Auswertung von Aufnahmen bislang zeitraubend
Moderne Videosysteme erleichtern Terrorschutz

Nach den versuchten Kofferbomben-Anschlägen in Deutschland steht das Thema Sicherheit wieder ganz oben auf der Tagesordnung. Immer mehr Videokameras an Bahnhöfen, auf Flughäfen und auf öffentlichen Plätzen sollen mehr Sicherheit garantieren. Doch die herkömmliche Überwachung durch Kameras hat Schwächen.

HB WIESBADEN. Gesichtet wird das Videomaterial oft erst dann, wenn Straf- oder Gewalttaten bereits verübt sind. Moderne Videosysteme könnten diese Situation in den nächsten Jahren radikal ändern.

„Eine herkömmliche Videoüberwachung produziert Datenmüll in einem vollkommen unsinnigen Ausmaß“, erklärt Torsten Anstaedt, Europachef des kanadischen Sicherheitsunternehmens Aimetis. Die Sichtung normaler Videoaufzeichnungen ist mühsam und zeitraubend. Nach dem Fund der Kofferbomben von Dortmund und Koblenz am 31. Juli brauchten Ermittler des Bundeskriminalamts rund zwei Wochen, um die Aufzeichnungen Hunderter Überwachungskameras auszuwerten.

Eine derartige Auswertung könnte künftig in Stunden oder gar Minuten möglich sein. Intelligente Videoüberwachung ist das Zauberwort der Branche. Softwarefirmen und Forschungseinrichtungen haben in den vergangenen Jahren Computerprogramme entwickelt, die bei Gefahrensituationen ein sofortiges Eingreifen der Sicherheitskräfte ermöglichen sollen, möglichst bevor etwas Schlimmes geschieht.

Ein computergestütztes Videosystem ist in der Lage, einen Koffer, der auf einem Bahnsteig abgestellt und augenscheinlich vergessen wurde, zu erkennen und das Sicherheitspersonal zu warnen. Es erkennt Personen, die sich auffällig lange vor einer Botschaft aufhalten oder alle Fahrzeuge, die in einem sicherheitsrelevanten Bereich zu lange parken. „Auch wenn sich etwa im Besucherstrom eines Museums ein Mensch auffällig verhält, herum rennt und mit den Armen fuchtelt, schlägt das System Alarm“, erklärt Sibylle Wirth vom Fraunhofer-Institut für Informations- und Datenverarbeitung in Karlsruhe.

Die Computerprogramme arbeiten im wesentlichen mit dem Mittel der Bewegungserkennung. Als auffällig wird dabei alles registriert, was den üblichen Bewegungsmustern nicht entspricht. „Eine intelligente Videoüberwachung analysiert die Situation und fragt nach dem Gefahrenpotenzial“, betont Anstaedt. Alarm gibt das Überwachungssystem, wenn ein Koffer in einem Bahnhof abgestellt und über einen als „normal“ eingestuften Zeitraum hinaus nicht bewegt wird. Eine Kofferbombe könnte so deutlich schneller als bisher identifiziert und entschärft werden.

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