„Jeopardy“-Computer: „Neue Ära von lernenden Computersystemen“

„Jeopardy“-Computer
„Neue Ära von lernenden Computersystemen“

Der amerikanische IT-Konzern IBM setzt große Vermarktungshoffnungen auf Supercomputer wie dem kürzlich zu durch ein Quiz zu Weltruhm gekommenen Modell "Watson".
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München

"Wir beginnen eine neue Ära von lernenden Computersystemen", sagte Deutschlandchef Martin Jetter im Reuters-Interview. Das Elektronengehirn "Watson" hatte kürzlich seine menschlichen Rivalen in der US-Quizshow"Jeopardy" mit seinem programmierten Allgemeinwissen deklassiert.

Mit der Kombination aus Rechenleistung und Software erschlössen sich Geschäftsfelder in allen Bereichen, wo unstrukturierte Daten anfielen, sagte Jetter. So könnte "Watson" etwa in Verkehrsleitsystemen, Callcentern oder der medizinischen Diagnostik angewendet werden. Zusammen mit der Spracherkennungsspezialisten Nuance Communications arbeite IBM derzeit an einem System, das die Funktion eines ärztlichen Assistenten erfüllen könnte.

Die Themen IT-Analytik - also die Aufbereitung von Daten mit hoher Geschwindigkeit - und der Dauerbrenner Cloud Computing seien für IBM derzeit Schwerpunktthemen, sagte Jetter im Vorfeld der weltgrößten Branchenmesse Cebit kommende Woche. Die Entwicklung des Themas Cloud Computing - die Verlagerung von Speicher- und Rechenleistungen ins Netz - lasse sich mit der des Internets insgesamt vergleichen. "Zunächst gibt es einen Hype und hinterher entstehen Firmen wie Google", sagte Jetter. Die schlüssigsten Geschäftsmodelle würden sich trotz aller Skepsis über die Sicherheit von fernab des eigenen Computers gespeicherten Daten durchsetzen. "Man muss allerdings aufpassen, dass einem nicht alter Wein in neuen Schläuchen verkauft wird." Einige Anbieter neigten dazu, herkömmliche Server-Systeme zum Cloud Computing umzuettikettieren.

Die zunehmende Bedeutung von Software werde die anfassbare Computertechnik nicht ins Abseits drängen. "Wir werden in Zukunft eine Leistungsexplosion erleben", sagte Jetter. Obwohl IBM vor allem Umsatz mit Software und Dienstleistungen mache, fließe der Großteil der Entwicklungsgelder nach wie vor in den Hardware-Bereich.

Durch den Verkauf der IT-Sparte von Siemens an die französische Atos Origin sieht Jetter die Position seines Hauses in Europa nicht unter Druck. "Man muss erst abwarten, wie sich Atos dadurch verändert." Die Kampfansage der Franzosen gegen IBM habe er wohl vernommen. "Wie sagt man so schön: Viel Feind, viel Ehr. Wir sind robust und burschikos genug, uns dem Wettbewerb zu stellen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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