Berliner Unternehmer
Profifunker vom Dienst wirbt um Fußballfans

Ein Berliner Unternehmer will dem alten Pager zu neuer Beliebtheit verhelfen.

DÜSSELDORF. Wo das Handy schon streikt, kommt der Pager meist noch durch. Keine Zauberei: Der Grund sind die Wellenlängen, mit denen Pager funken. Auf der niedrigen Frequenz von 466 Megahertz erreichen Pager-Mitteilungen auch in Tunneln und abgeschirmten Gebäuden noch ihr Ziel.

Ein Vorteil, der bislang vor allem Feuerwehrleuten oder Rettungskräften zugute kam. Die Berliner Firma E-Message will aber nun auf der Cebit seine Paging-Dienste auch einem breiteren Publikum schmackhaft machen. E-Message brüstet sich, einziger Anbieter von Paging-Diensten in Deutschland zu sein.

Unternehmenschef Dietmar Gollnick sagt, die Firma mit rund 100 Mitarbeitern bediene in erster Linie Geschäftskunden, die in großer Stückzahl den Funkrufdienst für sich nutzen. Rund 20 Millionen Euro Umsatz habe das Unternehmen im vergangenen Jahr erzielt. Neben Großkunden wie Feuerwehr, Polizei, Grenzschutz und Sicherheitsdiensten interessierten sich auch gewerbliche Unternehmen mit vielen Außendienstmitarbeitern für die Technik. "Man kann auf einen Schlag Mitarbeiter in großer Zahl erreichen, während man per Telefon jeden einzelnen anwählen müsste", sagt Gollnick.

Die derzeit im Einsatz befindlichen 310 000 Endgeräte können wegen des geringen Stromverbrauchs rund sechs Wochen lang ununterbrochen Meldungen empfangen. Auf der Suche nach neuen Zielgruppen will Gollnick - wie fast alle Diensteanbieter in diesem Jahr - die Fußballfans ködern. Auf der Cebit stellen die Berliner Funker in Kooperation mit einer großen Sportillustrierten einen "Live Fan Ticker" vor. Mit ihm sollen sich Sportfans minütlich über neueste Sportereignisse informieren können. Die Endgeräte vertreibt derzeit nur die Zeitschrift und der Verkaufsfernsehsender QVC, in Kürze soll der Einzelhandel einbezogen werden. Der Preis für das Gerät und das erste Jahr Infodienst liegen zwischen 45 und 100 Euro. Später solle der Nutzer eine monatliche Abogebühr von maximal sechs Euro zahlen.

Eine andere Nutzung des Pagers hat sich nach Gollnicks Angaben schon durchgesetzt: die LKW-Zulaufsteuerung. "Hier haben wir einen wirklichen Treffer gelandet", sagt Gollnick. Denn Firmen mit großen Zentrallagern, viel LKW-Betrieb und kleinen Stellflächen können nun jeden eintreffenden Fahrer mit einem Pager ausstatten und ihn beizeiten zur Auslieferung rufen. Das sei verlässlicher als mit dem Handy. Am Ende geben die Fahrer ihren Pager zurück. "Das Geschäft wächst rasant", sagt Gollnick. Dabei hätten Kunden wie BMW ihre Vorstellungen an sie herangetragen, aber die spezielle Softwareentwicklung selbst übernommen. Weitere Kunden sind beispielsweise Rewe, Edeka und der Frankfurter Flughafen. "Die Cebit war hier die Initialzündung", sagt Gollnick - und hegt Hoffnung auf die diesjährige Messe.

Dietmar Gollnick, der die Funkruf-Sparte mit einigen Partnern einst von der Deutschen Telekom erworben hat, gibt sich immer offen für neue Geschäftsideen - etwa den Einstieg in den Bündelfunk. Im Dezember 2005 hat daher eine E-Message-Tochter, die Dispatch Gesellschaft für professionellen Funk Berlin, das Berliner Bündelfunknetz übernommen. Das heißt, E-Message ist jetzt auch bei der Vermittlung von Sprache in beide Richtungen präsent: Der Angerufene kann per Knopfdruck antworten. Gollnick hält diese Übernahme für eine "profitable Investition, zumal die Zielgruppen beim Sprechfunk die gleichen wie beim Funkruf sind". Mit einem Schlag hat er umsatzstarke Kunden wie die Berliner S-Bahn und die Stadtreinigung BSR, aber auch Berliner Kurierdienste hinzugewonnen, denen er nun noch den Nutzen von Pagern schmackhaft machen will.

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