China auf der Cebit: Vom Imitator zum Innovator

China auf der Cebit
Vom Imitator zum Innovator

China ist Partnerland der diesjährigen Cebit, der Messe-Auftritt chinesischer Firmen ist nur ein Vorgeschmack auf das, was für die Zukunft zu erwarten ist. Chinas Technikfirmen wollen ganz vorn mitspielen.
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PekingEs gehört zur Masche von Lei Jun, ein riesiges Selbstbewusstsein zur Schau zu stellen. Dennoch überrascht seine jüngste Prognose: „In zehn Jahren“, behauptet der Chef des chinesischen Handyherstellers Xiaomi, „werden wir Apple überholen.“ Sein Unternehmen werde bis dahin der größte und angesehenste Smartphone-Anbieter weltweit sein.

Immerhin gibt Lei sich bis 2025 Zeit. Er hätte durchaus auch einen noch steileren Pfad an die Weltspitze vorzeichnen können – schließlich hat sich sein Unternehmen innerhalb von vier Jahren unter die führenden Handy-Hersteller hochgearbeitet. Xiaomi ist damit ein Beispiel für die Geschwindigkeit, mit der Technikfirmen aus dem Reich der Mitte an die Weltspitze streben. „In Zukunft werden chinesische Unternehmen ganz vorn mitspielen“, glaubt er.

Die Ambitionen der Anbieter aus Fernost lassen sich in den kommenden Tagen auch direkt in Deutschland in Augenschein nehmen. China ist Partnerland auf der Cebit, der weltweit führenden Messe für Informationstechnik (IT). Chinesische Topmarken wie der PC-Hersteller Lenovo, die Handelsplattform Alibaba oder die Netzausrüster Huawei und ZTE präsentieren hier, was sie können. Insgesamt fliegen 600 Aussteller ein. Noch nie hat ein Cebit-Partnerland so geklotzt.

Die starke Präsenz ist jedoch kein Wunder. In China kommen gerade für IT-Firmen mehrere besonders günstige Faktoren zusammen. „Die Chancen stehen tatsächlich gut, dass chinesische Firmen eines Tages auch an Giganten wie Samsung vorbeiziehen“, sagt der prominente Technikexperte Liu Huafeng, seinerseits Gründer der „Wassermelonen-Schule“, die junge Entrepreneure im Internetmarketing fit macht.

Der größte Standortfaktor sei der eigene Markt, sagt Liu. Es handelt sich um den potenziell größten Technikmarkt der Welt mit vielen begeisterten Kunden, die immer den neuesten Funktionen hinterherjagen.

Dazu kommen gute Rahmenbedingungen: Die chinesische Industriepolitik hat die eigenen Anbieter jahrelang vor ausländischer Konkurrenz geschützt und damit verhindert, dass US-Dominanz ihr Heranwachsen verhindert. Die Regierung hört zudem sehr genau zu, wenn es um die Bedürfnisse der Industrie geht - Xiaomi-Chef Lei Jun nimmt derzeit in Peking als Abgeordneter am Nationalen Volkskongress teil, der gesetzgebenden Versammlung.

Doch staatlicher Einfluss allein hätte definitiv für den Erfolg des Landes nicht gereicht – nur eine Minderheit der wichtigen Firmen sind Staatsbetriebe. Die Innovationsführer sind durchweg Privatbetriebe, deren Entwicklung von einer manischen Gründerpersönlichkeit angetrieben ist - so wie Lei Jun bei Xiaomi. Das gilt für den Internethändler Alibaba genauso wie für die Suchmaschine Baidu oder den Netzausrüster Huawei. Es sind eher Hausgeräteanbieter mit Elektro-Sparte wie Haier oder TCL, die noch den Staat im Rücken haben.

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