Cebit 2008
Wenn Sicherheit zum Glücksspiel wird

Das Thema Sicherheit ist auf der Cebit prominent vertreten. Mit mehr als 100 Fachvorträgen an sechs Messetagen zählt das "Forum Cebit Security World" zu den größten IT-Sicherheitsveranstaltungen der Welt. Experten sind sich einig: Neue Sicherheitssoftware kann keine wirkliche Sicherheit bringen - die größte Gefahrenquelle ist und bleibt der Faktor Mensch.

DÜSSELDORF. Wenn es nach dem Psychologen Werner Degenhardt von der Ludwig-Maximilians-Universität München geht, sollten beim Thema IT-Sicherheit nicht technische Lösungen etwa zur Abwehr von Computerviren im Vordergrund stehen, sondern der Faktor Mensch. "Die Fehler, die Menschen machen, richten deutlich mehr Schaden an als direkte Angriffe durch Hacker", sagt er.

Wirkliche Computersicherheit bringen nicht Virenscanner, Firewalls oder die neueste Sicherheitssoftware. Das hat auch die Sicherheitsbranche erkannt. "Es fehlt bei vielen Anwendern das Bewusstsein, dass jede Möglichkeit der Kommunikation ausgenutzt werden kann", sagt Candid Wüest, Sicherheitsexperte des Softwareanbieters Symantec. Mal lauere die Gefahr in einer scheinbar harmlosen E-Mail, dann in einer heruntergeladenen Datei oder auf einer unscheinbaren Webseite. Er fordert, Anwender mehr für die Gefahren der Computernutzung zu sensibilisieren.

Ein Beispiel dafür ist der so genannte Storm-Worm. Seit über einem Jahr verbreiten sich die Varianten dieses Schädlingsprogramms mit Hilfe einfachster Tricks. E-Mails weisen auf vermeintliche Neuigkeiten zu aktuellen Ereignissen hin. Einer Schlagzeile zu dem im Januar 2007 in Europa tobenden Sturm "Kyrill" verdankt die Malware den Namen "Storm". In den E-Mails befinden sich Verknüpfungen, die Millionen von Internetnutzern anklickten und so schädliche Software auf den Rechner luden. Mit Hilfe dieser "Trojaner" schließen die Hacker die gekaperten Computer unbemerkt zu einem riesigen Botnet zusammen. Dieses vermieten sie beispielsweise für den Versand von Spam-E-Mails oder erpresserische Angriffe auf Webseiten. "Das Profitinteresse hinter Storm ist eindeutig, denn für das riesige Botnet finden sich in der Malware-Szene unzählige Kunden", sagt Raimund Genes, Technikchef bei Trend Micro, einem Anbieter von Sicherheitssoftware in München.

Bis heute beobachten die Experten, dass das Storm-Netz dank der Naivität der Internetnutzer weiter wächst. Auch sonst helfen viele Anwender aus Unwissenden den Kriminellen selbst, etwa indem sie durch einen einzigen Mausklick fremden Programmen die Erlaubnis erteilen, von außen auf ihre Rechner zuzugreifen.

Dass Aufklärung helfen kann, zeigt das Phänomen der Phishing-Webseiten, vor denen die Medien seit zwei Jahren kontinuierlich warnen. Ihre Zahl ist in den letzten sechs Monaten nach Angaben von Symantec um fast ein Drittel zurückgegangen. Kaum ein Netznutzer lässt sich heute noch dazu verleiten, seine Bankzugangsdaten auf einer Internetseite einzutippen, die er nicht kennt.

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