Bestimmt nur noch der Nutzer den Inhalt?
Streit um die Meinungshoheit im Web 2.0

Die Welt im Internet wird sich nach Ansicht des Web-Unternehmers Stefan Glänzer bald nur noch bestenfalls in Produzenten und Nutzer unterteilen.

dpa MÜNCHEN. Ebenen wie Redaktionen oder gar Intendanten wie beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk würden im Internet der Generation Web 2.0 nicht mehr gebraucht, sagte Glänzer, Chef der Firma myblog, am Freitag beim so genannten Zukunftsgipfel der Münchner Medientage. Allein der „User Generated Content“, also der vom Internet-Nutzer mitproduzierte Inhalt, bestimme die Entwicklung. „Der User Generated Content verdoppelt sich alle sechs Monate im Netz“, sagte Glänzer.

Dem widersprach Andreas Wiele, Zeitschriftenvorstand im Verlagshaus Axel Springer. Die Journalisten hätten nicht das Monopol verloren. „Der Journalist wird auch in Zukunft sämtliche Inhalte sortieren und einordnen.“ Auch der Auffassung, die großen Unternehmen seien nicht in der Lage, im Netz mit eigenen Firmengründungen ihre eigenen Wege zu gehen, erteilte Wiele eine Absage. Gerade die großen bereits existierenden Verlage seien mit ihren Möglichkeiten prädestiniert, alle Angebote miteinander zu vernetzen: Klassische Medien aus dem „Offline“-Bereich wie die Tageszeitungen würden über neue Techniken neue Märkte im Online-Sektor erschließen.

Wer letztlich der Gewinner sein wird, ist nach Darstellung von Götz Mäuser von der Beteiligungsfirma Permira offen. „Was wird langfristig bleiben? Wer wird schließlich das Geld verdienen?“ fragte er. „Bis vor kurzem war Myspace angesagt, seit ein paar Monaten ist es Facebook. Das Blatt kann sich schnell wenden.“

Dass die großen Geschäfte aber nur noch im Netz zu machen sein werden, ist für Thomas Hesse vom Plattenlabel BMG klar: „Von der neuen Justin-Timberlake-Aufnahme haben wir 18 Mill. Produkte verkauft“, sagte er. „Davon waren nur noch drei Mill. CDs. Der Rest wurde im Internet heruntergeladen - bis hin zu den Klingeltönen.“

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