Intel-Chef Paul Otellini
„Kosten sind nicht alles“

Der Vorstandschef des weltweit größten Chipherstellers Intel spricht mit dem Handelsblatt über seine Liebe zu Deutschland, seinen Einstieg ins Autogeschäft und warum er seine modernste Fabrik nicht in Asien baut.
  • 0

Handelsblatt: Herr Otellini, haben Sie auf einmal Ihre Liebe zu Deutschland entdeckt? 2011 hat Intel die Mobilfunksparte von Infineon in München übernommen, letzte Woche eröffneten Sie ein Entwicklungslabor für Ihr Autogeschäft in Karlsruhe.

Otellini: Deutschland ist ein Knotenpunkt für viele europäische Automobilhersteller sowie für Zulieferer des sogenannten "In-Vehicle Infotainment". Durch die Nähe zur Industrie können wir die Anforderungen der Branche besser verstehen. Wir profitieren aber auch von den führenden technischen Universitäten und vom gewachsenen Zusammenspiel von Hard- und Softwareanbietern.

Warum steigt Intel ins Autogeschäft ein?

2014 werden Fahrzeuge zu den am schnellsten wachsenden Marktsegmenten für Internet-Anwendungen gehören. Intel arbeitet deshalb schon seit einigen Jahren mit der Industrie zusammen. Wir können Erfahrungen aus PC-Welt und Cloud-Computing einbringen.

Wie hat sich seit der Übernahme vor gut einem Jahr Ihr Mobilfunkgeschäft in München entwickelt?

Die frühere Mobilfunksparte von Infineon, heute Intel Mobile Communications (IMC), hat enge Beziehungen zu Handyherstellern, das hilft uns. Jeder große Telefonproduzent nutzt unsere Chips. Zudem verfügt IMC über Know-how, das wir in zahlreichen Bereichen einsetzen können. Und IMC-Chef Hermann Eul ist in der mobilen Kommunikation sehr erfahren. Er ist jetzt Co-Leiter unseres gesamten Mobilfunkbereichs.

Alle Welt benutzt inzwischen Smartphones. Doch was kommt nach diesen Geräten?

Wie die Apparate selbst einmal aussehen werden, ist gar nicht so interessant. Viel spannender sind die neuen Möglichkeiten, die uns die Technik ermöglicht. Denn Rechenleistung gibt es künftig überall. Handelsblatt: Wie meinen Sie das? Otellini: Schon heute sind unsere Handys in Wahrheit Computer. Und genau dahin entwickeln sich auch Autos, Fernseher und sogar die Schilder im Einkaufszentrum.

Was heißt das für Intel?

Wir müssen uns Gedanken darüber machen, wie wir die ganzen Geräte sichern. Und wir müssen erreichen, dass diese Milliarden von vernetzten Apparaten einfach zu nutzen und zu verwalten sind. Das wird uns die kommenden Jahre beschäftigen.

Sie dringen jetzt in Märkte ein, in denen Sie wohl kaum einen Marktanteil von 80 Prozent bekommen, wie das im PC-Geschäft der Fall ist. Wird Ihre Rendite in den nächsten Jahren sinken?

Sie unterstellen, dass wir in den neuen Geschäftsfeldern margenschwächere Produkte anbieten - das muss aber nicht sein. Wir haben die beste Halbleiter-Technik weltweit und können deshalb auf jedem einzelnen Markt die leistungsstärksten und kosteneffizientesten Lösungen anbieten.

Gerade stecken Sie fünf Milliarden Dollar in eine hochmoderne Fabrik in Arizona. Warum lagern Sie die Fertigung nicht aus, wie das die meisten Ihrer Wettbewerber tun?

Wir sind überzeugt, dass niemand die Chipherstellung so gut beherrscht wie wir. Weil wir stets investiert haben, liegen wir drei Jahre vor der Branche. Zudem können wir Fabriken schneller hochfahren als alle anderen und so Produkte zügiger auf den Markt bringen.

Warum bauen Sie Ihre modernste Fabrik in Amerika und nicht im günstigen Asien?

Kosten sind nicht alles.

Auf was kommt es denn dann an?

Viel wichtiger sind Erfahrung und die Fähigkeiten der Mitarbeiter. Deshalb bauen wir ein neues Werk in der Regel dort, wo schon eine Fabrik steht. Für die Weiterverarbeitung und für Tests nutzen wir aber auch Standorte in Malaysia, China, Costa Rica und Vietnam. Unsere Märkte sind global - und unser Produktionsnetz ist es auch.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München

Kommentare zu " Intel-Chef Paul Otellini: „Kosten sind nicht alles“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%