Biologische Fachtexte
Computerprogramm soll Wissensflut filtern

Angesichts der immer größer werdenden Flut von Fachpublikationen soll künftig ein Computerprogramm den Biologen dabei helfen, den Überblick über neue Entwicklungen zu behalten.

HB JENA. Es soll Wichtiges von Unwichtigem trennen und die Forscher gezielt mit hochaktuellem Wissen versorgen, wie der Projektleiter des internationalen Expertenteams zur Entwicklung des Programms, Udo Hahn, von der Universität Jena am Dienstag sagte. Heute sei kein Biologe mehr in der Lage, alle für sein Fachgebiet relevanten Arbeiten zu lesen.

In den Labors der Welt würden heute in jeder Minute eine neue chemische Formel gewonnen, alle drei Minuten ein neuer physikalischer Zusammenhang aufgedeckt und im Fünf-Minuten-Rhythmus neue medizinische Erkenntnisse gewonnen und publiziert. Wissenschaftler der Max-Planck-Gesellschaft hätten ermittelt, dass jährlich rund vier Mill. Fachbeiträge veröffentlicht würden, also 20 000 an jedem Arbeitstag, erklärte Hahn.

Die Fülle an immer neuen Erkenntnissen sei aber nur ein Problem für jeden Forscher. "Will er über den Tellerrand des eigenen Spezialgebietes schauen, dann versteht er manche Texte vielleicht nicht richtig, weil in den einzelnen Disziplinen häufig dem Leser unbekannte Spezialtermini gebraucht werden", erläuterte Hahn. Es könne sogar vorkommen, dass Biologen an denselben Proteinen forschten, ohne voneinander zu wissen.

Die Computerlinguisten wollten ihr Fachwissen und sprachwissenschaftliche Methoden nutzen, um die natürliche Sprache - bei den Biologen sei es fast ausschließlich Englisch - mit dem Computer zu bearbeiten. "Als Sprachwissenschaftler haben wir einerseits das Wissen, wie man Texte formuliert und inhaltlich strukturiert", sagte Hahn. Andererseits sei Sprache ein berechenbarer Prozess. Mit Hilfe von Methoden aus der Informatik könnten ihre Regeln und Konzepte formal und mathematisch präzise analysiert werden. Dann sei selbst das "Fachchinesisch" einer Wissenschaftsdisziplin für den Computer durchschaubar.

An dem anspruchsvollen Vorhaben, das am 1. April offiziell starten werde, seien Forscher aus England, Italien, Frankreich, Singapur und Deutschland beteiligt. Biologen aus diesen Ländern würden ebenfalls von dem mehrsprachig angelegten Programm profitieren, sagte Hahn.

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