Ansicht des Koblenzer Sprachwissenschaftlers Wolf-Andreas Liebert
Internet-Enzyklopädien ergänzen Wissenschaftsjournalismus

So genannte freie Internet-Enzyklopädien wie Wikipedia ergänzen nach Ansicht des Koblenzer Sprachwissenschaftlers Wolf-Andreas Liebert zunehmend die Wissenschaftsberichterstattung der Medien.

dpa/lrs KOBLENZ. „Der Wissenschaftsjournalismus steht unter bestimmten Zwängen der Kommerzialisierung. Hiervon ist die Wikipedia noch frei“, sagte der Professor am Institut für Germanistik der Universität Koblenz- Landau in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa). In Wikipedia hätten noch Dinge Platz, die im normalen Journalismus nicht mehr verkauft oder auch nicht mehr gesagt werden könnten.

„In der Wikipedia und in anderen selbst organisierten Systemen kommt sehr viel stärker der Diskussionscharakter von Wissenschaft heraus“, erklärte Liebert. „Wissenschaft erscheint nicht wie häufig im Wissenschaftsjournalismus als ein einheitliches System, das Wahrheit produziert.“ In der internationalen Wissensdatenbank Wikipedia kann laut Statut jeder mitarbeiten, die Artikel sind kostenfrei abrufbar. Wikipedia geht zurück auf den US-Amerikaner Jimmy Wales, der die englische und auch die deutsche Ausgabe im Jahr 2001 startete mit dem Ziel, eine globale Enzyklopädie zu schaffen. Alle Inhalte unterliegen der so genannten GNU-Lizenz für freie Dokumentation, einer der gebräuchlichsten Lizenzen für Freie Inhalte.

Bei Wikipedia arbeiteten Laien und Experten an Texten, die aktuell seien und verschiedene Positionen enthielten: „Insofern kann man sagen, dass Wikipedia eine ganz bestimmte Nische abdeckt“, sagte Liebert. Der große Nachteil sei, dass es kein einheitliches System der Qualitätssicherung gebe. „Wir finden qualitativ sehr hoch stehende Artikel neben schlechten Artikeln.“ Der Leser müsse selbst entscheiden, welche Beiträge er für glaubwürdig und gut halte.

„Bei Wikipedia gibt es verschiedene Strategien, mit dem Problem umzugehen“, sagte der Professor. Er vermutet, dass die Betreiber der Datenbank künftig einen Teil aus dem Selbstorganisationsprozess herausnehmen und mit professionell arbeitenden Autoren arbeiten.

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