Beim Auslagern wächst die Komplexität
Outsourcing-Trend hält trotz Verlangsamung an

Die Zeit der zweistelligen Zuwachsraten beim Outsourcing ist vorbei - zumindest in Westeuropa. Hier erwartet Gartner bis 2008 nur Steigerungen von 4,2 Prozent pro Jahr. Deutschland kann dabei mit einem Plus von vier Prozent mithalten. Bedeuten diese moderaten Zahlen also eine Umkehr des Outsourcing-Trends?

Wir befinden uns gegenwärtig in einer Übergangsperiode, in der Selbermachen in der IT und in vielen Prozessbereichen noch so weit verbreitet ist, dass Veränderungsbestrebungen oft in einem ideologischen Widerstreit enden. In zehn Jahren jedoch wird die nächste Generation mit Unverständnis registrieren, was wir alles noch selbst gemacht haben. Outsourcing wird "out" sein, aber Sourcing wird die Normalität geworden sein. Bis dahin muss allerdings noch viel ausgelagert und auch viel Lehrgeld bezahlt werden. In Europa gelten heute etwa 45 Prozent der Outsourcing-Deals als nicht erfolgreich.

Sinnvolles Outsourcing ist das Resultat betriebswirtschaftlicher Überlegungen, ob und wo Arbeitsteilung den Gesamterfolg eines Unternehmens steigern kann. Zunehmende Standardisierung von IT-Systemen und Geschäftsprozessen und die sich abzeichnende Industrialisierung der IT-Dienstleistungen machen Arbeitsteilung immer attraktiver. Somit setzt sich der Trend zum Outsourcing fort. Eine Trendumkehr ist nicht in Sicht. Natürlich gibt es auch Fehlentscheidungen, die rasch korrigiert werden müssen. Solche Fälle zu Indikatoren für eine Trendumkehr zu machen, wäre aber falsch.

Erfolg von Outsourcingvorhaben hängt keineswegs von neuen magischen Größen ab, sondern eher von altbekannten Tugenden. Auf Seiten des Kunden sind das klare Zielsetzungen, sorgfältige Planung, solide Entscheidungsgrundlagen, betriebswirtschaftliches Augenmaß, vernünftige Risikoabwägung, gute Kommunikation und konsequentes Projekt-Management. Auf Seiten des Anbieters sind das aufrichtige Angebote, faire Preise und professionelle Leistung.

Outsourcing kann zum Betreten von Neuland zwingen

Neu und für viele Unternehmen überraschend ist die Vielzahl und die Komplexität der Detailaufgaben, die bei einem Projekt zu bewältigen sind. Zudem zwingt Outsourcing bei vielen konkreten Aufgabenstellungen zum Betreten von Neuland. Es ist ein großer Unterschied, IT oder andere Prozesse direkt zu managen oder ein umfangreiches Leistungsportfolio und dessen kontinuierliche Anpassung über Verträge, Qualitätsreports, Sanktionen und Eskalationen zu steuern. Da zudem die Professionalität der Anbieter zwar meist die Güte soliden Kunsthandwerks, aber noch lange nicht Zuverlässigkeit, Qualität und Kostenniveau einer industriellen Ausprägung erreicht, bleibt hier beim Kunden tatsächlich sehr viel Detailarbeit hängen.

Um Erfolg mit Outsourcing zu haben müssen einfache Grundregeln beherzigt werden. Erstens: Abkehr von ideologisch geprägten Entscheidungen und Besinnung auf betriebswirtschaftliche Vernunft. Nicht Trends oder was andere tun, sondern die eigenen Zielsetzungen und der gesamtwirtschaftliche Erfolg sind entscheidend. Zweitens: Besinnung auf die Tugenden guter Projekt-Planung und-Durchführung. Auch wenn etwa eine rasche Vorstandsentscheidung die Richtung vorgibt, darf sich das nicht in planloser Hektik fortsetzen, sondern muss zielstrebig und kontrolliert umgesetzt werden. Drittens: Eingestehen und Aufarbeiten von Kompetenz- und Erfahrungsdefiziten. "Selbermachen" zeugt von hoher Fachkompetenz, Outsourcing-Management erfordert hingegen vor allem wirtschaftliche und soziale Kompetenz, auf die nicht einfach "umgeschaltet" werden kann. Hier ist angebracht, über externe Unterstützung durch Berater nachzudenken.

Peter Dück ist Vice President des Marktforschungs- und Beratungsunternehmens Gartner.

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