Cebit-Eröffnung
Vom Mars auf den Boden der Tatsachen

Den einen beschäftigen außerirdische Probleme, die andere ganz irdische: EADS-Chef Thomas Enders und Kanzlerin Angela Merkel eröffnen die Cebit. Sie sprechen über Innovationen – und lesbare Gebrauchsanleitungen.
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HannoverDie Cebit hat mit einem Ausflug ins Weltall begonnen – zumindest einem virtuellen: Bei der Eröffnungsfeier Montagabend grüßte EADS-Chef Thomas Enders in einer filmischen Montage von der Oberfläche des Mars, neben sich der Rover Bridget. Die Konstruktion des sechsrädrigen Fahrzeugs sei ohne die IT-Branche nicht möglich gewesen, lobte der Spitzenmanager. Doch er kehrte schnell auf die Bühne in Hannover und den Boden der Tatsachen zurück: Es dauere Jahre, bis die IT-Innovationen auch in Luft- und Raumfahrt ankämen, bemängelte er in seiner Eröffnungsrede.

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel hob die Bedeutung von Innovationen der IT-Branche hervor. Maschinenbau und Autoindustrie allein reichten nicht aus, um hierzulande Wachstum zu sichern. Deutschland sei als High-Tech-Standort aber sehr gut für die technologische Entwicklung aufgestellt, weil IT-Technologie und Realwirtschaft inzwischen wieder zusammenwachsen – Stichwort Industrie 4.0. Vielversprechende Ideen müssten aber besser gefördert werden. „Diese Cebit ist eine wichtige Messe um zu diskutieren, wo Wachstum, wo Jobs, wo Zukunft in Europa geschaffen werden kann“, sagte Merkel, die vom polnischen Ministerpräsidenten Donald Tusk begleitet wurde – Polen ist Partnerland der Messe.

Gleichzeitig ließ sich die Physikerin ließ sich ein gewisses Unbehagen an den technischen Umwälzungen anmerken: „In meiner Jugend waren ja computergesteuerte Werkzeuge der Hit, jetzt spricht die Maschine zum Menschen.“ Es zeichne sich ein „unglaublicher Wandel der individuellen Lebenswelt und Arbeitswelt“ ab. Dabei wüchsen die Ansprüche an die Verfügbarkeit von Menschen. In einem Seitenhieb auf den Versandhändler Amazon, dessen Arbeitsbedingungen zuletzt in der Kritik standen, sagte Merkel: „Wir werden lernen müssen, die unentwegten Bedürfnisse der Individuen zusammenzubringen mit sozial verträglichen Arbeitsbedingungen.“

Bei EADS-Manager Enders ging es dagegen um technische Probleme. Weil bei der Entwicklung von Mars-Fahrzeugen und Flugzeugen jedes Einzelteil und jede Programmzeile aus Sicherheitsgründen akribisch überprüft werde, dauere der Prozess sehr lange. Die Folge: „Ein Flugzeug ist überaltert, bevor es den Dienst aufnimmt.“ Die Computer an Bord eines Airbus‘ hätten weniger Rechenkraft als sein Smartphone.

Enders schlug vor, dass Luftfahrt und Informationstechnologie gemeinsam überlegen, wie sie die Entwicklung beschleunigen können – EADS werde dafür einen runden Tisch gründen. „Wir müssen das Tempo der Innovationen erhöhen, ohne Kompromisse bei der Sicherheit zu machen.“

Die Eröffnungsfeier endete nicht in höheren Sphären, sondern mit praktischen Tipps von Merkel. Nicht jeder Mensch beschäftige sich täglich mit Technologie, gab die Kanzlerin den Entwicklern mit auf den Weg: „Machen Sie einfache Gebrauchsanleitungen, schöne Vorführmöglichkeiten, nicht zu viele Stecker.“

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