Deep Web – ein Besuch
In den Abgründen des Internets

Das Internet, das wir kennen, ist nur ein winziger Teil. Dahinter boomt das riesige Deep Web. Dort gibt es Waffen, Drogen oder Kinderpornos – anonym und ohne Kontrolle. Vor zwei Jahren wagte unsere Autorin einen Rundgang.
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WashingtonEin Auftragsmörder kann jetzt per Mausklick angeheuert werden. In den USA ist die Dienstleistung mit 10.000 Dollar etwas günstiger als in Europa. Präzise und anonym soll es ablaufen, damit wirbt die Internetseite. Eine andere Plattform bietet Kokain und Crystal Meth an, so selbstverständlich wie Amazon Bücher. Alle Einkäufe können bequem vom Sofa aus bestellt werden, und mit nur wenigen Klicks landet die Ware im Briefkasten.

Das Deep Web macht möglich, was das uns bekannte Internet längst zensiert hat. Suchmaschinen zeigen uns nur einen winzigen Teil des World Wide Web, das sogenannte „Surface Web.“ Als Deep Web wird der Teil des Internets bezeichnet, der nicht von Google, Yahoo oder Bing erfasst wird.

Seriöse Zahlen über die Größe dieser digitalen Parallelwelt gibt es bislang keine. Experten schätzen die Ausmaße auf ein Tausendfaches des Inhalts an der Oberfläche. Den Großteil des unsichtbaren Netzes machen riesige Datenbanken wie etwa die der NASA, von Regierungen oder Museen aus. Ein anderer Teil sind kostenpflichtige Inhalte von Internetseiten wie Kataloge von Bibliotheken.

„Viele Firmen generieren ihre eigenen Inhalte für ihre Angestellten und Kunden und wollen diese Inhalte nicht der Öffentlichkeit preisgeben. Diese Inhalte sind durch Passwörter geschützt, liegen irgendwo auf Servern und sind somit im weitesten Sinne Teil des Internets“, erklärt Software-Entwickler und Technologie-Experte Ben Hood. „Diese Inhalte sind für den normalen Nutzer unerreichbar.“

Andere Teile des unsichtbaren Netzes sind erstaunlich schnell erreichbar. Dafür muss der Nutzer kein Hacker oder Entwickler sein. Das „Tor“ zu diesen Teilen des Deep Web ist der gleichnamige Browser, der sich in nur wenigen Klicks ähnlich wie Mozilla oder Google Chrome auf dem Computer installieren lässt.

Tor ist die Abkürzung für „The Onion Router“ und die Zwiebel steht stellvertretend für die vielen Verschleierungsebenen, durch die alle Informationen permanent laufen. Während andere Suchmaschinen den direkten und effizientesten Weg durchs Internet wählen, durchlaufen die Informationen in Tor verschiedene Server-Verbindungsknoten auf der ganzen Welt. Statt .com oder .de öffnen Internetseiten in Tor sich auf die Endung .onion.

Die ständig wechselnde IP-Adresse macht eine Identifikation der Nutzer nahezu unmöglich und garantiert ein hohes Maß an Anonymität. In geheimen NSA-Dokumenten, die durch den Whistleblower Edward Snowden im vergangenen Jahr ans Licht kamen, heißt es sogar: „Tor ist der König der Hochsicherheitsanonymität, und bislang gibt es keine weiteren Anwärter auf den Thron.“

Kommentare zu " Deep Web – ein Besuch: In den Abgründen des Internets"

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  • Sowas Dummes hab ich selten gelesen.

    Tausende Deutsche stehen (aus ganz verschiedenen Gründen) nicht im offiziellen Telefonbuch.

    Betreiben wir etwa in Deutschland ein "Untergrund-Telefonnetz, wo sich 'die Kriminellen' treffen"?


    Wenn Wichtigtuer auf Kontrollfanatiker treffen und dumpfe Ängste schüren, gibt das eine gefährliche Mischung.

  • So etwas Dummes hab ich selten gelesen.
    Tausende Deutsche stehen (aus ganz verschiedenen Gründen) nicht im offiziellen Telefonbuch.

    Betreiben wir also in Deutschland ein "Untergrund-Telefonnetz, in dem sich alle kriminellen sammeln?"

  • Die Idealvorstellung eines WWW denkt man sich als eine heile Welt, in der Menschen in einer Globus umspannenden Gemeinschaft
    - Musik und Filme ansehen und tauschen
    - Informationen austauschen
    - diskutieren
    - Waren anbieten und kaufen
    - eigenes Wissen erweitern
    - andere Menschen am eigenem Wissen Teil haben lassen
    - werben


    Nun gibt es aber Millionen WWW-User, die ganz anderes im Sinn haben. Die wollen im Internet
    - lügen
    - verfälschen
    - hetzen
    - beleidigen
    - beschimpfen
    - betrügen
    - stehlen
    - spionieren


    Wie soll man in unserem Rechtsstaat, in welchem es nach Verfassung Pressefreiheit und keine Zensur gibt, mit solchen Internetseiten oder Beiträgen umgehen?

    Zunächst einmal gelten unsere Strafgesetze auch im Internet. Beleidigung ist Beleidigung, Volksverhetzung ist Volksverhetzung, Aufruf zur Gewalt ist Aufruf zur Gewalt. Hier greift das Strafgesetzbuch (wenn es einen Kläger bzw. einen Täter gibt).

    Schwieriger wird es, wenn penetrant versucht wird, bildungsferne, naive Internetnutzer mit depperten Verschwörungstheorien und abgedrehten Hasspredigten von der „Wahrheit“ zu überzeugen; wenn es als Beispiel Nazis oder religiöse Fanatiker oder Lobbyisten mit angeblichem Wissen ihr eigenes, schwarz-weißes Weltbild zu verbreiten.

    In den öffentlich, rechtlichen Medien oder bei den großen Zeitungen habe ich wenig Sorgen; dort werden Beiträge zumindest theoretisch journalistisch aufbereitet und der gröbste Schwachsinn gefiltert. Auf wissenschaftlicher Ebene sieht es noch besser aus, weil es dort Qualitätsblätter gibt, in denen kein Beitrag ohne Peer-Review rausgeht.

    Im Internet ist es anders. Dort kann, streng genommen, jeder und jede jeden Schwachsinn verbreiten und genau das wird ja auch millionenfach gemacht. Wie können wir uns und unseren Nachwuchs vor solchen Auswüchsen schützen? Klar, durch Information aber ich habe auch nichts dagegen, wenn manche Internetseiten indiziert werden. Auch ein Rechtsstaat hat das Recht, sich zu wehren.

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