Betrug mit Kreditkarten
Kriminelle Tüftler

Die Zahl der Fälle, in denen findige Betrüger Daten von Zahlungskarten erbeuten, steigt. Manipuliert werden mittlerweile nicht nur Geldautomaten, sondern auch Kassen des Einzelhandels, der Gastronomie und von Tankstellen. Wie sich Banden die Daten ahnungsloser Kunden besorgen.

FRANKFURT. Der Pensionswirt hatte keine Ahnung, dass Betrüger sein Kassenterminal manipulierten. Die Fälscher hatten sich für eine Nacht bei ihm eingemietet. Nach ein Uhr ist die Rezeption nicht mehr besetzt, und als alle schliefen, schlichen sich die technisch versierten Betrüger hinter den Tresen, schraubten das Bezahlgerät auf und klemmten fünf feine Kabel an das Bauteil, das die Daten vom Magnetstreifen abliest.

Die Kreditkartendaten liefen ab jetzt nicht nur in den Computer des Kassenterminals, sondern auch in den Speicherchip auf einer briefmarkengroßen Platine, die der kriminelle Techniker zusätzlich im Geräteinneren ablegte.

Vier Wochen später kamen die Rumänen wieder. Erneut schraubten sie nachts das Bezahlgerät auf und nahmen den Chip heraus. Jetzt besaßen sie die Magnetstreifendaten aller Kunden, die in der Zwischenzeit in der Pension mit Karte bezahlt hatten.

Außer Geldautomaten manipulieren Kreditkartenfälscher in den letzten Monaten am liebsten Bezahlgeräte an den Kassen des Einzelhandels, der Gastronomie und von Tankstellen. Betroffen sind wegen ihrer Manipulierbarkeit die so genannten Point of Sales Terminals: Geräte mit einem Schlitz zum Durchziehen der Karte, einer Tastatur auf der Oberseite und einem kleinen Drucker für den Beleg. Die Anzahl der Fälle, in denen Betrüger Daten von Zahlungskarten erbeuten konnten, stieg der offiziellen Statistik zufolge im Jahr 2005 um sieben Prozent auf 3 610. Die Dunkelziffer ist Kriminalexperten zufolge hoch, denn die Banken haben kein Interesse daran, Probleme mit Bezahlkarten an die große Glocke zu hängen. Und die Experten befürchten für dieses Jahr einen weiteren Anstieg der Fälle.

An den in Deutschland gebräuchlichen Terminals können die Betrüger jedoch bisher nur die Magnetstreifendaten auslesen. Damit bleibt ihnen das größte Ziel des Kontoplünderers verwehrt: Die Daten einer EC-Karte zusammen mit der Geheimzahl zu erbeuten. Wenn sie beides in der Hand haben, können die Täter sich mit billigsten Blanko-Plastikkarten direkt auf den Konten ihrer Opfer bedienen.

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