Boeing stellt Internet-Service ein
Kein Anschluss über den Wolken

Die Zukunft des schnellen Internet-Surfens über den Wolken steht auf der Kippe. Boeing stellt den Breitband-Dienst „Connexion“ ein. Die Nachfrage der Fluggesellschaften habe sich nicht wie erwartet entwickelt, teilte der Flugzeugbauer am Donnerstag in Chicago mit. Die Lufthansa hat damit möglicherweise ein Problem.

HB FRANKFURT/CHICAGO. „Leider ist der Markt für diesen Dienst wider erwarten nicht entstanden“, erklärte Boeing-Chef Jim McNerney am Donnerstag. Connexion stellte Internet-Dienste während des Fluges zur Verfügung. Bereits im Juni hatte Boeing mitgeteilt, dass es den Dienst möglicherweise verkaufen wolle. Nur wenige Fluglinien haben den auf Satelliten basierenden Service installiert, da sie auf billigere Internetdienste setzen, die auf Mobiltelefon-Netzwerken basieren. Die knapp 600 Connexion-Mitarbeiter sollen größtenteils in anderen Unternehmensteilen unterkommen.

Durch Abschreibungen, Abstandszahlungen und andere Kosten entsteht den Angaben zufolge vor Steuern im zweiten Halbjahr eine Sonderbelastung von bis zu 320 Mill. Dollar oder 26 Cents je Aktie. Ab 2007 soll die Einstellung des Dienstes den Gewinn jedoch um 15 Cents je Aktie steigern. Der Konzern kündigte an, bei der Vorlage seiner Quartalszahlen am 25. Oktober seine Prognosen anzugleichen. Boeing-Aktien gaben bis zum Nachmittag gut 0,3 Prozent auf 79,09 Dollar nach.

Seit dem Jahr 2000 hat Boeing rund 1 Mrd. Dollar in die Entwicklung von Connexion investiert. Einige Fluglinien haben den Service bereits bestellt, doch waren nicht genug Passagiere interessiert daran, für 10 bis 27 Dollare ihren Laptop während eines Fluges nutzen zu können. Die Fluggesellschaften haben offenbar stärkeres Interesse daran, ihren Passagieren eine günstigere Version anzubieten, welche über das Mobilfunknetz läuft. Zu den Nutzern zählten bislang neben der Lufthansa auch die skandinavische Fluglinie SAS sowie die asiatischen Gesellschaften Japan Airlines und Singapore Airlines.

Ein Lufthansa-Sprecher äußerte in Frankfurt jedoch die Hoffnung, dass das vor gut zwei Jahren bei Lufthansa eingeführte System doch noch fortgeführt werden könne. “Ob dies möglich sein wird, lässt sich gegenwärtig aber noch nicht sagen“, sagte ein Sprecher. Eine unmittelbare Abschaltung in den nächsten Tagen oder Wochen stehe nicht an. Die Resonanz der Gäste sei gut, pro Flug werde das System von bis zu 40 Gästen genutzt. Die Lufthansa ist eigenen Angaben zufolge der größte Nutzer des Service.

Lufthansa hat bisher 62 von 80 Langstrecken-Jets mit Internetzugang ausgestattet. Passagiere können mit Hilfe einer Satelliten-Übertragung im Internet surfen oder auch E-Mails lesen. Die Kosten für den Passagier betragen rund zehn Dollar pro Stunde oder 27 Dollar pro Tag. Im Gegensatz zu anderen Techniken ermöglicht die Satelliten-Anbindung auch das Surfen mitten über dem Atlantik. Wie eine zu Connexion alternative Lösung aussehen könne, sei noch nicht klar, erklärte die deutsche Airline. Am Markt gebe es außer Boeing zurzeit keinen adäquaten Anbieter.

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