Bloat- und Crapware

Geschenkt ist noch zu teuer

Kein Müll und keine Altlasten: Für viele Computernutzer gibt es nichts Schöneres als einen brandneuen Rechner. Doch manch ein frisch gekaufter Computer ist gar nicht so unberührt, wie man denken sollte.
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So manch eine kostenlose Programmbeigabe kann man von neuen Rechnern gleich bedenkenlos deinstallieren. Quelle: dpa
Programme deinstallieren

So manch eine kostenlose Programmbeigabe kann man von neuen Rechnern gleich bedenkenlos deinstallieren.

(Foto: dpa)

Kein Müll und keine Altlasten, vom Hochfahren bis zum Programmstart läuft einfach alles: Für viele Computernutzer gibt es nichts Schöneres als einen brandneuen Rechner. Doch manch ein frischgekaufter PC ist gar nicht so unberührt, wie man denken sollte.

Oft ist auf Neugeräten neben dem Betriebssystem noch andere Software installiert. Fachleute sprechen von Bloat- oder Crapware, abgeleitet von den englischen Wörtern für „aufblähen” oder „Mist”. Glaubt man den unzähligen Klagen genervter Computerkäufer in Foren und Produktbewertungen, passt der Name.

Fragt man Computerhersteller nach vorinstallierter Software, klingt das naturgemäß anders: „Unsere Umfragen haben ergeben, dass Nutzer sich einfach zugängliche Apps wünschen, die es ihnen erlauben, produktiv zu sein und unterhalten zu werden”, heißt es zum Beispiel von Lenovo. Gleichzeitig verweist das Unternehmen darauf, dass Nutzer Testversionen zusätzlicher Programme leicht entfernen können.

Das sind die häufigsten Fallen im Netz
Angriff aus dem Netz
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Cyberkriminelle werden immer erfinderischer, ihre Angriffe mit Trojanern, Viren und Phishing immer ausgefeilter. Da ist es wichtig, vorsichtig zu sein und sich gut zu schützen. Auf diese Fallen sollten Sie achten.

E-Mails und Phishing
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Der häufigste Infektionsweg ist immer noch die E-Mail, insbesondere der E-Mail-Anhang: „Wenn man den öffnet, hat man meist schon verloren”, sagt Joachim Wagner, Sprecher beim Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI). Im Hintergrund werde sofort eine Datei ausgeführt, die die Schadsoftware installiert. Oder man landet via Link auf einer gefälschten Webseite. Dort soll man dann persönliche Daten preisgeben („Phishing”).

Vorsicht vor allem bei Rechnungen
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In den E-Mails geht es meist um Rechnungen. Die Fälschungen werden auch immer besser: „Die Angreifer schauen sich etwa die Kontakte eines Nutzers bei Facebook an, um dann in deren Namen Mails zu versenden”, sagt Wagner. Die Texte enthielten weniger Rechtschreibfehler als früher, teils erkenne man selbst an der Absenderadresse kaum noch, dass nicht der vorgegebene Dienst dahintersteckt.

Erst denken, dann klicken
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„Geht es um Bankgeschäfte, Kontosperrungen und ähnliches und wird man aufgefordert, etwas anzuklicken, sollte man immer skeptisch sein”, rät Maurice Ballein, Redakteur beim IT-Portal „Netzwelt.de”. Und BSI-Sprecher Wagner sagt: „Erst denken, dann klicken!” Helfen könnten drei Fragen: Kenne ich den Absender? Ist der Betreff sinnvoll oder vage („Dringende Nachricht”)? Erwarte ich einen Anhang? „Wenn da schon Zweifel bestehen, die Mail ungeöffnet löschen.”

Nicht dem Link folgen
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Im Zweifel kann man auch bei der Firma anrufen, die vermeintlich hinter der Mail steht. „Nur nicht dem Link folgen”, sagt Wagner. Die Adresse könne man stattdessen manuell in den Browser eingeben und auf diese Weise prüfen. Hinter dem sichtbaren Link-Text kann sich nämlich eine andere Adresse verstecken. Ist angeblich ein Online-Konto betroffen, loggt man sich am besten über den offiziellen Weg dort ein und schaut nach, ob wirklich etwas vorliegt.

Ransomware
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Krypto-Trojaner verschlüsseln die Dateien auf einem Rechner, dann wird der Nutzer erpresst: Er soll für den Entschlüsselungscode zahlen. Verbreitet wird Ransomware über manipulierte Webseiten, Downloads und via E-Mail. „Wir raten ganz klar, nicht zu zahlen und die Erpressung anzuzeigen”, sagt Frank Timmermann vom Institut für Internet-Sicherheit in Gelsenkirchen.

Backup auf externen Datenträgern
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Wagner rät zu einer möglichst geringen Angriffsfläche. Browser, Betriebssystem und Programme sollten immer aktuell sein. Nutzer sollten Updates schnellstmöglich einspielen. „Wichtig ist eine vernünftige Sicherheitslösung aus Firewall und Antivirensoftware”, erläutert Ballein. Alle drei Experten raten zu regelmäßigen Backups auf externen, vom Rechner getrennten Datenträgern.

Bei Asus sollen Computerkäufer über ein System namens Giftbox selbst auswählen, welche Programme sie installieren. Sogenannte Pure-Installationen ohne weitere Programme soll es bald ebenfalls geben – allerdings eher für erfahrene Nutzer. „Vorinstallierte Software ist in erster Linie dazu gedacht den Endanwender bei der Einrichtung seines Geräts zu unterstützen”, sagt Jan Schneider von Asus.

Tatsächlich ist nicht jede vorinstallierte Software automatisch schlecht: „Da gibt es schon Abstufungen”, sagt Jan Schüßler, Redakteur der Fachzeitschrift „c’t”. Manches sei sogar wichtig für den Rechner, Treiber für Hardware zum Beispiel. „Dann gibt es Tools, die direkt vom Hersteller des Rechners kommen, zum Beispiel für das Akkumanagement in einem Notebook”. Die könne man nutzen, rät der Experte – Pflicht ist es aber nicht.

Größtes Problem ist die Sicherheit

Und dann ist da noch die mitgelieferte Software von Drittherstellern: Virenscanner, Office-Pakete oder PDF-Reader zum Beispiel, gerne als Testversion, die sich nur ein paar Monate kostenfrei nutzen lässt. „Das ist vor allem optischer Ballast”, sagt Schüßler – mehr Icons auf dem Desktop, mehr Symbole im Startmenü, mehr Bewegung in der Taskleiste. Die Rechenleistung beeinträchtigt die Bloatware allerdings kaum, so der Experte. Ein Virenscanner könne das System aber schon ausbremsen. „Und viele Tools, die erst geladen werden müssen, verlangsamen eventuell den Systemstart.”

Größtes Problem von Bloatware ist aber die Sicherheit. „Das Problem mit Bloatware ist immer, dass man mehr Software hat als nötig”, erklärt Chris Wojzechowski vom Gelsenkirchener Institut für Internet-Sicherheit. „Und je mehr Software man auf einem Rechner hat, desto höher ist die Gefahr einer Sicherheitslücke.”

Und gerade vorinstallierte Tools machen immer wieder Probleme: Anfang 2015 hatte etwa Lenovo Ärger mit einer Bloatware namens Superfish, einem potenziellen Einfallstor für Hackerangriffe. Auf Dell-Rechnern wurden im gleichen Jahr unsichere Zertifikate für verschlüsselte Datenübertragung gefunden. Mitte 2016 entdeckten Experten Hintertüren in den automatischen Update-Tools mehrerer PC-Hersteller.

Nervige Quälgeister
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1 Kommentare zu "Bloat- und Crapware: Geschenkt ist noch zu teuer"

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  • "Herr Alfred E. Neumann - 09.03.2017, 12:35 Uhr

    Liebe Kommentatoren, leider werden wir noch viereinhalb Jahre mit der psychopatologischen Zonenpfaffentochter oder dem Kriminellen Alkoholiker leben müssen.
    Handlungsunfähig werden wir gezwungen zuzuschauen wie dieses großartige Land zugrunde gerichtet wird!"

    @HBO
    das ist sogar unter meinem Niveau.
    Ich bin zwar ein glühender Anhänger von Trump und Putin, und sehe für unser Reich nur die AFD als Rettung, aber das geht wirklich zu weit.
    Bitte Neumann entfernen, der ist ja wohl MAD! Danke

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