Big Brother Awards: Datenschützer warnen vor der Wolke

Big Brother Awards
Datenschützer warnen vor der Wolke

Einer der Preisträger der Big Brother Awards ist die Cloud. Datenschützer werfen den Anbietern einen nebulösen Umgang mit Nutzerdaten in der Internet-Wolke vor. Erstmal loben die Aktivisten aber auch.
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BielefeldDas Cloud Computing wird von der IT-Branche als Heilsbringer gefeiert, die Datenschützer vom Verein Foebud gehen mit der Internet-Wolke hart ins Gericht. Sie verliehen gleich dem ganzen Konzept, bei dem Programme und Daten direkt aus dem Netz laufen, einen ihrer Big Brother Awards. Der Negativpreis wird sonst eher an einzelne Firmen oder Produkte vergeben. Begründung zur Cloud: Es sei ein „Trend, Nutzerinnen und Nutzern die Kontrolle über ihre Daten zu entziehen“. Auf Twitter sorgte das vereinzelt für Spott. So fragten Nutzer beispielsweise, ob denn die Cloud ihren Preis auch abgeholt habe.

„Absolut gerechtfertigt“, sagt der schleswig-holsteinische Datenschutzbeauftragte Thilo Weichert, der vor allem als scharfer Kritiker des Online-Netzwerks Facebook bekannt ist. „Denn derzeit ist das Cloud Computing eine große rechtliche Grauzone.“

Rena Tangens vom Foebud warnt vor einer Gewöhnung an das Nichtwissen: Der Kunde wisse nicht, wo seine Daten sind, wer sie speichert und was damit geschieht. Und auch wer darauf vertraue, dass Daten, die auf Servern in Europa abgelegt werden, sicher seien, könne schnell enttäuscht werden, meint Tangens. Sobald die Betreiberfirma eine amerikanische sei, müsse sie den amerikanischen Behörden Zugriff auf die Daten auch europäischer Kunden geben. Dazu sei sie nach dem US-Antiterrorgesetz „Patriot Act“ und dem „FISA Amendments Act of 2008“ verpflichtet.

Datenschützer Weichert geht sogar noch weiter: Selbst die deutsche Telekom könne theoretisch von US-Behörden unter Druck gesetzt werden, da sie auch Filialen in den USA hat. Wer glaube, dass seine Daten von den Anbietern nicht angetastet würden, irre sich, warnt Weichert. Anbieter wie Amazon, Google oder Microsoft sichteten die ihnen anvertrauten Daten bei Bedarf, behauptet er. „Googlemail benutzt sogar die Inhalte der Mails dazu, gezielter Werbung zu platzieren.“

Vor einigen Monaten warnte auch die EU-Agentur für Netzsicherheit (Enisa), europäische Unternehmen würden zu leichtfertig mit dem Cloud Computing umgehen. Gerade mittelständische Firmen gäben dabei sensible Daten aus der Hand, sagte Enisa-Chef Udo Helmbrecht.

Die Frage, warum Menschen und Unternehmen das Cloud-Risiko eingehen, beantwortet Tangens in ihrer Laudatio so: „Vielleicht, weil sie einfach ihren Verstand ausschalten, sobald ein Angebot gratis ist.“

Das Cloud Computing, die Datenverarbeitung in der Wolke, wird in der IT-Branche schon seit Jahren als Zukunftsweg gehandelt. Die Kunden - Unternehmen und Verbraucher - mieten sich Rechner- und Speicherleistung von einem gewerblichen Anbieter. Ein Vorteil: Damit spart man sich eigene Aufwendungen und die Pflege von Hard- und Software. Und die Daten sind immer und überall auf der Welt abrufbar, wenn eine Datenleitung vorhanden ist. Anbieter wie Google, Amazon oder Apple bieten auch kostenlos Speicherplatz und Dienste für die private Nutzung an.

Es ist ein großes und schnell wachsendes Geschäft: Eine Studie im Auftrag des IT-Fachverbands Bitkom geht davon aus, dass in diesem Jahr mit Cloud Computing in Deutschland ein Umsatz von 5,3 Milliarden Euro anfällt. Bis 2016 soll es ein Marktvolumen von 17 Milliarden Euro werden.

Weicherts Unabhängiges Landeszentrum für Datenschutz (ULD) in Schleswig-Holstein will derzeit eine Antwort auf die Frage geben, ob es vertrauenswürdige Cloud-Dienste überhaupt geben könne. Das dreijährige Projekt „TClouds“ läuft noch bis September 2013 und wird von der EU gefördert. „Wir arbeiten etwa an Verschlüsselungstechniken, bei denen nur der Kunde den Schlüssel in der Hand hat und nicht der Cloud-Anbieter.“

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Ich denke mal, der Vortrag von Gerd Heidenreich, dessen Stimme Ihnen vertraut sein dürfte, in der vorvorletzten Aula des SWR könnte Ihnen gefakken

    http://mp3-download.swr.de/swr2/aula/swr2aula_20120401_das_netz_der_kopf_das_glueck.6444m.mp3

    Er kommt schon relativ schnell zu Potte: Das Netz ist nur solange ein Geschenk, so lange wir in geordneten Verhältnissen leben, sprich Freiheit, Rechtstaat ...

    Bricht das weg, wird es der übelste Fluch sein, den wir uns vorstellen können. Ein kluger Vortrag, vielleicht fühlen Sie sich (zurecht) bestätigt.

    Ich (durchaus nicht technophob und Besitzer des ersten MP3-Players in meiner Umgebung, gab's mal als Spargel-Abo Geschenk zund läuft immer noch) habe ansonsten _kein_ Handy, keinen F*ckbook-Account, verstehe gar nicht, wozu sich Leute Filmschnippselchen im Netz angucken müssen ... Für einen, der seit ca 30 Jahren programmiert schon seltsam, oder?

    Aber ich denke auch, es ist _nicht_ "das Netz", es ist unser Umgang damit. Das, was Sie beschreiben (zurecht wie gesagt) hat uns nicht unterworfen, nein, wir geben uns freiwlillig dem hin. Niemand muss etwas, aber alle tun's.

    Es wird aber noch eine Weile dauern, bis der Groschen fällt, sprich das Netz sein Fukushima erleidet und wir Menschen mit veritablen Entzugserscheinungen begegnen, weil niemand sie "gekruschelt" hat und ihnen entgeht, wer wann welche Mengen Körperausscheidungen abgesondert hat.

  • Leider ist der Artikel sehr oberflächlich und konfus. Hier werden mehrere Dinge zusammengeworfen unter dem Begriff "Cloud". Facebook gehört genauso wenig zur Cloud im professionellen Sinn, wie die freien Angebote - auch wenn der eine oder andere das als Cloud bezeichnen möchte. (Leider ist der Begriff mal wieder verbraten worden, wie andere wie Service-Oriented)
    Für Unternehmen ist die Cloud sehr sinnvoll und nicht billig und frei. Cloud computing bedeutet, dass ich mich nicht mehr um Server, Switches, Kabel kümmere, sondern, dass ich einen Service beziehe namens "Mail". Als Unternehmen in einer nicht-IT Branche stellt sich die Frage warum ich ein eigenes IT Unternehmen betreiben sollte. Stichwort Fertigungstiefe. Genau darum gehts. Datev macht das schon seit 1966 und das mit Personaldaten. Automobilhersteller lagern nicht nur die Herstellung, sondern zum Teil die gesamte Innovation von Bauteilen an Zulieferer aus. Darüber echauffiert sich kein Mensch. Solche regelmäßigen Meldungen von irgendwelchen Datenschützern ist lächerlich und dienen lediglich zur Selbstdarstellung und Existenzberechtigung.
    Natürlich mache ich mich vom Anbieter teilweise abhängig. Aber das bin ich bei allen anderen Dienstleistungen auch. Das einzig neue ist, dass hier Computer zum Einsatz kommen. Und da liegt der Hase im Pfeffer: es geht darum, dass man Computer nicht kennt und deshalb nicht vertraut. Beigemischt wird dann ein "Die Amerikaner sind alle ein bisschen seltsam und was die da genau machen, versteht keiner - hab Acht" und fertig ist die Meldung.
    Dies ist keine Aufforderung leichtfertig mit solchen Dingen umzugehen - die Unternehmen müssen Ihre Verantwortung bewusst sein und diese wahrnehmen. Wenn ich aber dem Unternehmen per se nicht traue, dann sollte ich auch mit denen kein Geschäft machen. Und das gilt selbst beim einfachsten Tauschgeschäft.

  • Das Netz ist ein elektronischer Frankenstein, zusammengebastelt von verrückten Wissenschaftlern und Kriminellen.
    Dem Frankenstein-Monster inne wohnt eine hypnotische Kraft, mit der es das Bewußtsein seiner Schöpfer schwächt und sich nutzbar macht. Auf diese Weise hat es den gesamten Planeten unterworfen. Denn die Borg (Nutzer+Schöpfer) beschützen es mit ihrem Leben und arbeiten stetig an seinem Aufbau, damit es exponentiell wachsen kann und sich seine Macht in jeder Sekunde vergrößt.
    Frankentein hat sich den Zugriff verschafft auf alle kritischen Bereiche des Lebens und es läßt sich nicht mehr abschalten. Davor stehen die Borg, die es mit ihrem Leben beschützen.

    Wie sehr das elektronische Monster ins Leben eingreift und die Kritikfähigkeit einäschert, erkennt man leicht am dem grassierenden Werbe- und Handy-Wahnsinn. Die Borg müssen sich auf Schritt und Tritt mit ihren Chips an den elektronischen Schaltstellen an- und abmelden. Die äußere Borgkaste bekommt Treuepunkte, die es in wertlosen Konsumschrott eintauschen kann, die innere läßt es die Spur markieren über die Elektronik, sammelt Daten und kann sie damit unter Druck halten.
    Es versorgt sie auf der Straße mit wummernden Geräuschen und sinnlosem Geflimmer und hält sie so in süchtiger Abhängigkeit.

    Wer früher nicht wahrhaben wollte, daß die Menschheit ein Irrläufer der Natur ist und völlig s c h a c h s i n n i g, der weiß es jetzt, vorausgesetzt er hat innerlich dem Wahnsinn gekündigt und äußerlich die Schnittstellen.
    Entziehen kann man sich allerdings nicht, denn die Augen und Ohren Frankensteins sind überall und die Borg ständig auf dem Sprung.

    Und es läßt sie nicht im unklaren über seine Absichten. Via Hollywood läßt es elektronische Monster auferstehen, welche sein blutiges Vorhaben ankündigen.

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