Branchentreff E3 in Santa Monica
Videospiele-Branche in Krisenstimmung

Zum Start der Videospielemesse E3 in Santa Monica steht die erfolgsverwöhnte Branche ungewöhnlich unter Druck. Bei Sonys Playstation 3, potenzielles Zugpferd der Spieleindustrie, bleibt der erhoffte große Ansturm bislang aus.

dpa SANTA MONICA. Rivale Microsoft hatte mit seiner Xbox 360 zwar zunächst Erfolg, seit rund einer Woche kämpft der Software-Hersteller aber mit einem Hardware-Fehler an dem Gerät und legte schon mal vorsorglich über eine Milliarde Dollar für anfallende Reparaturen und zur Schadensbegrenzung zurück. Und unterdessen befürchten die großen Spielehersteller, dass die Marktentwicklung wegen fehlender Neukunden stagniert - und heben zu ungewöhnlicher Selbstkritik an.

„Wir langweilen die Leute zu Tode und bringen Spiele heraus, die immer schwerer zu spielen sind“, sagte John Riccitiello, neuer Chef des weltgrößten Spiele-Verlags Electronic Arts, ungewöhnlich offen in einem Handelsblatt-Interview. Schon vor Monaten hatten Analysten des renommierten Markforschungsinstituts Gartner der Branche drohende Probleme prognostiziert. Immer ausgefeiltere Grafikdarstellungen in den aktuellen Titeln für die technisch hoch gerüsteten Konsolen haben immer höhere Ausgaben in der Entwicklung der Games zur Folge. Preise zwischen 50 und 70 Euro pro Spiel sind denn auch eher die Regel als die Ausnahme. Da aber der Kreis der eingefleischten Gamer, die diesen Preis anstandslos zahlen, nicht wächst, könnte die Branche kurz vor einer massiven Krise stehen.

Dass es auch anders geht, hat das japanische Traditionshaus Nintendo vorgemacht und in der Branche für Erstaunen gesorgt. Mit der neuen Konsole Wii war das Unternehmen frühzeitig aus der Technologie- Spirale ausgeschert, die Sony und Microsoft bei der Entwicklung neuer Konsolen seit Jahren antreibt. Statt dessen machte sich Nintendo Gedanken, wie man mit neuen Spiele-Ideen den Kreis der Konsolenspieler vergrößern kann. Die mit Abstand günstigste Konsole steht zwar keineswegs auf dem neusten technischen Stand, umwirbt aber nicht zuletzt auch mit ihrem Preis potenzielle Neukunden.

Und das Konzept ist bislang aufgegangen. Gemessen an der verkauften Stückzahl hängt Nintendo Monat für Monat mühelos die Rivalen Sony und Microsoft ab. Die Wii wird mit einem neuartigen Controller bedient, der einer kleinen Fernbedienung ähnelt. Das Spielgeschehen wird über die Bewegungen gesteuert, die der Spieler mit dem Controller vor dem Fernseher macht. Mit einer Reihe von neuen, kurzweiligen Titeln für die ganze Familie hat das Unternehmen bereits seine Zielgruppe auf die begehrte Gruppe der "Noch-Nicht-Gamer" erweitern können. Auch der Anteil weiblicher Spieler ist bei Nintendo-Spielen gestiegen.

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