Browser-Wettbewerb
Firefox auf dem Vormarsch

Microsofts Internet Explorer ist mit Abstand das am meisten verbreitete Surfprogramm. Doch mit dem alternativen Browser Firefox hat die Software ernsthafte Konkurrenz bekommen. Das besondere an Firefox: Der Programmcode gehört keiner Firma, ist „Open Source“.

dpa HAMBURG. Jeder, der etwas zur Verbesserung von Firefox beitragen will, kann das tun. Zudem ist Firefox kostenlos verfügbar. Durch die vielen Erweiterungen für Firefox, die Programmierer in ihrer Freizeit entwickelt haben und die sich jeder zusätzlich installieren kann, lässt sich die Software den eigenen Bedürfnissen anpassen.

Bis zur Veröffentlichung von Firefox 1.0 am 9. November surften mehr als 90 Prozent aller Internetnutzer mit dem Internet Explorer von Microsoft. Nur knapp zwei Wochen später meldete das Marktforschungsunternehmen Onestat.com, der Anteil des Schwergewichts am weltweiten Markt sei mittlerweile auf unter 90 Prozent gesunken. „Der Marktanteil von Firefox wächst rapide“, sagt Niels Brinkman, Mitgründer des Amsterdamer Internet-Marktforschers. Er rechne damit, dass sich Firefox weiterhin rasant verbreiten wird.

Gefährliche Sicherheitslücken hatten den Internet Explorer in den vergangenen Jahren immer wieder in die Schlagzeilen gebracht. Doch mit der zunehmenden Verbreitung von Firefox könnte auch dieser Browser Ziel von Virenverschickern werden. Dennoch sei ein wesentlicher Sicherheitsaspekt von Firefox, dass der Quellcode frei verfügbar ist, sagt Holger Bleich, Redakteur bei der Computerfachzeitschrift „c't“. „Beim Internet Explorer gibt es nur eine Instanz, die in der Lage ist, Sicherheitslücken zu kitten.“ Die Firefox-Gemeinde diskutiere hingegen offen über die Sicherheitslücken. Für die Entdeckung von Viren-Schlupflöchern zahlt die Firefox-Gemeinde, finanziert durch Spenden, 500 Dollar an jeden Finder.

Auch bei Microsoft habe die Sicherheit oberste Priorität, sagt Microsoft-Sprecherin Irene Nadler. Microsoft begrüße den Wettbewerb auf dem Browser-Markt. „Es ist Ansporn für uns, unsere Produkte noch weiter zu verbessern.“

„C't“-Redakteur Bleich sieht Firefox im Vergleich zum Internet Explorer nicht nur bei der Sicherheit, sondern auch bei der Benutzerfreundlichkeit vorn. „Die Menüs sind logischer aufgebaut. Webseiten können hintereinander in Registrierkarten abgelegt werden.“ „Tabbed Browsing“ nennt das die Firefox-Gemeinde. „Man hat nur noch ein Browserfenster und kann leichter zwischen Webseiten hin und her springen.“

Die Geschichte von Firefox geht zurück bis in die frühen 90er Jahre, als Netscape noch der populärste Browser war. Nach Meinung von Kritikern konnte Microsoft nur mit der Bündelung von Software- Bestandteilen die damals überwältigende Marktmacht von Netscape brechen. Nachdem sich schließlich auch AOL 2003 aus der Entwicklung von Netscape zurückgezogen hatte, gründete sich die Mozilla Foundation, die die Entwicklung von Programmen wie Firefox organisiert und finanziell unterstützt. AOL, Red Hat und Sun Microsystems gehören zu den Sponsoren. Firefox basiert ursprünglich auf Programm-Bestandteilen des damaligen Netscape-Browsers.

Der Germanistikstudent Abdulkadir Topal hat an der Entwicklung von Firefox mitgearbeitet. „Ich will den freien Zugang zum wichtigsten Medium unserer Zeit sichern“, sagt der 21-Jährige über seine Gründe, seine Freizeit für Firefox zu opfern. Man könne den Zugang zum Internet nicht einem Konzern mit einem Programm überlassen.

Für „c't“-Redakteur Bleich gibt es keinen Grund, Firefox nicht zu benutzen. Nur schlecht programmierte Internetseiten könnten das Surfvergnügen mit Firefox trüben. Die fast flächendeckende Verbreitung hat dazu geführt, dass sich viele Betreiber von Internetseiten nicht an festgelegten Webstandards, sondern an den Bedürfnissen des Internet Explorers orientiert haben. Manche Seiten werden daher nur mit dem Internet Explorer korrekt dargestellt. Die zunehmende Verbreitung von Firefox könnte jedoch dazu beitragen, die Standards für moderne Webseiten populär zu machen.

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