Datenschutz in öffentlichen Netzen: Wenn der WLAN-Hotspot im Airport spioniert

Datenschutz in öffentlichen Netzen
Wenn der WLAN-Hotspot im Airport spioniert

Im Urlaub Fotos an die Lieben schicken, am Flughafen die Mails checken: Ohne WLAN-Hotspots wird das im Ausland teuer. Doch wer den nächstbesten Internetzugang nutzt, geht ein hohes Risiko ein – wie ein Experiment zeigt.

BarcelonaRaus aus dem Flugzeug, rein ins Netz: Nach der Landung checken die meisten Fluggäste ihre E-Mails, suchen den nächsten Zug oder lesen die Nachrichten. Ein offener WLAN-Hotspot kommt bei Auslandsreisen gerade recht. Doch wer das nächstbeste Netzwerk nutzt, setzt sich einem erheblichen Risiko aus. Für Cyberkriminelle und Hacker ist es ein Leichtes, über solche Zugänge Daten zu stehlen.

Wie unbedarft selbst erfahrene Nutzer sind, zeigt eine Studie des IT-Sicherheitsspezialisten Avast: Das tschechische Unternehmen hat kürzlich vor der Mobilfunkmesse Mobile Word Congress (MWC) in Barcelona am Flughafen der Metropole zwei präparierte WLAN-Hotspots aufgestellt. Die Reisenden konnten über diese Zugänge ins Netz gehen, gaben dabei aber unbemerkt Informationen über sich preis. Das erschütternde Ergebnis: Binnen vier Stunden fielen 2000 Menschen darauf herein, darunter zahlreiche, die in der Mobilfunkbranche arbeiten und sich daher auskennen müssten.

Die Sicherheitsexperten tarnten ihre Datensauger allerdings geschickt. Einen Hotspot nannten sie Starbucks. Die amerikanische Cafékette bietet zu ihren teuren Getränken kostenlose Internetzugänge an. Dem anderen gaben sie den Namen „Free MWC“. Auch das klingt plausibel, weil es auf der Messe seit Jahren ein frei zugängliches WLAN gibt. Für die Tarnung mussten die Avast-Experten lediglich die Hotspots entsprechend benennen – das kann jeder mit einigen Mausklicks tun.

Die Avast-Experten konnten so den Datenverkehr über ihre Rechner schleusen und auswerten – zumindest den unverschlüsselten. Immerhin 30 Prozent der Browser-Aufrufe erfolgen offen. Sie konnten außerdem genau beobachten, wer welche Programme verwendet. So schaute ein Prozent der Nutzer gleich am Flughafen in einer Kuppel-App, wie die Chancen stehen. Sogar bei 60 Prozent der Nutzer ist es außerdem möglich gewesen, deren Identität herauszufinden – etwas über den Gerätenamen, in dem sich viele Nutzer verewigen.

Wenn Hacker die Verbindung über ihre Rechner lotsen, birgt das ein enormes Missbrauchspotenzial. „Wenn Nutzer nicht verschlüsseln, ist es machbar, ihnen schädliche Software unterzuschieben“, sagte Avast-Analyst Vladislav Iliushin. Im schlimmsten Fall landet ein Schnüffelprogramm auf dem Smartphone, das den Nutzer auch dann noch ausspäht, wenn er den Flughafen schon längst wieder verlassen hat.

Auch andere Szenarien sind nicht abwegig. Wenn Hacker etwa wissen, wie eine Person heißt und welche Apps sie nutzt, können sie womöglich die Zugangsdaten rekonstruieren – in den dunkeln Ecken des Netzes kursieren Millionen von Zugangsdaten aus Hackerangriffen. Da viele Nutzer ihre Passwörter selten verändern, können Kriminelle auf gut Glück versuchen, ob sie sich damit beispielsweise in das E-Mail-Konto einloggen können. Und das ist eine Art Generalschlüssel für viele andere Dienste im Netz.

Selbst wenn Apps die Daten verschlüsseln, sind die Nutzer nicht sicher. Denn viele Programmierer setzen die Technik nicht richtig ein. Wie gravierend das Problem ist, lesen Sie auf der nächsten Seite.

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Verbreitete Schlamperei mit Nutzerdaten

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