Cebit: Intel im Kampf um den Drohnen-Markt

Cebit-Start
Intel forciert Kampf um den Drohnen-Markt

In Hannover startet die Cebit. Intel lässt auf der Computermesse Drohnen abheben: Der Chiphersteller positioniert sich mit der neuen Technologie für Firmenkunden. Denn noch ist das Geschäft mit den Drohnen überschaubar.
  • 0

Hannover, MünchenDas Summen klingt im Nieselregen etwas gedämpft. Doch den Flug stört das nicht: Die Drohne zieht in einem Halbkreis in einem ersten Testlauf am gestrigen Sonntag um den Turm und kehrt sicher zum Startpunkt zurück, wo sie genau vor den Füßen des Piloten auf dem Boden aufsetzt. Dieses Gerät ist dafür gebaut, eine Ölplattform auf hoher See zu inspizieren – mieses Märzwetter macht da nichts.

Es ist eine Premiere, die sich auf dem Messegelände in Hannover abspielt: An diesem Montag steigen zum Auftakt der Cebit erstmals in großem Stil Drohnen in den Himmel. Auf einer Wiese vor Halle zwei will der Chipriese Intel beweisen, dass die unbemannten Fluggeräte mehr sind als Spielzeuge. Nebenan in Halle 17 lassen etliche andere Firmen ihre Flieger abheben. „Drohnen sind heute schon vielerorts im Einsatz“, sagte Intels Deutschlandchef Christian Lamprechter dem Handelsblatt. „Es weiß nur kaum jemand.“

Es hat seinen Grund, dass der weltgrößte Chiphersteller auf einmal mit Drohnen wirbt, statt wie früher neue Prozessoren herauszustellen. Die digitale Revolution erlaubt die Entwicklung leistungsfähiger und gleichzeitig bezahlbarer Fluggeräte. Die meisten Komponenten, die beim Bau zum Einsatz kommen, sind dank des Smartphone-Booms der vergangenen Jahre bezahlbare Massenware. Drohnen sind Computer in einer windschnittigen Hülle.

Intel hofft deswegen auf gute Geschäfte. Denn die Flieger benötigen Prozessoren, um eigenständig navigieren zu können. Und sie erzeugen große Datenmengen, die in Rechenzentren verarbeitet werden, wo oft Chips des Konzerns zum Einsatz kommen. Bei einem einzigen Flug über eine Fabrik oder Solaranlage entstehen Fotos, die die Festplatte eines neuen PCs füllen. Um sich zu rüsten, hat der Konzern mehrere Hersteller unbemannter Fluggeräte übernommen, die Münchener Firma Ascending Technologies etwa.

Welche Szenarien möglich sind, ist auf der Cebit zu sehen. So nutzten bereits Ölförderer in der Nordsee Drohnen, um Schäden an Plattformen zu erkennen. Bislang seien Techniker routinemäßig eingeflogen, um die Anlagen auf hoher See unter die Lupe zu nehmen. Jetzt würden sie nur noch anreisen, wenn wirklich Bedarf bestehe, erläuterte Lamprechter. Das spare viel Geld. Auch Solaranlagen oder Brücken lassen sich aus der Luft inspizieren.

Noch ist das Geschäft mit den Drohnen überschaubar. Weltweit werden Firmen und Konsumenten dieses Jahr gut sechs Milliarden Dollar für die Fluggeräte ausgeben; das entspricht nur etwa einem Zehntel des Umsatzes von Intel. Doch das Plus gegenüber dem Vorjahr beträgt den Marktforschern von Gartner zufolge gut ein Drittel. Aus der Nische könnte also bald ein Massenmarkt werden.

Und an dem will Intel unbedingt teilhaben. „Wir wollen keine neue Schlüsseltechnologie verpassen“, betonte Lamprechter. Der Konzern zieht damit eine Lehre aus der Vergangenheit. Denn das Milliardengeschäft mit Smartphones und Tablets ist an dem Konzern aus dem Silicon Valley vorbeigegangen, alle Versuche einer Aufholjagd sind mehr oder weniger gescheitert. Noch immer verdient Intel sein Geld größtenteils mit Prozessoren für PCs, Notebooks und Netzwerkrechner, dem seit Jahrzehnten angestammten Geschäft. Prozessoren sind das Gehirn eines jeden Computers. Wenn die Prognosen von Gartner zutreffen, dann werden die Drohnenhersteller 2020 bereits gut elf Milliarden Dollar Umsatz verzeichnen, also fast doppelt so viel wie im laufenden Jahr. Parallel dazu müssen die Mobilfunknetze und die Rechenzentren aufgerüstet werden.

Seite 1:

Intel forciert Kampf um den Drohnen-Markt

Seite 2:

Technik ähnelt dem autonomen Fahren

Kommentare zu " Cebit-Start: Intel forciert Kampf um den Drohnen-Markt"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%