Anschlagserie in Bombay
Twitter macht CNN Konkurrenz

Das Telefonsystem ist zusammengebrochen, doch die Web-Verbindung steht noch: So erweist sich der Kurznachrichtendienst Twitter während der Terroranschläge in Bombay als schnellste Drehscheibe für News. Hier mutieren schockierte Einwohner zu Ein-Personen-Nachrichten-Agenturen - und die Twitteraner helfen bei der Suche nach vermissten Angehörigen.

Dina: Nachrichtensender behaupten, es habe Schießereien gegeben - Schüsse, Granaten in Süd-Bombay - Taj, Oberoi betroffen.

Netra: Gucke Nachrichten ... Traurigerweise einige Schießereien in Colaba :-(

Netra: Etwas passiert beim Hotel Oberoi ...? Schüsse im Oberoi Hotel ...

Netra Parikh arbeitet für die Online-Marketingagentur Pinstorm. Dina Mehta ist Gründerin der Unternehmensberatung Mosoci und in Indien eine bekannte Bloggerin. Beide leben in Bombay.

Es ist Mittwoch am frühen Abend deutscher Zeit. Noch weiß die Welt nicht, was in Indien passiert. Keine Nachrichtenagentur und keine Internetseite in Deutschland meldet, dass in Bombay Schüsse fallen. Minute um Minute aber füllt sich eine andere Plattform mit Beobachtungen aus der Stadt. Sie heißt Twitter. Und dort berichten Menschen aus Bombay über Schüsse, Explosionen, Sirenengeheul.

Twitter ist seit Monaten auf gigantischem Wachstumskurs. Mehr als fünf Millionen Menschen nutzen den Dienst - fünfmal mehr als vor einem Jahr. Auch Netra Parikh und Dina Mehta. Sie schreiben auf Twitter Texte bis 140 Zeichen Länge - das entspricht einer SMS. Jeder, der mag, kann sich andere Nutzer aussuchen, deren Kommunikation er kontinuierlich mitlesen oder "folgen" kann, wie es bei Twitter heißt. Der Autor weiß jederzeit, wer und wie viele Menschen ihn lesen - und jeder kann ihn kontaktieren.

In dieser Nacht vernetzen sich die Nutzer in atemberaubender Geschwindigkeit. Sie twittern, was klassische Medien berichten, vermengen das mit eigenen Beobachtungen und Informationen von Freunden. Schockierte Einwohner mutieren zu Ein-Personen-Nachrichtenagenturen. Die von Medienwissenschaftlern heiß diskutierte Idee der Bürger als Journalisten wird Realität. Noch bevor deutsche Nachrichtenagenturen oder Onlinedienste berichten, fürchten schon Twitteraner aus den USA, dass in der indischen Metropole deutlich mehr vorgefallen ist als eine Schießerei - ein Terroranschlag.

Vinu: War erschüttert, als ich die Polizei-Reaktion sah. Nur rund 10 Polizisten nach 15 bis 30 Minuten Schießerei.

Vinukumar Ranganathan arbeitet ebenfalls in der IT-Branche. Er hat Schüsse gehört und eine Explosion. Ein Zwischenfall, mehr nicht. Er geht raus und fotografiert, lädt die Resultate bei dem Online-Bilderdienst Flickr hoch. Einige Stunden später werden die eindrucksvollen Fotos Hunderttausende von Abrufen haben, unter jedem Bild finden sich Dutzende von Kommentaren: Menschen sprechen ihr Beileid aus oder machen sich ihrem Ärger Luft.

Dina: Wenn jemand Freunde in Bombay erreichen will, lasst es mich wissen.

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