Bewegte Bilder Web-TV soll „Generation Online“ anlocken

Tim Kemmerling korrigiert noch eine Moderation, dann geht er ins Studio, streift sich das Jackett über, und schon geht der Scheinwerfer an. „Etwas weiter nach links“, ruft Julia Lutz, die am Computerschirm Regie führt. Kemmerling schaut in die Kamera und sagt die neusten Nachrichten aus Köln an, die dann im Film zu sehen sind.
Fernsehen via PC. Foto: dpa

Fernsehen via PC. Foto: dpa

dpa DÜSSELDORF. Alles sieht aus wie herkömmliches Fernsehen - ist es aber nicht. Kemmerling und die Beiträge seines Teams laufen nur online, auf „Ksta.TV“, dem Internet-Fernsehen des „Kölner Stadt-Anzeigers“.

„Ich gucke Zeitung“ heißt es immer öfter. Ob „Süddeutsche“, „Welt“ oder „FAZ“, ob „Spiegel“, „Focus“ oder „Zeit“ - viele Verlage haben Videos zum festen Bestandteil ihres Internet-Auftritts gemacht. Bewegte Bilder sollen die „Generation Online“ zur guten alten Zeitung locken. „Denn die Möglichkeit, diese Zielgruppe allein mit Print zu erreichen, wird sich im Lauf der Jahre verschlechtern“, sagt der Journalistik-Professor Günther Rager von der Universität Dortmund.

Die Modelle sind unterschiedlich. Einige bieten nur Videos an, die sie von Agenturen beziehen, andere produzieren auch eigene Beiträge und manche stellen gar moderierte Magazine zum Herunterladen online. Der Springer-Konzern gründete zum Beispiel die Tochter Axel Springer Digital TV (Asdtv), die vor allem für das Internet produziert. „Asdtv ist nach wie vor für Axel Springer eine Art Experiment ­ aber ein bislang sehr vielversprechendes“, sagt Vorstandschef Mathias Döpfner.

Auch der Medienkonzern M. Dumont Schauberg (MDS) produziert selbst, zum Beispiel die Talkshow „Streit im Turm“. Zeitung und Internet-TV ergänzten einander, meint Franz Sommerfeld, Chefredakteur des „Kölner Stadt-Anzeigers“: „Wer nur am Austausch der Auffassungen interessiert ist, der liest das in der Zeitung. Wer aber etwas von der Atmosphäre beim Streitgespräch mitbekommen will, guckt es sich im Internet an.“

Das gilt auch für Themen aus Köln und Umgebung. Freie Mitarbeiter filmen, schneiden und sprechen die Videos. „Im Regionalen haben wir eine große Kompetenz, damit punkten wir auch im Internet“, sagt MDS- Geschäftsführer Konstantin Neven Dumont. Im Print-Bereich wachsen die Werbeerlöse nicht so stark wie im Internet. „Mit dem Internet-TV wollen wir den Usern wie auch den Anzeigenkunden zeigen: Wir sind dabei“, sagt Neven Dumont.

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