Cebit 2014: Wie Technik den Fußball entzaubern will

Cebit 2014
Wie Technik den Fußball entzaubern will

Von wegen Schicksal, Zufall oder Pech: Fußball ist viel berechenbarer. Softwareriesen und Informatikspezialisten zerlegen die Erfolgsgeheimnisse der deutschen Lieblingssportart. Forschungsobjekt: Die Nationalmannschaft.
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HannoverEs ist noch nicht lange her, als in der Fußballwelt ein Stückchen Papier mit Taktiknotizen zu Berühmtheit gelangte. Der WM-Spickzettel von Nationaltorwart Jens Lehmann kam 2006 nach dem „Sommermärchen“ sogar ins Bonner Haus der Geschichte. Torwarttrainer Andreas Köpke hatte Lehmann den Spicker vor dem Elfmeterschießen gegen Argentinien zugesteckt. Der Keeper verwahrte ihn unter seinem Stutzen und hielt zwei Elfer - womöglich auch dank dieser Hilfe.

Für die diesjährige Fußball-WM in Brasilien rüstet die Nationalelf nun auf. Der gute alte Spicker bekommt High-Tech-Konkurrenz und es ist das ganze Team dabei, nicht mehr nur die Torwarte. Deutschlands Profikicker tragen in der WM-Vorbereitung Sensoren unter den Stutzen. Videosoftware seziert ihre Spielzüge und die der Gegner - alles in der Hoffnung, dass die Kraft der Datenberge zum zwölften Mann wird.

Hinter der Technikoffensive am Spielerbein steht der Softwareriese SAP, der den Kniff beim Bundesligisten TSG Hoffenheim schon erprobt. SAP ist nicht alleine. IBM etwa hilft im Rugby-Sport mit Sensoren, Verletzungen der Spieler zu verhindern. Golfprofis analysieren ihre Schwünge, den Ballflug, Längen und Schlagpräzision nicht mehr nur mit Videosoftware. Sie bauen inzwischen sogar mobile Radaranlagen auf.

Nationalelf-Manager Oliver Bierhoff ist schon Feuer und Flamme: „Das, womit wir uns aktuell am meisten beschäftigen, ist die Spielanalyse“, sagte er am Rande der Computermesse CeBIT. Außerdem habe SAP eine App für die Kommunikation des DFB mit den Profis entwickelt.

„Damit sind wir im ständigen Austausch auch außerhalb der Länderspielzeiten.“ Das sei ein gelungenes Hilfsmittel, um die Chancen der Technik zu zeigen. So habe Nationaltorwart Manuel Neuer über die App vor dem jüngsten Länderspiel „vom Zimmer aus nach dem Mittagessen“ bei Torwarttrainer Andreas Köpke noch rasch die Elfmeterstatistik der Chilenen bestellt.

Die Grundidee der Kooperation mit SAP: Stärken und Schwächen sind in Echtzeit überwachbar und erlauben individuelle Trainingspläne, die Sensorik hilft Simulationen zu entwickeln, Mannschaftstaktiken können virtuell durchgespielt und feinjustiert werden. Was Trainer früher mit Kreide auf Taktiktafeln krakelten, läuft nun über Software auf dem Tablet-PC am Spielfeldrand. „Es geht vor allem um intelligente Auswertung und Analyse der Massendaten“, sagt SAP-Manager Fadi Naoum.

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Software soll „Spielkreativität“ fördern

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