Cebit 2017: Ein neues Handy für die Kanzlerin?

Cebit 2017
Ein neues Handy für die Kanzlerin?

Das Düsseldorfer Unternehmen Secusmart macht das Handy von Bundeskanzlerin Angela Merkel sicher. Die ist treue Blackberry-Nutzerin. Eine neue Kooperation der Firma könnte das aber ändern.
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HannoverBlackberry – das war einst eine Marke, mit der Präsidenten, Wallstreet-Emporkömmlinge und Supermodels ihren Mailverkehr regelten und ihre Assistenten anschnauzten. Doch erst das iPhone, dann der Smartphone-Boom machten der kanadischen Marke zu schaffen. Das hippe Markenimage schmolz fast so schnell wie die Umsätze. Doch es gibt sie noch, die treuen Blackberry-Nutzer. Eine davon ist niemanden geringeres als Bundeskanzlerin Angela Merkel. Wenn sie ihre Parteikollegen zur Raison simsen will, tippt sie dafür auf ihr Blackberry. Doch eine Kooperation des Herstellers könnte das ändern.

Wenn Angela Merkel zum Hörer greift, eine E-Mail verschickt oder eine SMS in den Orbit sendet, sind sie da und passen auf: Das Düsseldorfer Unternehmen Secusmart beziehungsweise eine ihrer Micro-SD-Karten, die das Mobiltelefon der Kanzlerin absichern.

Das einstige Start-up ist erfolgreich: Mittlerweile beliefert das Unternehmen nicht nur die Bundesregierung mit sicheren Smartphones und Tablets, sondern noch 20 Regierungen überall auf der Welt. Bisher war die Lösung für Mobiltelefone Blackberry-Geräten vorbehalten, seit 2014 ist das deutsche Unternehmen eine Tochter der Kanadier. Im Rahmen der Cebit kündigte Secusmart nun die nächste Generation der sogenannten Secusuite-Lösung an.

Nun wird es die Hochsicherheitskarte auch für Samsung Knox geben – der Sicherheitsplattform des südkoreanischen Konzerns. Smarte Telefone wie das Galaxy S 7 oder Galaxy S 8 könnten nun auch von den Düsseldorfern abgesichert werden. „Damit dringen wir in einen neuen Bereich mit einer Vielzahl von Geräten vor“, sagt Mitgeschäftsführer Christoph Erdmann dem Handelsblatt. Dadurch ist zum Beispiel auch die Nutzung von Apps unter Einhaltung der hohen Sicherheitsanforderungen der deutschen Bundesbehörden möglich, teilt das Unternehmen mit.

Der Bedarf ist da – spätestens seit dem Bekanntwerden der NSA-Abhörprotokolle, weiß Erdmann: „Ich werde manchmal scherzhaft gefragt, ob ich Edward Snowden für die Enthüllungen bezahlt habe“. Vorher sei es in Kundenpräsentationen oft schwer gewesen, denen das Bedrohungspotenzial näherzubringen: „Manche haben uns angesehen und gesagt: Das ist doch kein James-Bond-Film.“ Spätestens seit den Snowden-Enthüllungen hat sich das verändert: Vorher sei Secusmart ein VIP-Anbieter mit knapp tausend Kunden gewesen, so Erdmann: „Mittlerweile bewegen wir uns jenseits der 10.000.“

Und es sind nicht nur Regierungen, die ein Bedürfnis nach Sicherheit haben. Seit 2014 unterhält Secusmart eine Partnerschaft mit Vodafone: Kunden können die Zusatzleistung buchen und über die Monatsrechnung abrechnen: „Einerseits suchen viele Unternehmen nach einer zusätzlichen Absicherung, andererseits haben sie keine Kapazitäten selbst das Know-how aufzubauen.“ Mit der Samsung-Lösung erschließt sich das Düsseldorfer Unternehmen so einen völlig neuen Kundenkreis.

Doch gerade viele Regierungen hielten bewusst an Blackberry fest, sagt Erdmann: „Sie schätzen nach wie vor die große Sicherheitsexpertise.“ Bleibt also auch die Bundeskanzlerin ihrem Handy treu? Erdmann meint: „Die Kanzlerin hat ihr Blackberry liebgewonnen.“ Zumindest hat sie jetzt die Auswahl – und am Ende gewinnt doch irgendwie Blackberry.

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