Artenschutz für das Betriebssystem
Microsoft-Chef plant weiter mit Windows XP

Microsoft-Chef Steve Ballmer denkt daran, das Betriebssystems Windows XP doch über den 30. Juni hinaus zu verkaufen. Die Forderung nach „Artenschutz“ für das Betriebssystem kam unter anderem von rund 160 000 PC-Nutzern, die Microsoft mit Petitionen bedrängt hatten.

DÜSSELDORF. Die Entscheidung, den Verkauf einzustellen, werde vielleicht noch einmal überdacht, erklärte Ballmer am Donnerstag in Belgien. „Man kann immer klüger aufwachen, als man zuvor schlafen gegangen ist“, sagte er zu dem möglichen Sinneswandel. Wenn die Märkte und die Nachfrage der Kunden es wirklich verlangten, werde man auch reagieren. Ballmer war zur Eröffnung eines neuen Microsoft-Zentrums in der südbelgischen Stadt Mons.

Die Forderung nach Artenschutz kommt aber nicht nur von schätzungsweise rund 160 000 PC-Nutzern, die auf Petitionen gefordert haben sollen, XP nicht sterben zu lassen. Auch wichtige Kunden wie Intel, Asus, Acer und andere PC-Hersteller bedrängen Microsoft. Sie alle planen billige Mini-Computer mit Internet-Anschluss, so genannte „Ultra-Low-Cost-PC“, die seit dem Erfolg des 300 Euro teuren ASUS EeePC als echte Konkurrenz zu iPhone-ähnlichen tragbaren Internet-Stationen gehandelt werden.

Die Hersteller hatten Ballmer klar gemacht, dass Windows Vista dafür völlig übermotorisiert und Windows Mobile 6 (das für die Handys) ungeeignet sei. An diese Firmen hat sich Microsoft schon Anfang April verpflichtet, weiter XP auszuliefern. Damit soll die Planungssicherheit erhöht – und die Abwanderung zum offenen Betriebssystem Linux verhindert werden.

„Microsoft erweitert den Flash-basierten Windows XP-Support für kostengünstige Computer wie den Intel Classmate PC und Asus Eee PC. Deshalb werden so genannte Ultra Low Cost PC–Hersteller Windows XP Home auch noch nach dem 30. Juni 2008 bestellen können“, erklärte Microsoft-Sprecherin Irene Nadler Anfang April. Damals war zunächst also nur geplant, die leistungsschwächere Home-Variante weiter laufen zu lassen.

Gleichzeitig war aber auch bekannt gegeben worden, dass man Windows XP als so genannte System Builder Version noch bis zum 31. Januar 2009 verkaufen werde. Alle Käufer von PCs ohne Betriebssystem ab Werk hätten sich also ohnehin weiterhin selber ihren XP-Rechner aufbauen können.

Eine generelle Ausweitung des XP-Verkaufs bis zur nächsten Version von Vista (voraussichtlich 2010) hätte aber nicht nur Vorteile für PC-Käufer. Auch alle Besitzer alter XP-Rechner würden davon profitieren, dass in diesem Fall auch der Support und die Weiterentwicklung (speziell mit Blick auf Sicherheitslücken) erst später eingestellt würden.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
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