Cebit: Mit Watsons Superkräften gegen die E-Mail-Flut

Cebit
Mit Watsons Superkräften gegen die E-Mail-Flut

In der Mittagspause läuft das Postfach voll, wichtige Nachrichten gehen in der Flut unter: Das System E-Mail ist kaputt. Der IT-Konzern IBM will es reparieren – und setzt dabei auf die künstliche Intelligenz von Watson.
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HannoverWer die großen Plagen der Menschheit bekämpft, braucht mächtige Unterstützung. Mehr als Spiderman und Captain America hilft ein Superhirn – zumindest wenn es darum geht, die Seuche E-Mail einzudämmen.

Der Computerkonzern IBM zeigt auf der Hightech-Messe Cebit sein E-Mail-Programm Verse, das die Nachrichtenflut mithilfe der künstlichen Intelligenz Watson kanalisieren soll. Wie schlau das Programm ist, bewies es 2011 zur besten Sendezeit im amerikanischen Fernsehen, als es beim „Jeopardy“ zwei menschliche Rate-Champions in Grund und Boden spielte. Nun muss es beweisen, dass es auch die Nachrichtenmassen besiegen kann.

E-Mails sind Segen und Fluch. Nie war es einfacher, einen Termin zu vereinbaren, im Internet zu ordern oder einfach einen Gruß zu verschicken. Doch weil all das nur einen Klick kostet, ist das elektronische Postfach schnell vollgestopft. E-Mails in CC, Terminanfragen und Newsletter türmen sich schon binnen kurzer Zeit. Büroarbeiter wenden nach Einschätzung der Unternehmensberatung McKinsey 30 Prozent ihrer Arbeitszeit für das Lesen und Schreiben elektronischer Nachrichten auf.

Diverse Werkzeuge sollen helfen, dieses Chaos zu beenden oder einzudämmen. Einige Anbieter setzen etwa auf interne soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter – so halten sich Büroarbeiter gegenseitig auf dem Laufenden. Firmenblogs und interne Mitmach-Lexika im Stile von Wikipedia helfen, das Wissen der Mitarbeiter aus dem Postfach zu befreien. Und Chat-Dienste im Stile von Whatsapp ermöglichen Absprachen, ohne dass das Postfach vollläuft. Soziale Netzwerke im Dienste der Firma: Die IT-Branche nennt das Social Business.

Auf der Cebit vermarkten diverse Unternehmen solche Systeme. Da ist das Start-up Smashdocs, das die gemeinsame Bearbeitung von Dokumenten ermöglicht – ohne dass man Word-Dokumente per E-Mail verschicken und Dateiversionen abgleichen muss. Da ist die Deutsche Telekom, die ihre Plattform Teamlike jetzt auch größeren Firmen mit dedizierten Servern anbietet. Und da ist der IT-Dienstleister Materna, der Wissensarbeitern virtuelle Teamräume einrichtet.

Auch IBM wittert hier ein Geschäft. Der Konzern hat nach eigenen Angaben 100 Millionen Dollar in die Entwicklung von Verse investiert. Wenn im Frühjahr die fertige Version online geht, soll sie eine Art Kommunikationszentrale mit schlauem Sekretär sein. Die Hoffnung der Entwickler: Wenn die Software die Nutzer produktiver macht, zahlen die Arbeitgeber dafür gerne. Privatnutzer und kleine Firmen sollen eine abgespeckte Version kostenlos nutzen können.

Verse vereint alles, was heute zu einer Kommunikationszentrale gehört: Neben der E-Mail sind auch Kalender, Online-Speicher und ein Videochat mit einem Klick erreichbar. Wer nach einer Person sucht, bekommt die gesamte Kommunikation mit ihr angezeigt. Die Software sei von Grund auf neu entwickelt und designt worden, berichtete IBM-Manager Stefan Pfeiffer. Etliche einzelne Komponenten hatte der Konzern allerdings schon vorher.

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