Cebit 2007
Internet-Vormarsch nicht zu stoppen

Der Vormarsch des Internets ist nicht zu stoppen. Die Computermesse Cebit 2007 hat gezeigt: Die Möglichkeiten des weltweiten Netzes werden immer größer, neue Dienste und schnelle Datenleitungen sollen der Internetnutzung unterwegs zum Durchbruch verhelfen, die Preise auch für den Mobilfunk purzeln weiter. Die digitale Wirtschaft boomt, virtuelle und reale Welt wachsen immer mehr zusammen.

dpa HANNOVER. Die Hightec-Branche ist mitten in einem umfassenden Veränderungsprozess - und mit ihr die Leitmesse Cebit. Man erlebe einen "nachhaltigen Internet-Boom", sagte der heutige Karstadt-Quelle - und einstige Bertelsmann-Chef Thomas Middelhoff am Mittwoch auf der Cebit. Dies bedeute eine Herausforderung für jede Branche. "Innerhalb der nächsten zehn Jahre werden viele große und bekannte Unternehmen den Markt verlassen, weil sie nicht in der Lage waren, ihre Geschäftsmodelle anzupassen und weil ihre Kunden beschlossen haben, dass sie überflüssig geworden sind." In Deutschland sei der "katastrophale Fehler" gemacht worden, Internet-Wirtschaft und den neuen Markt gleichzusetzen. Und so sei nach dem Zusammenbruch des überheizten Marktsegments gleich "weg mit dem Internet" gerufen worden.

Doch das Internet ist längst nicht mehr wegzubekommen - im Gegenteil: Die Umsätze im elektronischen Handel, bei Dienstleistungen und der Online-Werbung erreichen 2006 zweistellige Zuwachsraten und werden nach den Erwartungen der Branche weiter kräftig wachsen.

Doch das Internet bringt auch große Risiken - die Sicherheit im Netz ist immer mehr bedroht, die Internet-Kriminalität steigt. Die Hersteller von Sicherheitssoftware könnten den Kampf gegen die wachsende Internet-Kriminalität verlieren, sagte der russische Sicherheitsspezialist Eugene Kaspersky auf der Cebit. "Wenn das Wachstum bei der Schadsoftware in diesem Tempo weitergeht, könnte unsere gesamte Branche dieser Flut irgendwann nicht mehr standhalten." Kaspersky schlug eine Art Internet-Interpol vor.

Auch auf einer anderen Ebene müsste aus Sicht von Experten gegensteuert werden. Die Verführung der Nutzer durch die stetig wachsenden Möglichkeiten der digitalen Welt wird immer größer. Vor allem die Generation, die Online-Plattformen und digitale Welten als Selbstverständlichkeit betrachtet, sei gefährdet, sagte Reinhard Karger vom Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz in Saarbrücken. Dem Nutzer müsse klar sein, dass er nicht selber Sport treibe, wenn sein so genannter Avatar - also sein "virtuelles Ich" - Fußball spiele oder jogge. Das Stichwort für die Zukunft heißt deshalb "Medienerziehung", Training für den richtigen Umgang mit Simulationen, Foren und Chats. Karger: "Die digitale Welt muss geerdet werden."

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