Blogger schildern ihre Erlebnisse
„Katrina“ im Internet

Die meisten Bewohner sind nicht mehr in New Orleans und Umgebung. Sie sind vor dem Hurrikan „Katrina“ geflohen. Aber einige wollten ihr Haus doch nicht verlassen und schreiben jetzt im Internet über ihre Erlebnisse. Viele von ihnen sind Blogger - wie Autoren eines Weblog genannt werden.

dpa NEW ORLEANS. Ein Weblog, kurz Blog, ist eine Webseite, die immer neue, chronologisch sortierte Einträge enthält. Es sind öffentliche Tage- und Notizbücher. Einträge können meist kommentiert und verlinkt werden. Mehr als 60 000 deutschsprachige Blogs gibt es derzeit. Bei der Suchmaschine Technorati sind weltweit mehr als 16 Mill. gelistet.

Alobar Greywalker ist so ein Blogger. Er kommt aus New Orleans und wollte sein Haus nicht verlassen. „Ich habe mir 13 Eier gekocht. Hart gekochte Eier halten sich auch ohne Kühlung“, ließ er seine Leser wissen. Da flackerte sein Licht bereits und der Computer war zwischendurch schon ohne Strom. Das war Alobars letzter Eintrag bevor ihn „Katrina“ vom Netz abschnitt. Mehr als 40 Leser wünschten ihm Glück und bangten, als er sich nicht mehr meldete. Später berichtete ein Freund, die Überlandleitung zu Alobars Haus sei defekt.

Aus aller Welt treffen Kommentare in den Blogs ein, die über die Situation in und um New Orleans berichten. „Ich glaube, ein Freund von mir aus London ist immer noch in New Orleans im Urlaub. Als er mir erzählte, dass er einen zweiwöchigen Urlaub in dieser Stadt gebucht hat, erinnere ich mich, dass ich zu ihm gesagt habe: "Oh, Du solltest nicht im August dahin fahren, es ist affenheiß und es ist Hurrikan-Saison“, schreibt ein Leser, der sich „The Mayor“ nennt. „Viel Glück aus Hannover (Deutschland)“, wünscht ein anderer.

Viele Blog-Einträge und Kommentare zeugen von einem ungebrochenen Mitteilungsbedürfnis. Und wer nicht gerne schreibt, fotografiert, was gerade um ihm herum passiert. Wer beim Bilderdienst Flickr nach „Katrina“ sucht, findet bereits Aufnahmen, die Hobbyfotografen aufgenommen haben. Wenn in den kommenden Tagen der Strom wieder da ist und auch der Internetzugang, wird die Zahl der Bilder noch zunehmen.

Auch Zeitungen und Fernsehsender setzen während des Sturms auf Blogs. Der Fernsehsender Wdsu berichtet im „Katrina Blog“ mehrmals in der Stunde über neue Entwicklungen und bei CNN bloggt ein Korrespondent über seine Erlebnisse im Sturm. Zugleich fordert der Sender Zuschauer auf, ihre Geschichte an den Sender zu mailen und Fotos zu schicken. „Citizen Journalist“ (Bürgerjournalist) nennt der Sender die Rubrik, in der die Erlebnisse der Zuschauer veröffentlicht werden.

Doch vielen wird danach gar nicht zu Mute sein. Viele sorgen sich in den Kommentareinträgen der Blogs um ihre Angehörigen. „Hat irgendjemand Informationen darüber, wie es um den Metaire Golf Course und die Häuser darum aussieht, insbesondere was die Überschwemmungen angeht?“, fragt jemand. Eine Frau sorgt sich um ihre Mutter, die in einem Altersheim lebt. Durch ihren Kommentar im Blog bleibt die Geschichte nicht mehr nur das Schicksal eines Einzelnen. Die ganze Welt kann ganz ungefiltert daran teilnehmen.

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