Außenseiter auf der Messe
Die größten Fans der Cebit

Mini-Firmen aus dem Sudan oder Armenien, aus Palästina oder Panama gehören zu den Exoten auf der Technikshow Cebit. Doch gerade sie halten - anders als die großen Namen - der Messe die Treue. Denn nirgendwo sonst können sie so gut Kontakt zu ihren Kunden aufnehmen.

HANNOVER. Nein, nicht schon wieder. Diese Ignoranten, diese Leute mit ihren Vorurteilen, die denken, in Armenien gebe es nur barbarische Hinterwäldler, hartgesottene Nationalisten und korrupte Politiker. Alles irgendwie finster und zwielichtig da unten.

Ganz so formuliert Vahe Torozyan das natürlich nicht. Aber sein Blick spricht Bände. Er verdreht die Augen, holt tief Luft, und dann legt er los - ganz langsam und deutlich, damit es auch der Dümmste versteht.

"Kennen Sie das Silicon Valley?" fragt der stämmige Mann mit den kurzen Haaren. Ohne die Antwort abzuwarten, spricht er weiter: "Armenien war das Silicon Valley der Sowjetunion, eine Technologieschmiede, die das sowjetische Militär mit Elektro- und Radaranlagen versorgte." Und heute? "Inzwischen ist es um unseren Ruf nicht zum Besten bestellt. Das müssen wir ändern und der Welt zeigen, dass wir hart arbeiten."

Genau deshalb ist Vahe Torozyan aus Armenien nach Hannover gekommen, auf die Cebit, die größte Computermesse der Welt. Er ist Chef von TX-Systems, einem Software-Entwicklungsunternehmen aus Eriwan. Zum fünften Mal ist er auf der Cebit - und von Jahr zu Jahr mit der Messe zufriedener: "Für uns ist das ein wichtige Marktplatz, um Kontakte zu pflegen und neue zu knüpfen."

Unternehmen wie TX-Systems gehören zu den Exoten unter den 5 845 Ausstellern auf der Cebit. Es sind Firmen mit häufig gerade mal einem Dutzend Mitarbeitern, und sie stammen aus Ländern, die nicht gerade für IT-Kompetenz berühmt sind und wo schnelles Internet rar ist. Wie der Sudan und Panama, Liechtenstein, Aserbaidschan oder die Seychellen.

Viele dieser Klein-Unternehmen haben die Cebit erst von einigen Jahren entdeckt und halten ihr seither die Treue. Kritische Worte kommen ihnen nicht über die Lippen, und nichts läge ihnen ferner, als ihre Teilnahme an der Messe infrage zu stellen - ganz im Gegensatz zu etablierten Riesen aus der Telekommunikations- und IT-Branche wie Apple und Motorola, Philips und Dell, Lenovo und LG Technologies. Sie alle lassen die Cebit inzwischen links liegen.

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