution in Ägypten oder etwas ähnliches, sind sie die ersten, die eine Analyse dazu schreiben. Sie sagen, was die Hintergründe und die Fraktionen sind. Im Prinzip also eine Art täglicher Nachrichtendienst.

Warum wurde ausgerechnet Stratfor Ziel einer Attacke von Anonymous?

Das ist schwer zu sagen. Stratfor hat sich unbeliebt damit gemacht, dass sie für viele brisante Informationen die entsprechenden Hintergründe und Informationen geliefert haben. Es ist also nicht unbedingt gesichert, dass es wirklich eine Anonymous-Aktion war.

Es ist zwar vorstellbar, dass bei Anonymous die Vorstellung herrscht „da sind die bösen Geheimdienste Kunde, das muss also auch ein böses Unternehmen sein“. Es kann aber auch sein, dass dort eher eine Gelegenheit ausgenutzt wurde: Die Website war schlicht schlecht gesichert. Vielleicht suchte man eine Ausrede, um die Gelegenheit auch noch in einen politischen Kontext zu stellen. Es ist aber auch denkbar, dass es jemand war, der Stratfor schaden will und den Angriff Anonymous angehängt hat.

Was hat Stratfor falsch gemacht?

Man muss schon sagen, dass es ganz schön peinlich ist, dass Stratfor die Kreditkartennummern unverschlüsselt in der Datenbank gespeichert hat. Die Passwörter wurden zwar per Hashing verschleiert – aber so, dass eine Attacke per Wörterbuch möglich war. Die einzige noch schlechtere Variante wäre gewesen, die Passwörter im Klartext zu speichern.

Auch bei Sony war es ähnlich – Passwörter und Kreditkarteninformationen wurden unverschlüsselt auf den Servern gespeichert. Wie erklären Sie sich ein solches Vorgehen?

Ich nehme an, dass es eine Mischung aus Unverständnis über die Bedrohungslage ist und möglicherweise der Behauptung des technischen Dienstleisters, dass alles in Ordnung ist. Es gibt ja den PCI-DSS-Standard zum Umgang mit Kreditkarteninformationen. Wäre der Standard eingehalten worden, wären die Auswirkungen weniger heftig gewesen.

Das viel größere Problem meiner Meinung nach – und vielleicht sollen die Kreditkarten auch davon ablenken – sind die 200 Gigabyte E-Mails, die von den Stratfor-Mitarbeitern eingesammelt wurden. Denn die enthalten natürlich Informationen über die Informanten und Hintermänner von Stratfor. Das ist für mich der wesentlich brisantere Datensatz.

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Warum Bogk nichts von der Anonymus-Aktion hält

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  • Und Recht geschieht Dir Andreas Bogk
    und auch Frank Rieger, dem Sprecher des CCC.

    In seinem Buch "Die Datenfresser" schreibt er:
    "Es lohnt sich, über die Wahl eines Paßwortes ein wenig nachzudenken,
    wenn man sichergehen will, daß jemand anderes es nicht einfach
    erraten oder mit Computerhilfe herausfinden kann. [...] Denn die
    beste Verschlüsselungslösung hilft gar nichts, wenn sie nur durch ein
    einfach zu ratendes Paßwort gesichert ist."

    Sein Passwort bei stratfor war "fnord42".

    Also ob das nicht schon peinlich genug wäre, schreibt er in seinem
    Blogposting zum Vorfall (http://frank.geekheim.de/?p=2003):

    "The password was intentionally primitive..."

    Mir fehlen die Worte...

  • Nicht nur Andreas Bogk ist Opfer des Stratfor Hacks geworden, sondern auch CCC Sprecher Frank Rieger. Ich finde mann kann einer Firma nicht mangelnde Sicherheit vorwerfen, wenn man selbst ein so einfaches Passwort wie "fnord42" verwendet.
    Vor allem nicht als offizielle Sprachrohr des CCC.

  • Nicht nur Andreas Bogk, auch der Sprecher des CCC, Frank Rieger ist Opfer des Strafor Hacks geworden. Ich finde mann kann nicht einer Firma mangelnde Sicherheit vorwerfen, wenn man selbst ein so einfaches Passwort wie "fnord42" verwendet, vor allem nicht als Sprecher des CCC

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