Big-Data-Portal Kaggle
Der Wettbewerb der Hellseher

Dunkle Materie, Aids, Walgesänge – das Portal Kaggle soll die Forschung voranbringen. Datenexperten liefern sich dort einen Wettstreit um die cleversten Lösungen. Auch Firmen wie Facebook und Microsoft profitieren davon.
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DüsseldorfIn seiner Freizeit spielt Josef Feigl Hellseher. Er versucht vorauszusagen, welche Amerikaner im nächsten Jahr ins Krankenhaus eingeliefert werden, wer einen Kredit nicht zurückzahlen kann und wie sich eine neue Kaffeesorte verkaufen wird.

Der 27-Jährige hat keine übersinnlichen Wahrnehmungen: Er ist Datenwissenschaftler. Für seine Prognosen nutzt er Algorithmen. Den Rohstoff – die Daten – findet er auf der Website Kaggle: Dort stellen Forschungseinrichtungen und Unternehmen Aufgaben, die sie selbst nicht lösen können.

Das 2010 gegründete Portal bietet eine Lösung für ein häufiges Problem: Zwar verfügen Firmen über ungeheuer große Datensätze, aber nicht die passenden Algorithmen, die die Daten ordnen und nützlich machen. Auf Kaggle können sie die Daten hochladen und ihr Problem beschreiben. Experten aus der ganzen Welt versuchen dann, eine Antwort zu finden. Sie treten in einem Wettbewerb um den besten Algorithmus an – wer gewinnt, bekommt eine Geldprämie. Dabei ist es ganz egal, ob der Teilnehmer Professor an einer renommierten Universität oder ein Hobbytüftler ist.

Die Aufgaben kommen aus den unterschiedlichsten Bereichen. Seit Kaggle im April 2010 gegründet wurde, gab es zum Beispiel Wettbewerbe zur Aids-Forschung, Notenvergabe in Schulen, Optimierung von Flugplänen, Bestimmung von Grippewellen und Erkennung von Walgesang, außerdem zur Voraussage der Platzierungen des Eurovision Songcontests.

Berühmt machte Kaggle aber ein Wettbewerb der US-Weltraumbehörde Nasa. Mit Hilfe von 100.000 Bildern von Galaxien sollten die Datenexperten einen Algorithmus entwerfen, der Hinweise auf dunkle Materie aufspürt und so hilft, das Universum zu vermessen. In weniger als einer Woche stieß Martin O’Leary, Student der Gletscherkunde in Cambridge, auf eine Lösung, die mit den Ergebnissen der besten NASA-Wissenschaftler mithalten konnte. Die Spezialisten der Behörde bezeichnen ihn als wegweisend in der Kosmologie, das Weiße Haus würdigte das Ergebnis mit einem Blogeintrag.

Seitdem ist in den USA ein kleiner Hype um Kaggle entstanden. Der Gründer und Chef der Plattform, Anthony Goldbloom, konnte wenige Monate nach Ablauf des Wettbewerbs 11 Millionen Dollar von Investoren einsammeln. Mittlerweile zählen 20 der weltweit größten Unternehmen zu den Kunden von Kaggle, darunter Facebook und Microsoft. „Im letzten Jahr hat sich die Kaggle-Gemeinde auf 150.000 Teilnehmer mehr als verdoppelt“, sagt Anthony Goldbloom. Unter den Besten in den Wettbewerben sind meist auch zwei oder drei Deutsche.

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