Apple versus Microsoft
Wettrennen auf dem Weg ins Wohnzimmer

Apple Computer und Microsoft haben sich in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder erbitterte Schlachten geliefert. Den Kampf um den weltweiten PC-Standard haben Microsoft-Gründer Bill Gates und seine Leute in den achtziger und neunziger Jahren klar für sich entschieden.

dpa SAN FRANCISCO/LONDON. Beim vergleichsweise jungen Online-Musikgeschäft hat dagegen Apple-Chef Steve Jobs mit seiner Truppe die Nase klar vorn. Nun liefern sich die beiden Hightech-Pioniere erneut ein Wettrennen. Apple will Kino-Filme online verkaufen und mit einem neuen "iTV" die Kluft zwischen TV und Computer schließen - und damit Microsoft auf dem Weg ins digitale Wohnzimmer zuvorkommen.

Steve Jobs hat in den vergangenen fünf Jahren mit dem sensationellen Erfolg des Musikplayers iPod und des Online-Ladens itunes nicht nur die Unterhaltungselektronik-Branche und Plattenindustrie umgekrempelt, sondern auch erfolgreich Microsoft die Stirn geboten. Mit 65 Mill. verkauften iPods dominieren die Kalifornier weltweit den Markt der MP3-Player, im Musik-Downloadmarkt hat Apple in den USA die Wettbewerber mit 88 Prozent Marktanteil deklassiert.

Dieser Erfolg soll nach dem Willen von Steve Jobs nun auch auf das Thema TV und Film ausgedehnt werden. Jobs erinnerte am Dienstag (Ortszeit) in San Francisco daran, wie itunes vor knapp einem Jahr mit fünf TV-Shows des Disney-Senders ABC gestartet sei. Inzwischen verkaufen mehr als 40 Sender rund 240 Programme über itunes. Zum Start des Film-Angebots von Apple ist zunächst auch wieder nur Disney mit seinen vier Filmstudios mit dabei. "Weitere Studios werden an Bord kommen, wenn sie sehen, wie erfolgreich der itunes Store mit Filmen von Disney und Pixar sein wird", sagte Jim Grossman von der US-Investmentgesellschaft Appleton.

Microsofts Zune soll es dem iPod zeigen

Microsoft versucht unterdessen, am Erfolg des iPod von Apple zu kratzen. Nachdem etliche Microsoft-Partner wie Creative, iriver oder Samsung mit ihren vermeintlichen "iPod-Killern" gescheitert sind, hat Microsoft bei Toshiba die Entwicklung eines Players "Zune" in Auftrag gegeben, der von dem Softwarekonzern selbst vermarktet wird. "Zune" und die Online-Plattform von Microsoft sollen so harmonisch aufeinander abgestimmt sein wie Apples Erfolgsduo iPod/iTunes.

"Auch in der Vergangenheit gab es immer wieder Unternehmen, die in einzelnen Märkten als uneinholbar galten", sagte Toshiba-Manager Olivier van Wynendaele der "Berliner Zeitung". "Zune" sei "alles andere als eine Kopie" des iPod und soll mit "modernster Technik" ausgestattet sein. Nach ersten Angaben von Microsoft vom Juli soll das Gerät in den USA für einen Preis von rund 300 Dollar in den Handel kommen und einen 30 Gigabyte-Speicher für Musiktitel und Videos besitzen.

Gleichzeitig setzt Microsoft auf die Kraft seiner Unterhaltungsmarke Xbox. Unter diesem Label bietet der Konzern aus Redmond nicht nur eine Spielekonsole an, sondern auch einen "Media Extender", der ähnlich funktioniert wie Apples "iTV" und Musik, Videos und Fotos drahtlos auf einen TV-Schirm bringt. Weiterhin hat Microsoft das "Windows Media Center" im Programm, einen Multimedia-PC fürs Wohnzimmer, der bislang aber nur mäßig erfolgreich war.

Wer sich beim Marsch ins Wohnzimmer letztlich durchsetzen wird, kann heute kein Experte sicher vorhersagen. Stephen Coleman, Investment-Chef der US-Gesellschaft Daedalus Capital/Chicken Little, sieht Vorteile für Steve Jobs: "(Apples) Konzept der Bedienerfreundlichkeit wird entscheidend dafür sorgen, dass sie der De-facto-Leader im digitalen Heim sein werden."

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