Breitband-Internet
Netzagentur prüft Missbrauch durch Telekom

Die Zahl der schnellen Internetanschlüsse in Deutschland hat sich in den vergangenen zwei Jahren fast verdoppelt. Dabei verlor die Deutsche Telekom nur ein Prozent Marktanteil. Weil der Ex-Monopolist mutmaßlich die Auftragsbearbeitung der Konkurrenten verzögert, leitet die Bundesnetzagentur ein Missbrauchsverfahren ein.
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HB BONN. Es gibt einen großen Auftragsstau bei der Bestellung der Teilnehmeranschlussleitung" (TAL), sagte der Präsident der Netzagentur, Matthias Kurth, am Dienstag in Bonn. Die TAL - auch "letzte Meile" genannt - wird von der Telekom gestellt und bildet den direkten Zugang zum Endkunden. Der Branchenverband VATM, in dem die Konkurrenten der Telekom zusammengeschlossen sind, spricht von mehr als 100 000 unbearbeiteten Aufträgen, also Haushalten, die auf ihren DSL-Anschluss warten.

Die Anbieter Arcor und Telefónica sehen sich durch die massenhaft unbearbeiteten Aufträge behindert und haben daher bei der Netzagentur Beschwerde eingelegt. Mittlerweile seien Missbrauchsverfahren gegen die Deutsche Telekom eingeleitet worden, sagte Kurth. Dem Unternehmen sei ein umfangreicher Fragenkatalog geschickt worden, den der Konzern bis Anfang Januar beantwortet müsse. Innerhalb von vier Monaten werde eine Entscheidung gefällt, voraussichtlich früher. "Unabhängig von der Frage, ob hier eine Diskriminierung der Wettbewerber vorliegt, was wir zurzeit prüfen, appelliere ich an die Telekom, den Auftragsstau so schnell wie möglich abzuarbeiten", sagte Kurth.

Die Telekom weist die Vorwürfe zurück und verweist darauf, dass bereits zusätzliche Mittel für die TAL-Umschaltung bereitgestellt worden seien. "Die Bereitstellung von vereinbarten Kontingenten halten wir innerhalb von sieben Tagen ein. Wenn Konkurrenten aber deutlich mehr Anschlüsse buchen, als im Voraus vereinbart wurden, kann es zu Verzögerungen kommen", sagte ein Telekom -Sprecher.

Behördenchef Kurth kündigte an, in Kürze über Standardbedingungen zu entscheiden, zu denen die Telekom ihren Konkurrenten die Nutzung der TAL gewähren muss.

Welchen Umfang das Geschäft mit den schnellen Internetanschlüssen hat, zeigt ein Blick auf die Zahlen, die Kurth im Tätigkeitsbericht der Netzagentur vorstellte. Demnach besitzen 47 Prozent der deutschen Haushalte einen Breitbandanschluss. Der Anteil der von dem Ex-Monopolisten vermarkteten DSL-Anschlüsse sank dabei um gut einen Prozentpunkt auf 48 Prozent.Das sind aktuell neun Millionen Anschlüsse. Weitere 3,7 Millionen DSL-Zugänge der Telekom werden von Konkurrenten wie United Internet unter eigenem Namen angeboten. Über die Netze anderer Betreiber wie der Vodafone -Tochter Arcor laufen sechs Millionen DSL-Anschlüsse.

Einen geringen Teil des Breitbandmarktes stellen internetfähige Kabel- und Funkanschlüsse, die von 1,1 Millionen Kunden als schnelle Internetzugänge genutzt wurden. Vom Umsatz im gesamten Telekommunikationsmarkt in Höhe von 63,6 Milliarden Euro streicht die Telekom nach vorläufigen Angaben der Behörde knapp die Hälfte ein.

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