Blu-ray oder HD-DVD
DVD-Nachfolgestreit legt an Schärfe zu

Von Versöhnung keine Spur: Auf der CeBIT präsentieren sich die Produzenten der DVD-Nachfolgeformate Blu-ray und HD-DVD beide so, als hätten sie den Formatstreit bereits gewonnen. Beide glauben sie, durch eine Spielkonsole den endgültigen Durchbruch schaffen zu können.

HB HANNOVER. Der Formatstreit um die Nachfolge der DVD tritt auch auf der CeBIT auf der Stelle. Dabei präsentieren sich beide Industrielager in Hannover schon jetzt vollmundig als Gewinner und preisen die Blu-ray Disk (BD) und die HD-DVD als das jeweils bessere Format an. Man spielt auf Zeit und erhofft sich nun vor allem durch die Spielekonsolen PlayStation 3 (PS3) und Xbox 360 eine Entscheidungshilfe im Markt. Sie sollen die so wichtige Verbreitung der entsprechenden Abspielgeräte für beide Formate in den Haushalten vorantreiben. Einer der wenigen Versuche zur gütlichen Beilegung des Streits ist auf der CeBIT allerdings nicht zu sehen. LG Electronics verzichtete darauf, mit dem bisher einzigen Hybrid-Player, der beide Formate abspielt, auf der weltgrößten Computer- und IT-Messe präsent zu sein.

Speziell das Lager der Blu-ray mit den Elektronikunternehmen Panasonic, Philips und Sony setzt auf den Europa-Start des neuen Multitalents PS3, das über ein BD-Laufwerk der neu gegründeten Sony NEC Optiarc verfügt. Nach einer Umfrage unter 10 000 PlayStation- Käufern in den USA wollen 80 Prozent der Befragten sich auf jeden Fall Filme in hoher Auflösung auf Blu-ray kaufen, behauptete Frank Simonis, Chef des Förderkomitees der Blue-ray Disc Association (BDA) in Europa auf der CeBIT. 75 Prozent der Befragten wollen die Konsole angeblich sogar hauptsächlich für das Abspielen von Blu-ray-Filmen nutzen. Das allerdings bezweifelt selbst Sony-Deutschlandchef Manfred Gerdes. Wenn jemand in erster Linie Filme sehen wolle, werde er seinen Player wohl kaum mit dem Controller einer Spielekonsole bedienen wollen, meint Gerdes.

Bis Ende März bleibt Sony bei seinem Ziel, weltweit insgesamt sechs Millionen Konsolen in die Haushalte zu bringen. Erstmals gewährt Sony in Hannover in kleinen Präsentationen erste Einblicke auf die in Europa erst am 23. März offiziell startende PS3. Die ersten 50 000 Käufer in Europa sollen mit einer kostenlosen Blu-ray Disc des neuesten James-Bond-Films „Casino Royal“ auf den Geschmack für Blu-ray gebracht werden, kündigte Nick Sharples von Sony Computer Entertainment an. Der PS3 als bislang günstigstem Blu-ray-Player auf dem Markt mit einem Preis von rund 600 Euro will Sony im Herbst dann allerdings selbst Konkurrenz machen. Vor etwas mehr als einer Woche kündigte der japanische Elektronik-Konzern einen Blu-ray-Player aus eigenem Haus für etwa den gleichen Preis an.

Den Preis nutzt das Konkurrenz-Lager der HD-DVD um Toshiba, NEC und Microsoft inzwischen als eines der Hauptargumente für sich. „Ein Hinderungsgrund für den Kauf eines Players ist für den Verbraucher zu allererst der Preis“, sagt Mark Knox, HD-DVD-Spezialist bei Toshiba. Gegenüber der BD, für die die günstigsten Player derzeit noch kaum unter 1 000 Euro zu haben sind, beginnt die Preisspanne für HD-DVD- Geräte mit dem Laufwerk für die Xbox 360 für rund 200 Euro. Es folgen Player zu Preisen zwischen 500 und 1 000 Euro. Toshiba stellte auf der CeBIT bereits die dritte Generation seines HD-DVD-Players vor. Der HD-EP10 soll ab Mai für rund 750 Euro verfügbar sein. Auch Microsofts Xbox-Laufwerk soll gut angenommen worden sein. Das Gerät verkaufe sich zur Zeit rund doppelt so oft wie entsprechende Einzelgeräte, so genannte Standalone-Player, sagt Knox.

Während die Blu-ray-Fraktion mit deutlich größeren Speicherkapazitäten von rund 50 Gigabyte protzt, zeigt man sich im Lager der HD-DVD gelassen. Selbst für Filme im hochaufgelösten HD- Format inklusive Bonus-Material bräuchte man schlichtweg nicht mehr Platz, als die HD-DVD mit ihren bis zu 30 Gigabyte bietet, sagt Frank Eschholz von Toshiba. Ein Vorteil der HD-DVD bestehe auch darin, dass das Format nicht von einigen wenigen Unternehmen kontrolliert werde, sagte Jordi Ribas von Microsoft. Damit spielt Ribas darauf an, dass neben Philips vor allem Sony Patente an dem Blu-ray-Format hält, das HD-DVD-Format dagegen frei verfügbar ist. Die Produktion von Blu-ray- Filmen liege ausschließlich in der Hand des japanischen Konzerns, sagte Eschholz. „Das ist vielen Filmstudios ein Dorn im Auge.“

An ein schnelles Ende des Formatstreits glauben indes immer weniger Branchenbeobachter. Die unter anderem von der Blu-ray Disc Association und Panasonic verkündete Prognose, schon in zwei, drei Jahren werde sich der Streit zu Gunsten der Blu-ray entschieden haben, halten viele Experten für fragwürdig. „Es wird noch eine sehr lange Koexistenz geben - mit offenem Ende“, sagt auch Toshiba-Manager Eschholz.

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