Astra zeigt neue Anwendung
SES startet interaktives TV per Handy

Der Luxemburger Satellitenbetreiber SES Astra will das interaktive Fernsehen vorantreiben. Erstmals soll der Zuschauer das Handy als Rückkanal nutzen können.

HB BERLIN. Auf der Internationalen Funkausstellung (Ifa) in Berlin stellte Europas größter Satellitenbetreiber unter dem Namen "Blucom interactive" eine Technik vor, die Interaktivität über Bluetooth-Mobiltelefone zum laufenden Fernsehprogramm ermöglicht. Mit der drahtlosen Übertragung von Daten über kurze Distanzen kann der Nutzer beispielsweise bei Shows mitspielen oder Waren bestellen. "Blucom ermöglicht den Rundfunkanbietern neue Geschäftsfelder", sagte Wolfgang Elsässer, Deutschlandchef von Astra. Für den Zuschauer ist nur der Empfang der Daten gratis, da keine Netzverbindung aufgebaut wird. Sobald er per Handy seine Stimme abgibt oder Informationen abruft, entstehen die üblichen Mobilfunkgebühren.

Die Fernsehbranche ist vom interaktiven TV per Handy angetan. "Wir können uns damit neue Erlösquellen erschließen", sagte Marcus Englert, Chef von Seven One Intermedia, eine Tochter des Fernsehkonzerns Pro Sieben Sat 1. Auch der Kölner Konkurrent RTL steigt auf die neue Technik ein. "Die Leute werden das Fernsehen wie einen Chatroom nutzen", sagt Konstantin Lange, Geschäftsführer von RTL Interactive. Die Sender versuchten bisher mit mäßigem Erfolg, unabhängiger von den Werbeeinnahmen zu werden. Der TV-Reklamemarkt ist seit über vier Jahren rückläufig.

Auf der Ifa werden nicht nur Pro Sieben Sat1, RTL und der Bezahlsender Premiere Anwendungen der neuen "Blucom"-Technik vorführen. Auch kleinere Sender präsentieren Einsatzmöglichkeiten. Der Auktionskanal 1-2-3.tv zeigt beispielsweise, wie per SMS Gebote für Versteigerungen abgegeben werden, die zeitgleich auf dem TV-Bildschirm erscheinen.

SES Astra setzt bei der Einführung des inaktiven Fernsehens per Handy auf eine breite Allianz mit Geräteherstellern und Mobilfunkunternehmen. Mit dem Münchener Mobilfunkunternehmen O2 sei bereits eine Kooperation unterzeichnet, sagte SES-Manager Elsässer. Gespräche mit weiteren Anbietern liefen. Die neuen Settop-Boxen, die für die Übertragung auf das Handy notwendig sind, sollen ab Ende 2005 im Handel erhältlich sein. Die ersten Geräte kämen von Samsung, berichtet SES. Trotz der Zusatzfunktion würden diese Receiver zum herkömmlichen Preis verkauft.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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