Merkel eröffnet Cebit
Digitaler Graben zwischen Google und Kanzlerin

Zum Cebit-Start gibt Google-Verwaltungsratschef Schmidt den Visionär, Kanzlerin Merkel die Mahnerin. Ein digitaler Graben tut sich zwischen beiden auf. Das heiße Eisen des Abends sprechen sie nur jenseits der Bühne an.
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HannoverBoom-Branche trifft Boom-Land: Zum Start der Cebit-Woche mit Gastland Brasilien kann die Branche auf gute Zahlen verweisen. Den Unternehmen geht es besser als dem Rest der krisengeplagten Wirtschaft – und die weltgrößte Computermesse Cebit verzeichnet nach Jahren der Schwäche schon das zweite Jahr in Folge ein Ausstellerplus.

Entsprechend ausgelassen beginnt die Cebit am Montagabend mit brasilianischen Klängen – und sogar einer prise Humor. Bitkom-Chef Dieter Kempf hat die Lacher auf seiner Seite, als er sich bei der brasilianischen Delegation für ihr Kommen bedankte, obwohl Niedersachsen zu dieser Zeit „alles andere als vergnügungssteuerpflichtig sei“.

Doch Stimmung ist nicht wegen guter Zahlen gut. Smartphones und das Internet haben die Welt verändert: Das Netz hat Revolutionen befördert – nicht nur in der Wirtschaft, sondern auch ganz konkret den Umsturz repressiver politischer Systeme. Das alles hat Ex-Google-Chef Eric Schmidt, heute Chef des Verwaltungsrats, offensichtlich im Hinterkopf, als er voller Optimismus vor das Messepublikum in Hannover tritt und von der er nächsten Revolution der IT-Industrie schwärmt: Der Überwindung des globalen digitalen Grabens.

„Bislang sind nur zwei Milliarden Menschen online, nur eine Milliarde haben ein Smartphone“, sagt der Google-Mann, dessen Unternehmen es sich zum Ziel gesetzt hat, alles und jeden zu vernetzten. „Das World Wide Web wird seinem Namen noch nicht gerecht“. Doch all das werde sich rasant ändern – schon in den kommenden 12 Jahren, ist der Google-Manager überzeugt.

„In 12 Jahren werden Telefone 20 mal schneller sein. Ein Telefon, das heute 200 Dollar kostet, wird 20 kosten – und damit selbst für die Ärmsten der Welt leistbar“, so Schmidt. „Die Ärmsten der Welt werden einen Supercomputer haben.“ Das Resultat seien vernetzte Menschen, die Informationen frei tauschten. Auch wenn die Zensur-Bemühungen zahlreicher repressiver Staaten zunähmen - „Internettechnologie ist wie Wasser – es findet seinen Weg“.

Schmidt redet viel über die Chancen der Technologie: Die Verarbeitung großer Datenmengen – in der Branche Big Data genannt – sei der „Triumph empirischer Daten“. „Vielleicht kann die nächste große Krise schon vorhergesehen werden“, glaubt der Google-Manager im Machbarkeitsrausch.

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Merkel mahnt Internetbranche, Vertrauen zu schaffen

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  • ebay wurde Mitte der 90er in Kalifornien gegründet

  • Merkel:
    „Man muss sicher sein, dass die Daten nicht verschwinden und von anderen benutzt werden“
    .
    Sich selber an die Nase fassen, und nicht immer nur auf andere schauen. Waren denn die vielen Abhör - und ähnliche Skandale nicht genug? Sind die jemals richtig aufgeklärt, und die dafür Verantwortlichen genannt oder auch bestraft worden?
    Ich jedenfalls vertraue deutlich mehr Google als allen "systemrelevanten" Institutionen dieser linkisch-linken Krummenrepublik.

  • Mit der Definition der"Gemeinschaft von Gleichen" haben schon einige menschenverachtende System begonnen. Demokratie heisst ganz klar: Gewaltenteilung und Regeln zur Gewährung unserer Rechtsprinzipien. Und in der Wirtschaft: (real umgesetzte) soziale Marktwirtschaft auf der Basis unseres Wertesystems.
    Die Datenansammlungen und die Monopolstellung von US-IT-Konzernen widersprechen eindeutig unsrem Rechts- und Demokratieverständnis.

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