Cablegate
„IT-Nation USA hat sich bis auf die Knochen blamiert“

Die Veröffentlichung Hunderttausender als geheim eingestufter Depeschen des US-Außenministeriums wirft auch Fragen nach dem IT-Sicherheitskonzept der größten Weltmacht der Erde auf. Offenbar wurde ein grundlegendes Sicherheitsprinzip nach den Anschlägen vom 11. September 2001 außer Kraft gesetzt. Unterdessen gibt es einen ersten Hinweis darauf, woher die Dokumente stammen.
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HB BERLIN. ­Die Affäre um die Veröffentlichung geheimer Depeschen durch die Enthüllungsplattform Wikileaks hat bei Sicherheitsexperten in Deutschland Kopfschütteln ausgelöst. "Die führende IT-Nation USA hat sich bis auf die Knochen blamiert", sagte der Karlsruher Sicherheitsexperte Christoph Fischer der Nachrichtenagentur dpa. Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 hätten unzählige Mitarbeiter der Ministerien und Sicherheitsbehörden Zugriff auf die Daten bekommen, die zuvor einem deutlich kleineren Kreis von Berechtigten vorbehalten gewesen seien. "Das ist nun die Quittung dafür."

Der Münchner Sicherheitsexperte Arne Schönbohm sieht in dem Vorfall einen Beweis für ein mangelhaftes Datenmanagement der US-Sicherheitsdienste. "Da hatte wohl jeder Zugriff auf alles." Die US-Regierung müsse die Richtlinien für den Zugriff überarbeiten, um einen besseren Schutz der vertraulichen und geheimen Daten zu gewährleisten.

Geheime Informationen werden üblicherweise nicht nur durch technische Maßnahmen wie Verschlüsselung oder sichere Passwörter geschützt, sondern durch eine Begrenzung des Zugriffs. Beim so genannten "Need-to-know-Prinzip" (Kenntnis nur bei Bedarf) kann eine Person nur dann auf Daten zugreifen, wenn diese unmittelbar für die Erfüllung einer konkret definierten Aufgabe notwendig sind. "Dieses Prinzip wurde in den USA offenbar nach 9/11 in weiten Teilen außer Kraft gesetzt", sagte Fischer.

Experten gehen davon aus, dass der US-Obergefreite Bradley Manning die Quelle der von Wikileaks veröffentlichen Daten ist. Manning hatte als Sicherheitsspezialist der US-Streitkräfte im Irak Zugang zum verschlüsselten US-Regierungsnetzwerk SIPRNet. Laut einem in der US-Zeitschrift "Wired" veröffentlichten Chat-Protokoll hat Manning eingeräumt, geheime Daten aus dem SIPRNet kopiert und auf CDs gebrannt zu haben. Manning wurde im Mai in Kuwait festgenommen, nachdem sein Chat-Partner Adrian Lamo den Soldaten bei den Sicherheitsbehörden gemeldet hatte.

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  • Das big brother Problem

    Zentral ist die Aussage "Das konsequente Auswerten von Log-Dateien sei aber aufwändig und teuer". Das war der U.S.A. nach 9/11 in der Hysterie wohl zu teuer. Übrigens gibt es eine Hypothese das jeder Datenkrake an seiner eigenen Gefrässigkeit zugrunde geht. im Detail: Das Ausspionieren von Daten erzeugt neue Daten. Daten sind zuerst einmal wertlos. Erst Data mining findet das Goldkörnchen im Schlamm. Nun weiss der Goldsucher schon wie Schürfen geht. Aber die junge Wissenschaft der informatik weiss nicht wie Data mining geht. im Moment ist noch die Hase und igel Situation: immer dann wenn der Hase von der NSA ein Data mining Programm geschrieben hat um z.b. die Wiederholung des Manning Falles zu verhindert sind die informaten von Wikilieaks schon eine idee weiter. bis jede gute idee einmal erfolgreich war und Ländern wie U.S.A. so wehgetan haben das für das nächste NSA Programm einige Zehn Millionen US-Dollar bewilligt werden dürften noch einige Wild-West Jahre in Data-Dorado vergehen.

  • Was soll denn da ein Geheimnis sein das kann doch jeder in den Medien sehen wie eitel Westerwelle auftriit,so wie Grafkoks von der Gasanstald.Wie Frau Merkel sich vor unangenehme Entscheidungen herumdückt,wie sie versucht mit wischie,waschie,Ausagen der Verantwortung zu entgehen.ist kein Geheimnis.

  • Glücklicherweise handelt es sich hauptsächlich um belanglosen diplomatischen Klatsch. Offenbar bedienen sich die wirklich geheimen internationalen Verhandlungen eines anderen Code.

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