Big Data
Achtung, Datensammler!

Große Datenmengen können böse, aber auch gut sein – etwa bei der Lösung von Verkehrsproblemen. „Big Data“ ist wie ein Medikament: Wer zu viel oder das falsche Präparat nimmt, erleidet Nebenwirkungen. Die Dosis macht es.
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DüsseldorfDer Skandal um das Ausspähprogramm des US-Geheimdienstes bereitet Internetnutzern auf der ganzen Welt Sorgen. Wie sicher sind Daten? Wer macht was mit unseren ganz persönlichen Angaben? Ist es gerechtfertigt, sich aufzuregen, wenn jemand meine Kontonummer und meine Kleidergröße kennt?

Im Alltag hinterlässt jeder Mensch eine Spur im Datenuniversum wie ein Düsenjet Spuren am Himmel. Der Kauf per Karte an der Supermarktkasse, das Telefonat mit dem Handy an der Straßenecke, die Autofahrt mit angeschaltetem Navigationsgerät, immer werden Daten übermittelt und oft gespeichert. Die Auswertung dieser Daten ist durch das Schlagwort „Big Data“ in aller Munde – ganz so wie vor 15 Jahren über Globalisierung gestritten wurde.

Menschen zerbrechen sich Tag für Tag den Kopf darüber, wo sie ihre Abdrücke hinterlassen. Es wird bald Big-Data-Anhänger und Big-Data-Gegner geben. Und keiner wird genau wissen, was er eigentlich den anderen vorzuwerfen hat. Denn wir stehen noch am Anfang eines neuen Trends und handeln wie der Professor, den seine Haushälterin morgens aufhält, in dem sie sagt: „Herr Professor, sie haben den Hut verkehrt herum auf.“ Darauf sagt der Professor: „Gute Frau – wie können sie das sagen? Ich weiß doch noch gar nicht, in welche Richtung ich gehe.“

Big Data durchdringt alle Lebensbereiche. Zum Beispiel die Politik: Tag um Tag kämpften US-Präsident Barack Obama und Herausforderer Mitt Romney im US-Wahlkampf 2012 um das höchste Amt der USA. Und mit ihnen eine Vielzahl von TV-Experten. Einer davon war Wahlforscher Karl Rove, der sich wie die Jahre zuvor durch unzählige Statistiken und Informationen wühlte und seiner Erfahrung vertraute. Mit großer Überzeugung traf der Wahlstratege eine Vorhersage: Romney wird gewinnen.

Doch die Zahlen, die am Wahlabend nach und nach eintrudelten, wollten weder Rove, noch das Publikum wahrhaben. „Klarer Obama Sieg“ flackerte über die Bildschirme. Roves Vorhersage erwies sich als falsch. Er hatte die Daten offenbar nicht richtig interpretiert. Ein anderer lag besser: Nate Silver. Unter dem Pseudonym „Poblano“ hatte er zur US-Präsidentschaftswahl 2008 begonnen, Analysen und Prognosen zu veröffentlichen. Im Zeitraum von März des Jahres 2008 bis Oktober 2010 veröffentlichte er seine Einschätzungen auf dem Portal FiveThirtyEight.com, danach auf der Webseite der New York Times.

Kommentare zu " Big Data: Achtung, Datensammler!"

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  • Das wird aber nicht den Kommunen gefallen, weil sie ja nicht mehr dealen dürften.

    Ich denke, dass es schwierig wird den Handel mit Daten/Informationen zu verbieten und dies durchzusetzen. Man kann es auf jedenfall probieren.

  • Ein - aus meiner Sicht - wichtiger Vorschlag ist der Verbot Daten zu handeln. UNd wenn, nur mit Kosten, die sich lohnen für die Algemeinheit. Wer meint, dass er Verkauf der Daten einen gesellschaftlichen Nutzen bringt, sollte dies beantragn müssen und zusätzlich eine gewisse kleine aber nervtötende Steuer zahlen, um Misbrauchsauswüchse zu verhindern.

    Die Auswertung der Daten an sich ist dann nicht schlim, wenn der Nutzer zugesagt hat. Aber der Weiterverkauf entzieht sich i.d.R. dem Nutzer, weil er er nur den aktuellen Vorteil sieht, aucn wenn er zusagt. Deswegen sollte da ein Verbot her meiner Einsicht.

    Das zweite ist, dass die Menschen - besonders die Jugend - sich mehr Verantwortung /Ethik aneignen, wenn sie im Netz sind. Damit meine ich, dass sie nicht nur an kurzfristige Vorteile denken sollten, sondern sich bewusst sind, dass es immer auch Verlierer geben wird in unserer kapitalistischen Welt, wenn Sie alles bereitwillig öffentlich machen. Und speziell auch die Menschen, die einigermassen gut leben, meine ich damit, nicht nur die Jugend. Denn die armen Menschen werden sich einen Mist drum kümmern, dass die Welt besser wird, weil sie zuerst an sich denken.

  • Das Problem der Sammelwut liegt im Irrtum des vermeintlichen Wissens, der wiederum selbst die Realitäten verändert.
    Gerade hat die Finanzbranche schmerzlich erleben dürfen, wie wenig statistische Daten in der Lage sind die Realitäten richtig zu bewerten, die Demoskopie der Wahlforscher erlebt derzeit eine Niederlage nach der Anderen, die Treffsicherheit nimmt stetig ab.
    Die Gefahr die von den Daten ausgeht ist trotzdem oder gerade deshalb sehr real, weil sie zum Einen zu Urteilen auf der Basis von Scheinrealitäten führt, zum Anderen wirtschaftlich zur Konzentration der Befriedigung unkritischer Massenkonsumenten führt.
    Letzteres ist deshalb gefährlich, weil diese niemals die Trends von morgen bestimmen, sondern immer Nachläufer sind.
    Statistik beinhaltet zu dem enorm viele Redundanzen, das heisst das die Übereinstimmungen häufiger als gedacht sich als Scheinzusammenhänge erweisen.
    Das liegt daran, dass die letztlich einfachen Rechenmodelle nicht wirklich erkennen können, wenn im immer Gleichen Abweichungen existieren, die zur Lawine werden können. Denn ihre Parameter basieren auf Vergangenes und bleiben somit innovationsfeindlich und konservativ. Umbrüche größeren und auch kleineren Ausmasses konnten noch nie vorhergesagt werden, das ist schon systematisch ausgeschlossen.
    Was bleibt ist die Suggestion von scheinbarer Gewissheit, die letztlich nur das Risiko erhöht die Anzeichen von wirklicher Veränderung zu übersehen.
    Aber die vermeintliche Gewissheit ist letztlich nur Futter für alle die nach Sicherheit streben und der Ungewissheit nicht gewachsen sind.
    Am Ende werden die Realitäten aber nicht durch die Statistik bestimmt, sondern umgekehrt die Statistik durch die Realitäten.

    H.

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