IT + Internet
Biometrie: Brüssel malt die neue Datenwelt aus

Ein Fingerabdruck startet den Automotor, ein Blick ins Lesegerät für die Augeniris öffnet den Zugang zur Schulkantine, ein System zur Gesichtserkennung ersetzt den Ticketkauf im Linienbus - so stellen sich Experten der EU-Kommission das Leben im Europa des Jahres 2015 vor.

dpa BRüSSEL. Ein Fingerabdruck startet den Automotor, ein Blick ins Lesegerät für die Augeniris öffnet den Zugang zur Schulkantine, ein System zur Gesichtserkennung ersetzt den Ticketkauf im Linienbus - so stellen sich Experten der EU-Kommission das Leben im Europa des Jahres 2015 vor.

Die Beispiele stammen aus einem 166 Seiten starken Bericht, den die Brüsseler Behörde am Mittwoch vorlegte. Die Studie sagt dem Einsatz biometrischer Daten im Privatleben, am Arbeitsplatz, in der Medizin und bei Grenzkontrollen eine große Zukunft voraus.

Bei Fingerabdrücken denken die meisten Bürger bisher an das Aufspüren von Verbrechern. Iris-Kontrollen und elektronisch gespeicherte Daten zur Gesichtsform in Visa und Reisepässen sollen nach EU-Plänen dafür sorgen, dass keine Terroristen ins Land oder an Bord von Flugzeugen kommen. Der Brüsseler Biometrie-Bericht spricht aber auch von einer spielerischen Anwendung der neuen Techniken, die möglichen Widerstand der Bürger abbauen könne. Es sei „erforderlich, gezielt darauf hinzuarbeiten, dass biometrische Anwendungen von den Bürgern angenommen werden“, erklärte die Kommission.

„Biometrische Spielzeuge könnten zu einer größeren Akzeptanz von Biometrie in der Öffentlichkeit beitragen, nicht nur, weil Kinder sich auf diese Weise schon mit ihnen vertraut machen und Biometrie zu verwenden lernen so lange sie noch jung sind, sondern auch, weil solche lokalen Anwendungen ohne Datenübertragung weniger Sorge um die Sicherheit und den Datenschutz wecken“, heißt es in der Studie. Es sei dann jedoch notwendig, die Kinder mit einer gezielten Erziehung auf mögliche Datenschutzrisiken im Umgang mit biometrischen Merkmalen vorzubereiten, fügen die Fachleute an.

In der Arbeitswelt könnte eine Personenerkennung per Fingerabdruck die alte Stechkarte ersetzen, meinen die EU-Experten. Auch der Zugang zu Firmengebäuden könne so geregelt werden. Banken seien an einer zusätzlichen Absicherung elektronischer Bezahlsysteme interessiert. Die Anwendung biometrischer Daten in Supermärkten zeige aber, dass bei den Kunden noch Überzeugungsarbeit nötig sei. „Für die Unternehmen könnte ein Grund für Investitionen in die Biometrie sein, dass sie ihre Kunden besser kennenlernen und identifizieren, um mehr Waren zu verkaufen und den Nachschub zu verbessern“, heißt es.

Die Kommission empfahl Europas Politiker bei der Vorlage des Berichts, sie sollten „jetzt den Einsatz der Biometrik aktiv gestalten“. Die Bürger würden sich an die Verwendung elektronischer Daten zu Fingerabdruck, Augeniris und Gesichtsfeld mit der Zeit gewöhnen. Der Bericht erwähnt aber auch die Gefahr, dass ein Teil der Bevölkerung ausgegrenzt werden könnte.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%