Digitalisierung der Arbeitswelt – Cebit 2017: Jetzt wird es richtig ernst – für alle Berufsgruppen

Digitalisierung der Arbeitswelt – Cebit 2017
Jetzt wird es richtig ernst – für alle Berufsgruppen

„Lebenslanges Lernen“ als Lippenbekenntnis – die Zeit ist vorbei. Die Digitalisierung verändert jeden Arbeitsplatz. Auf der Cebit zeigen Experten, wie die Zukunft aussehen könnte. Was das für den Arbeitsalltag bedeutet.
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HannoverDer Arbeitstag beginnt mit dem Blick auf eine App: In welcher Etage ist ein Schreibtisch frei? Ein kleiner Sensor im Stuhl verrät, welcher Arbeitsplatz gerade unbesetzt ist. Eigentlich ist ein freier Platz immer zu haben: Schließlich arbeitet über die Hälfte der Angestellten von zuhause aus. Die Kollegen, die noch ins Büro kommen, haben ihre Arbeitszeiten vom Betriebsarzt auf ihren natürlichen Biorhythmus abstimmen lassen. Eine Kollegin aus der Kreativabteilung arbeitet zum Beispiel abends viel besser – und kommt daher meist erst gegen 15 Uhr ins Büro.

Wenn ein freier Platz gefunden ist, beginnt der Arbeitstag mit einer Konferenz in der US-Niederlassung in San Francisco. Dienstreisen? Die hat der Unternehmenscontroller, ein intelligenter Algorithmus, bereits vor zwei Jahren abgeschafft. Für die Teilnahme an der Konferenz ist lediglich eine Datenbrille notwendig, für den neuen Konferenzbereich hatte man extra einen Pariser Innenausstatter für virtuelle Räume engagiert. Das Thema des Meetings: Die neuen Policen vom Algorithmus-Versicherer, die mal wieder teurer geworden sind. Die Diskussion ist hitzig, doch zum Glück ist der unternehmenseigene Empathie-Interventionist anwesend.

Zugegeben: Es ist eine Vision. Aber wer sich dieser Tage auf der weltweit größten Technikmesse Cebit in Hannover umschaut und umhört, der kann eine Vorahnung bekommen, wie sie aussehen könnte, die Zukunft der Arbeit: Datenbrillen, die virtuelle Konferenzen ermöglichen, Drohnen, die wichtige Kurierdienste tätigen oder intelligente Maschinen, die unsere Arbeit erledigen. Schöne, neue, vernetzte Welt. Doch es lauern auch Gefahren: Viele Experten warnen vor einem neuen digitalen Prekariat, von den Abgehängten, die mit dem Wandel nicht Schritt halten können und sich dann nationalistischen und protektionistischen Strömungen zuwenden. Was muss also passieren, damit die Transformation gelingt? Und welche Visionen für den Arbeitsplatz sind realistisch?

Die Zukunft, sie hat längst begonnen: Das zeigen nicht nur die vielen Maschinen, die überall auf der Cebit rumstehen, fahren oder rumwerkeln. Eine repräsentativen Befragung von Unternehmen ab 500 Mitarbeitern, die von Bitkom Research im Auftrag des Personaldienstleisters Etengo durchgeführt wurde, belegt: Innovative Technologien werden in weniger als 15 Jahren in vielen großen Unternehmen Arbeitsalltag sein. Knapp drei Viertel (73 Prozent) meinen, dass 3D-Technologien bis 2030 verbreitet sein werden. Sechs von zehn (59 Prozent) erwarten das für Datenbrillen und fast die Hälfte (48 Prozent) für Drohnen. Dahinter folgen Serviceroboter (23 Prozent), die Dienstleistungen ausführen, und Digital Counterparts (13 Prozent) wie intelligente Klone beziehungsweise virtuelle Avatare, so die Umfrage.

Schon 2016 kam die Delphi-Studie „2050: Die Zukunft der Arbeit“ der Bertelsmann Stiftung und der Denkfabrik Millennium Project zu dem Ergebnis, dass in Zukunft immer mehr Aufgaben von Maschinen erledigt werden können. Der technologische Fortschritt erfasse alle Berufsgruppen und sein Tempo werde noch zulegen, so die Verfasser der Studie.

Auch Christoph Beck, Professor für Human Resource Management an der Hochschule Koblenz, meint: „Jeder Arbeitsplatz wird von den künftigen Entwicklungen und Innovation betroffen sein. Administrative Prozesse ebenso wie körperliche Arbeiten werden durch den Kollegen Computer übernommen, das heißt Konzentration auf seine Kernkompetenzen.“ Was ein Computer besser, präziser und schneller machen kann, solle der Computer oder Roboter übernehmen, so Beck: „Eine riesige Chance für den Menschen, sich auf die Dinge zu konzentrieren, die dieser besser machen können.“

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  • Sehr geehrter Herr Steger,

    ich kann mich über Jahrzehnte hinweg an zahllose Expertenbefragungen erinnern. "Was sind denn die Zukunftsbranchen?", wurde immer wieder gefragt. Es gab auch stets gelehrte und plausibel klingende Antworten. Schade, dass sich die Zukunft ganz anders entwickelte.

    Wenn ich noch einmal auf die Welt komme, werde ich Zukunftsforscher. Dann kann ich den ganzen lieben lang Tag vor andächtig lauschenden Zuhöreren herumschwafeln. Und widerlegen kann mich keiner. Wer will denn meinen Glauben an zukünftige Entwicklungen widerlegen?

    Reden wir einmal über unsere Erfahrungen. Wir haben alle erlebt, dass PCs Einzug in die Büros und Werkhallen hielten, dass Mobiltelefone die Welt eroberten und das Internet entstand. Aber hat sich unser Leben dadurch wirklich grundlegend verändert? Ist uns beispielsweise die Arbeit ausgegangen?

  • "Denn K.I. und VR machen das bald überflüssig. "
    ... und für den Rest der wissensbasierten Industriearbeitsplätze gibt es globalen Wettbewerb um die Stelle - durch Umstellung auf komplett projektorganisierte Unternehmen und standortverteilte Zusammenarbeit in den Projektteams.

    Die Technologie hierfür muß nicht erstnoch erfunden werden - cscw groupware für project collaboration macht's heute schon möglich. (und durch die Protokollierung der Projektkommunikation gepaart mit global staffing entstehen nicht nur auf der Kostenseite enorme Vorteile, sondern auch die verbesserte Performance durch optimierte Allokation von work mit workforce reizen mit unwiderstehlichen Möglichkeiten).

    Ich kann den Studenten deren Studium auf einen Arbeitsplatz in der Industrie abzielt heute nur raten, sich von der (gemütlichen) Linie ab- und sich dem Know-How zur Arbeit in Projekten zuzuwenden.
    Die träge, gemütliche Linie wird's bald nicht mehr geben.
    Und das ist auch gut so!

  • Dann passt mal auf, dass ihr nicht nicht in den falschen Gruppen lernt:

    - Journalisten
    - BWL
    - einfache Arbeiten (Apotheker, Strassenfeger, LKW-Fahrer,..)

    Denn K.I. und VR machen das bald überflüssig.

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