Bundestagswahl2005.de gehört Studenten
Wahlkampf im Internet

Angela Merkel verspricht auch im Internet, dass sie Deutschland dienen will.

dpa BERLIN. Bei Amtsinhaber Gerhard Schröder ist unter www.bundeskanzler.de zu lesen, wie ein typischer Arbeitstag aussieht: „12.40: Mit Premierminister Koizumi beim Aperitif auf der Terrasse des Kanzleramts“ oder „20.00 Uhr: Festliches Bankett beim Eon-Abend in Essen“.

Von den angekündigten Neuwahlen sind die Internetgemeinde und die großen Parteien aber überrascht worden: Die Seiten www.bundestagswahl2005.de, www.neuwahl2005.de und www.neuwahlen2005.de gehören einem Berliner Theologiestudenten.

„Das war mehr oder weniger ein Zufall“, sagt Michael Othmer. Kurz nachdem SPD-Chef Franz Müntefering eine Neuwahl angekündigt hatte, registrierte sich Othmer, der sonst die religiöse Seite www.vaterunser.de betreibt, für die Politik-Domains. Diese will er nicht selbst nutzen, kann sich aber vorstellen, sie an jemanden mit „seriösem Verwendungszweck“ abzugeben, am liebsten an ein unabhängiges Info-Portal zur Wahl. Bislang hätten sich Privatpersonen und eine kleine unbedeutende Partei gemeldet, die Volksparteien noch nicht, erzählt Othmer. Großen Reibach will er nicht unbedingt machen. „Ich habe auch kein Problem, das einfach auslaufen zu lassen.“

Die Seite www.bundeskanzlerin.de gehört dem Berliner PR-Berater Lars Heitmüller, wie auch die Seite www.bundespraesidentin.de. Im Falle eines Wahlsieges würde Heitmüller die Kanzlerinnenseite verschenken. „Die Seite soll nicht in Privatbesitz gehen und nicht für Kampagnen verwendet werden, sondern der ersten gewählten Amtsträgerin offiziell zur Verfügung stehen“, sagte Heitmüller kürzlich dem Radiosender Swr3. Die Seite hat er sich schon 1998 gesichert. „Anscheinend ging damals niemand davon aus, dass es einmal eine Bundeskanzlerin geben würde.“

Der Staat hat keinen Anspruch auf die von Othmer registrierten Wahl-Seiten. Zentrale Anlaufstelle für die Registrierung von Seiten, die auf „.de“ enden, ist der Dienstleister Denic in Frankfurt/Main. Grundsätzlich gilt, dass jeder eine beliebige Seite anmelden kann, es sei denn, es sind Städtenamen, Markenrechte, andere Rechte Dritter oder etwaige gesetzliche Einschränkungen im Spiel. Beim Domainhändler Sedo sind allein 22 Seiten im Angebot, in denen der Wortteil „Bundes“ enthalten ist. Die Seite www.bundestagswahl2005-online.de kostet beispielsweise 300 Euro. Sollte bei der CDU jemand auf die Idee kommen, sich günstig die Rechte an Merkels Spitznamen zu sichern, kommt er zu spät: Die Seite www.angie.de ist laut Denic bereits vergeben.

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