Apple MacBook
Otto will Laptops doch nicht verschleudern

Otto wirbt gern mit Rabatt. Einen aber, den das Versandhaus nach eigenen Angaben irrtümlich gewährte, will das Haus den Kunden nicht geben: MacBooks für nur 50 Euro.
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Ein nagelneues Apple-Laptop für 49,95 Euro - wahlweise MacBook Air oder MacBook Pro? Wer würde da nicht zuschlagen. Der Ottoversand bot solche am Dienstag auf seiner Website an. "Neu im Sortiment" stand dort, dazu der sensationelle Preis.

Es müssen eine Menge Bestellungen eingegangen sein, die Nachricht von dem Schnäppchen verbreitete sich dank Twitter und anderen Internetseiten schnell. Einige haben gleich mehrfach zugeschlagen. Ob sie das Laptop für den Preis jemals bekommen, ist allerdings zweifelhaft.

Auf der Website war ein Fehler, sagt man in der Pressestelle von Otto, selbstverständlich kosteten die Geräte mehr als 1000 Euro. Offensichtlich war in der Datenbank der Preis der Laptops mit dem für eine Laptoptasche verwechselt worden. Daher zeigten die Bestellformulare ungefähr zwei Stunden lang zwar die Produktbeschreibung der Rechner, allerdings ein Foto und eben den Preis der Tasche.

Rechtlich ist das schwierig. Denn eigentlich müssen Händler eine Ware zu dem Preis verkaufen, der dransteht - auch wenn dieser irrtümlich falsch ist. Zumindest hat ein Hamburger Gericht dazu 2004 den Betreiber eines Onlineshops verurteilt, der irrtümlich ein teures Handy für 14,95 angeboten hatte.

Otto allerdings scheint das nicht gelten lassen zu wollen. Offiziell gibt es von dem Konzern keine Aussage. Doch laut den Allgemeinen Geschäftsbedingungen kommt allein durch die Bestellung im Internet noch kein rechtsgültiger Vertrag zustande. Mit der anschließenden Mail wird demnach auch nur "der Zugang der Bestellung" bestätigt. Sie ist, wie es juristisch heißt, eine "invitatio ad offerendum", eine Einladung, ein Angebot abzugeben. Ein Vertrag existiert laut den AGBs erst, wenn die Ware geliefert und vom Kunden auch angenommen wurde. Eine Haltung, die auch der Bundesgerichtshof schon einmal bestätigt hat und die Verbraucherzentralen teilen.

Wer mit dem Otto-Versand redet, bekommt außerdem schnell den Eindruck, dass man sich nicht so richtig verpflichtet fühlt, den Bestellungen nachzukommen. Man scheint auf die Einsicht der Kunden zu setzen und darauf, dass der Irrtum offensichtlich war.

Allerdings, wer gestern in dem Onlineshop nach MacBooks suchte, bekam mehrere davon sichtbar mit dem niedrigen Preis angeboten. Links stand jeweils ein Bild des Laptops, rechts die Angabe "ab 49,95". Erst beim Bestellen tauchte dann ein neues Bild auf, das nahe legte, es könne sich auch um eine Notebooktasche handeln. Die Beschreibung dazu allerdings war immer noch die der Rechner.

Im Lawblog des Rechtsanwalt Udo Vetter steht dazu ein interessanter Kommentar. Dort schreibt ein gewisser "henk", Kunden könnten nun sogar wegen arglistiger Täuschung klagen. Immerhin habe Otto "den Kaufgegenstand nachträglich angepasst", also vom Rechner zur Tasche geändert. So findet sich unter der ursprünglichen Bestellnummer nun nur noch letztere.

Wie viele Kunden - um es böswillig zu formulieren - auf das Angebot hereingefallen sind, weiß man bei Otto noch nicht, zumindest gibt es keine offizielle Zahl. Bei einem eigentlichen Preis von 1 600 Euro und mehr könnte schnell ein Millionenschaden entstehen. Liefern wird Otto derzeit nicht, so viel scheint klar, auch wenn es kein Statement dazu gibt. Im Moment scheint man warten zu wollen, ob einige Kunden tatsächlich klagen.

Link: Der Originaltext stand bei Zeit Online.

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