Bitkom-Umfrage
Informationsflut überfordert viele Deutsche

Laut einer neuen Studie verbringen die Deutschen jeden Tag fast neun Stunden mit Medien. Von dem ständigen Informationsfluss aus TV, Radio, Internet und Telefon fühlen sich inzwischen aber viele auch überfordert.
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BerlinFernsehen, Radio, Internet und Telefon sind bei den Deutschen im Durchschnitt jeden Tag neun Stunden lang in Betrieb. Das teilte der Hightech-Verband Bitkom am Donnerstag in Berlin mit. „Selbst wenn man berücksichtigt, dass Fernsehen und Radio zuweilen nur mitlaufen, ist das eine enorme Summe“, sagte Bitkom-Präsident August-Wilhelm Scheer. Er stellte eine neue Studie zum Umgang mit Medienvielfalt und Nachrichtenflut vor. Demnach fühlen sich 31 Prozent der Deutschen häufig von Informationen überflutet, weitere 30 Prozent manchmal.

„Offenkundig fühlen sich zahlreiche Menschen von Nachrichten und Medienvielfalt überfordert, vor allem Ältere“, sagte Scheer.

Überdurchschnittliche 39 Prozent der Deutschen ab 65 Jahren haben häufig das Gefühl der Informationsüberflutung. Dagegen haben die 14- bis 29-Jährigen, die mit Internet und Handy aufgewachsen sind, am wenigsten Probleme mit der Informationsmenge: Nur jeder Siebte fühlt sich häufig von Informationen überflutet.

Pro Tag nutzt jeder Deutsche laut Bitkom durchschnittlich 100 Minuten aktiv das Internet. Vor zwei Jahren waren es noch 88 Minuten. Mit fast vier Stunden steht aber das Fernsehen weiter an erster Stelle beim Medienkonsum, und es ist nach Meinung der Mehrheit am stärksten für die Überflutung mit Informationen verantwortlich. 71 Prozent nennen das Fernsehen als Grund für die Informationsflut, nur 43 Prozent das Internet.

38 Prozent der Nutzer legen gelegentlich bewusst internetfreie Tage ein, weitere 17 Prozent tun dies häufig. Ein Fünftel verzichtet nie von sich aus einen ganzen Tag auf das Netz. Viele schalten ihr Handy nachts (41 Prozent) und im Urlaub (40 Prozent) ab oder stumm, um ungestört zu sein. Bei jedem fünften Handybesitzer ist das Gerät aber immer angeschaltet.

„Internet und Handy haben die Grenzen zwischen Job und Freizeit verschwinden lassen“, sagte Scheer weiter. Jeder dritte Berufstätige (29 Prozent) ist der Umfrage zufolge heute auch außerhalb der Bürozeiten jederzeit erreichbar. Nur zwölf Prozent der Berufstätigen sind nie in der Freizeit erreichbar, weitere 14 Prozent in Ausnahmefällen. Mehr als jeder vierte Mitarbeiter (28 Prozent) nutzt das Internet am Arbeitsplatz täglich auch für private Zwecke, weitere 22 Prozent tun das gelegentlich oder sporadisch.

Die meisten Nutzer einer beruflichen Mail-Adresse (80 Prozent) schauen permanent oder mehrfach täglich nach neuen Nachrichten. Eine Mehrheit von 55 Prozent würde maximal einen Tag auf ihre dienstlichen Mails verzichten.

Im Durchschnitt bekommen berufliche E-Mail-Nutzer 13 Nachrichten pro Tag. „Das Vorurteil, Berufstätige litten unter einer Flut unwichtiger E-Mails, stimmt aber nicht, wenn der Spam-Filter richtig eingestellt ist“, betonte Scheer. „Für zwei Drittel der beruflichen Nutzer sind die meisten Mails im Posteingang wirklich wichtig.“

Im Auftrag des Bitkom befragten die Institute Aris und Forsa 1 000 Deutsche ab 14 Jahren repräsentativ. Der Bitkom vertritt nach eigenen Angaben mehr als 1.350 Unternehmen.

Agentur
dapd 
DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur

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