Cebit-Partnerland Japan „Wir müssen dringend eine diverse Kultur aufbauen“

Japan tritt in diesem Jahr groß bei der Cebit auf. Hitachi-Chef Hiroaki Nakanishi erklärt, warum das Land in der Ära Industrie 4.0 wieder ganz nach vorne kommen kann – und dass sich die Japan AG sehr um Europa sorgt.
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Japan ist in diesem Jahr Partnerland der IT-Messe. Quelle: dpa
Aufbau der Cebit

Japan ist in diesem Jahr Partnerland der IT-Messe.

(Foto: dpa)

TokioFür Hiroaki Nakanishi sind Gespräche über die neue Epoche der Industrie 4.0 ein intellektuelles Heimspiel. Der Vorstandsvorsitzende des Siemens-Rivalen Hitachi ist ein Computerfreak der ersten Stunde. 1979 machte er an der Stanford Universität seinen Master in Computerwissenschaften. In seiner Doppelfunktion als Firmenführer und Vizechef des japanischen Unternehmensverbands Keidanren ist der 70-jährige Staatsmann der Japan AG immer noch sehr beschäftigt. Aber die deutsche Messe Cebit war ihm dann doch so wichtig, dass er sich Zeit für das Handelsblatt genommen hat.

Herr Nakanishi, voriges Jahr haben Sie offen in Großbritannien gegen den Brexit geworben. Bei der Cebit ist Japan Partnerland und mit rund 200 Firmen vertreten. Ist das ein politisches Zeichen für Deutschland?
(Lacht) Nein, das ist es nicht. Sicherlich gibt es derzeit politische Diskussionen. Aber als Keidanren wollen wir mit Wirtschaftsführern über die Digitalisierung und den starken Trend zu globaleren und offeneren Gesellschaften diskutieren.

Der Vorstandsvorsitzende von Hitechi ist zugleich Vizechef des japanischen Unternehmensverbands Keidanren. Quelle: Bloomberg
Hiroaki Nakanishi

Der Vorstandsvorsitzende von Hitechi ist zugleich Vizechef des japanischen Unternehmensverbands Keidanren.

(Foto: Bloomberg)

Welche Bedeutung hat die Cebit dabei?
Ehrlich gesagt haben in den vergangenen Jahren nicht viele japanische Firmen an der Cebit teilgenommen. Aber nun gibt es viel Schwung in der Wirtschaft und der Politik für mehr Kooperation. Und meiner Meinung nach ist die Cebit eines der wichtigsten Ausstellungen und eine gute Gelegenheit, Meinungen auszutauschen.

Glauben Sie, dass der Trend sich nächstes Jahr fortsetzen wird?
Ich hoffe doch. Ein Grund ist die jüngste Welle der Digitalisierung, die die Beziehungen zwischen vielen Ländern beeinflusst. Alle Staaten versuchen, den Trend zu fördern.

Was sind die Gemeinsamkeiten zwischen Deutschlands Konzept Industrie 4.0 und dem japanischen Ansatz?
Überall ist die Digitalisierung der Industrie, vor allem der verarbeitenden Industrie, das erste Ziel. Aber in Japan wollen wir einen Schritt weitergehen und überlegen, wie die neuen Möglichkeiten uns helfen, soziale Probleme zu lösen. Das Transportwesen ist ein typisches Beispiel: Mehr Menschen ziehen in die Städte. Dies hat einen Einfluss auf die Verkehrsströme. Mit Hilfe der Digitalisierung können wir die Trends sichtbar machen und neue Antworten finden. Andere Probleme, die die Entwicklung antreiben, sind die alternde Gesellschaft, sinkende Bevölkerung und Arbeitskräftemangel. Wir wollen einen klaren Weg zu einer wohlhabenderen, bequemeren und sichereren Gesellschaft formulieren. Das Konzept nennen wir Society 5.0.

Was bedeutet das konkret?
Die Menschheit als Jäger und Sammler angefangen. Dann folgte die Landwirtschaft, später die Industrie- und dann die Informationsgesellschaft. Die nächste Stufe ist eine verbundene, integrierte Gesellschaft. Wir nennen sie auch Super-Smart Society, die durch neue Technologien unterstützt wird.

Aber hinkt Japan nicht hinter anderen Ländern hinterher? Immerhin sind Faxgeräte, Papier und Geschäftsreisen statt Videokonferenzen immer noch üblich.
Ich denke nicht, dass es eine Frage zwischen digital und analog ist. Die Abschaffung von Papier ist nicht das eigentliche Ziel. Wir wollen, dass die Daten zu uns sprechen. Digitalisierung hat eine starke Kraft – die Sammlung von Daten über soziale Phänomene, die Fertigung und Menschen sowie deren preiswerte Speicherung und Analyse. Daher ist die Durchdringung einer Gesellschaft mit Smartphones oder Tablets kein Indikator für eine digitalisierte Gesellschaft. Der wichtigste Punkt ist, wie wir Daten nutzen können, um Phänomene zu erkennen und Probleme zu lösen.

Industrieroboter wird zum Pizzabäcker
Roboter backt Pizza
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Ein Roboter, der den Haushalt erledigt – am Bremer Institut für künstliche Intelligenz (IAI) arbeiten Forscher an der Verwirklichung dieses Traums: Dort wird Robotern Küchenarbeiten wie Pizzabacken oder das Zubereiten von Popcorn beigebracht.

Forschungsprojekt RoboHow
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Im Zuge des EU-finanzierten Projekts „RoboHow“ werden die Maschinen von den Bremer Forschern auf die Erledigung solcher Aufgaben trainiert. Durch die Arbeit in der Küche...

Zielorientiertes Handeln
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...sollen die Maschinen selbstständiges, zielorientiertes Handeln lernen und dabei vage Anforderungen in präzise Bewegungsketten umsetzen.

Michael Beetz mit Haushaltsroboter Pepper
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Alltagsaufgaben wie das Eindecken des Esstischs oder die Zubereitung einer einfachen Mahlzeit sind für Maschinen eine echte Herausforderung. „Den Menschen ist nicht bewusst, wie komplex das Ganze ist“, sagt Institutsleiter Michael Beetz.

Hochkomplizierte Abläufe
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„Küchenarbeiten sind hochkomplizierte Abläufe für einen Roboter“, so Beetz. „Einem Zweijährigen, dem man sagt: ‚Trink!‘, der kann einschenken und weiß, dass er nichts verschütten soll. Ein Roboter muss das lernen.“

Anleitungen aus dem Internet
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Am IAI werden die Roboter unter anderem mit Anleitungen aus dem Internet gefüttert. Auch mit Virtual Reality (VR) arbeitet das Forscherteam: Mit VR-Brille und Handcontrollern stellen die Mitarbeiter Bewegungsabläufe nach, die dann in für Roboter lesbare Daten umgewandelt werden.

Ergebnisorientiertes Handeln
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Labormanager Alexis Maldonado weiß, was alles schiefgehen kann, wenn ein Roboter stumpf vorgegebene Anweisungen befolgt: „Die ersten Maschinen, an denen ich mitgearbeitet habe, haben Löcher in die Tische gehauen.“ Ziel der Bremer Forscher ist es daher, den Maschinen ergebnisorientiertes und nicht wie bisher wortwörtliches Handeln beizubringen.

Wo sehen Sie Japan im Vergleich zu anderen Nationen?
Das Internet ist in Japan sehr üblich. Aber die großen Player der Internetwelt sind in den USA und China. Ich denke, dass dies sprachliche Gründe hat. Es sprechen viel weniger Menschen Japanisch als Englisch oder Chinesisch. Aber in der neuen Ära mag sich das ändern. Denn es sprechen nicht mehr nur Menschen miteinander, sondern auch Maschinen – in Maschinensprache. In diesem Bereich hat Japan einen großen Vorteil.

Welche Stärken sehen Sie?
Japan hat eine lange Geschichte der Industrialisierung, insbesondere im Maschinenbau, bei Werkzeugmaschinen, Informationstechnologie wie Computern und Robotern. Dementsprechend verbreitet ist die Messung von Daten. Und da das Internet der Dinge erst am Anfang steht, hat Japan eine Gelegenheit, zur Welt mit unseren eigenen Konzepten der Digitalisierung beizutragen.

„Wir brauchen einen radikalen Wandel der Arbeitskultur“
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  • "Herr Alfred E. Neumann - 09.03.2017, 12:35 Uhr

    Liebe Kommentatoren, leider werden wir noch viereinhalb Jahre mit der psychopatologischen Zonenpfaffentochter oder dem Kriminellen Alkoholiker leben müssen.
    Handlungsunfähig werden wir gezwungen zuzuschauen wie dieses großartige Land zugrunde gerichtet wird!"

    @HBO
    das ist sogar unter meinem Niveau.
    Ich bin zwar ein glühender Anhänger von Trump und Putin, und sehe für unser Reich nur die AFD als Rettung, aber das geht wirklich zu weit.
    Bitte Neumann entfernen, der ist ja wohl MAD! Danke

  • Bevor wir über die Industrie 4.0 sprechen und uns Gedanken machen, müssen wir Europäer erst einmal mit der Globalen Eliten Politik der etablierten Parteien (EU und Euro) aufräumen. Die Gefahren einer unkontrollierten illegalen Einwanderung nach Europa und Deutschland macht uns Europäer immer mehr zu schaffen...auch das Problem muss erst gelöst werden, bevor wir uns überhaupt mit dem Thema Industrie 4.0 beschäftigen können.

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