Auseinandersetzung mit Rechteverwerter Gema
Youtube Deutschland blockt Musikvideos

Der offene Krieg ist ausgebrochen: Die Google-Tochter Youtube hat alle professionellen Musikvideos in Deutschland vom Netz genommen. Hintergrund ist nach Aussagen eines Google-Sprechers das Auslaufen eines seit Ende 2007 bestehenden Lizenzvertrags mit der Verwertungsgesellschaft Gema. Das Scheitern der Neuverhandlungen ist ein schwerer Rückschlag für Google, Musiklabels und für die rund 13 Mio. Youtube-Nutzer und Musikfans in Deutschland.

DÜSSELDORF. Es geht um viel Geld – und mal wieder um die Hoheit über die Daten der Nutzer, das "Netz-Gold" für Google und alle Werbetreibenden und Marketingverantwortlichen. Betroffen sind alle Musikvideos von Musikfirmen und Künstlern, die von der Gema vertreten werden und damit praktisch die überwältigende Masse der Musikclips.

Die Gema - Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte - vertritt rund 60 000 deutsche Mitglieder, überwiegend Komponisten und Texter, und über eine Million ausländische Berechtigte. Für jedes Abspielen oder die Aufführung eines Gema-Titels werden Abgaben fällig.

Schon Ende 2007 hatte es mächtig gekracht zwischen Youtube und Gema, die deutsche Youtube-Seite war erst deutlich später als alle anderen europäischen Seiten ans Netz gegangen. Der damals abgeschlossene Vertrag, dessen Konditionen nie veröffentlicht wurden, lief heute aus. Mit dem Verstummen der Webvideos werden ab jetzt auch die Musiklabels nicht mehr honoriert, mit denen Youtube offizielle Videokanäle betreibt.

Youtube möchte einen neuen Vertrag, aber nicht draufzahlen

Google nennt jetzt einen Betrag von zwölf Eurocents pro einmaligem Abspielen aus dem Internet als Forderung der Gema. Dieser Betrag sei rund fünzig Mal so hoch wie der vor wenigen Wochen geforderte Tarif der britischen Verwertungsgesellschaft "PRS for Music" und "völlig unglaublich", so Patrick Walker, Director of Video Partnership für Europa, gegenüber Handelsblatt.com. Da zahle Youtube bei jedem Aufruf "massiv" drauf. Man sei aber weiter daran interessiert, so schnell wie möglich einen neuen Vertrag mit der Gema zu erreichen. In Großbritannien ist Youtube-Musik ebenfalls für die Fans derzeit nicht erreichbar.

Bettina Müller, Sprecherin der Gema, bestreitet die angebliche Forderung von 12 Cents auf Anfragen vehement: "Wir haben Google einen Betrag von einem Eurocent pro Stream angeboten", teilte sie dem Handelsblatt auf Anfrage mit. Der Dreh- und Angelpunkt bei den Neuverhandlungen sei der Datenaustausch. Die Gema verlange von Youtube einen genau aufgeschlüsselten Katalog über die Abrufe der Nutzer und die abgerufenen Titel. Nur so könne man die eingenommenen Beträge auch korrekt den einzelnen Rechteinhabern zuordnen. Mehr Transparenz verlangt auch Google: die Gema weigere sich konsequent offenzulegen, welches Repertoire sie überhaupt vertreten könne. Zum Vorwurf, man reiche keine Zahlen zur Musiknutzung weiter, stellt Google-Sprecher Kay Oberbeck klar, dass die Gema bei weitem nicht alle Rechte an den Musikstücken besitze, für die sie Lizenzen vereinnahmen dürften.Also könnten sie nicht einfach alle Daten verlangen, die gehörten auch anderen. Außerdem, so Oberbeck weiter, sei der genannte Wert des Eurocents ohnehin nicht relevant. Der Betrag sei von der Gema nur "als Übergangslösung für einen Monat" angeboten worden. Danach habe die Gema "auf Basis des veröffentlichten Tarifs von 12 Cent" ein langfristiges Abkommen aushandeln wollen.

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